Neckarsulmer Handballerinnen mit gefährlich gutem Ergebnis

Handball  Ein taktischer Kniff im Endspurt kaschiert den langen Durchhänger der Sport-Union beim 33:24 in Ketsch. Keeperin Wachter ist zur Pause beste Werferin.

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Die Neckarsulmerinnen durften in Ketsch zum fünften Mal in Folge über einen Sieg jubeln, waren aber über weite Strecken unkonzentriert.

Foto: NSU

Natürlich war die Neckarsulmer Trainerin glücklich über die nächsten beiden Bundesliga-Punkte. Und doch gestand Tanja Logvin nach dem fünften Erfolg in Serie ganz ehrlich: "Ein knapper Sieg wäre mir lieber gewesen." Mit 33:24 schlug ihre Sport-Union Schlusslicht Kurpfalzbären Ketsch am Samstag letztlich standesgemäß - es war ein gefährlich gutes Endergebnis.

Denn als die Pausensirene durch die Neurotthalle schrillte, "waren die Mädels selbst erschrocken", berichtete Logvin. Mit 12:13 lag der klar favorisierte Vierte gegen aggressive Ketschbären im Hintertreffen. Neckarsulm fehlte Konzentration, Kampfgeist und Körpersprache - eigentlich fast alles, was die aktuelle Saison bislang zur schon jetzt erfolgreichsten der Vereinsgeschichte gemacht hat.

Trainerin Tanja Logvin schämt sich

"Die erste Halbzeit war eine Katastrophe - ich habe mich geschämt", betontete Tanja Logvin. Dieses unbehagliche Befinden teilte sie in einer deutlichen Kabinenansprache besonders mit ihren zuletzt so treffsicheren Angreiferinnen. Denn die beste Neckarsulmer Schützin hieß nach 30 Minuten Sarah Wachter. Zumindest die Keeperin hatte nach Ballgewinnen viermal zuverlässig und reaktionsschnell verwandelt, als der Ketscher Kasten zu Gunsten einer siebten Feldspielerin immer wieder unbesetzt blieb.

Zurück auf dem Feld, stand die Sport-Union im zweiten Durchgang zwar dank einer offensiven Abwehrumstellung deutlich stabiler, offensiv fehlte aber weiter der letzte Wille. Erst Mitte der zweiten Hälfte setzten sich die Neckarsulmerinnen mit einem 6:1-Lauf zum 22:17 erstmals deutlich ab. Bis zum 20:23 (52.) durften sich die tapferen Gastgeberinnen aber weiter für ihr Engagement belohnen.

Ohne Kreisläuferin und mit vier Rückraumkräften

Es brauchte einen letzten taktischer Kniff von Tanja Logvin, um für klare Verhätnisse zu sorgen. "Ich musste helfen", sagte die Trainerin zur ungewohnten Maßnahme ohne Kreisläuferin und mit vier Rückraumkräften in den Endspurt zu gehen. Die offensive Deckung der Kurpfalzbären fand keine Antwort auf das Neckarsulmer Dauerfeuer aus dem wurfgewaltigen Rückraum mit Irene Espinola Perez, Lynn Knippenborg, Lucie-Marie Kretzschmar und Carmen Moser.

Letztere kam so in den Schlussminuten an alter Wirkungsstätte noch zu beachtlichen acht Treffern. Auch der Ketscher Coach zollte der kreativen Offensiv-Ausrichtung Respekt: "Wirklich ein schöner Kniff. Das gefällt mir, wenn man mal was anderes macht und nicht immer den gleichen Stiefel spielt. Ich freue mich schon, das zu analysieren und mir zu überlegen, wie man es das nächste Mal besser machen kann."

NSU-Fehler, die eigentlich bestraft werden

Logvin möchte Ähnliches wie gegen die Kurpfalzbären lieber nicht noch einmal sehen: "Solche Leistungen dürfen wir uns in der Bundesliga normalerweise nicht erlauben. Solche Fehler werden eigentlich nicht vergeben." Sie wisse, dass es gegen solche Mannschaften immer schwer ist und "wir sind noch nicht an der Stelle, wo man diese Spiele einfach locker gewinnt - vielleicht im nächsten, übernächsten Jahr".

Natürlich war die Neckarsulmer Trainerin glücklich über das Aufbäumen in den Schlussminuten: "Das zeigt, welche Qualität wir haben. Aber die müssen wir in jeder einzelnen Sekunde zeigen, wenn wir auch Spiele wie am Mittwoch bei Blomberg gewinnen wollen."

Ein ganz knapper Sieg beim Schlusslicht hätte da als Denkanstoß vielleicht besser getaugt als das letztlich gefährlich gute Endergebnis in Ketsch.


Mehr Infos zum Spiel:

Neckarsulmer Sport-Union: Gois (7 Paraden), Wachter (8, 4 Tore) - Kalmbach (3 Tore), Senvald, Hendrikse (2), Knippenborg (1), Wick, Mann (1), Espinola Perez (9), Kooij, Nieuwenweg (2), Kretzschmar (3), Moser (8/2).

Beste Werferinnen KBK: Fackel (6/2), Engelhardt (5), Eckhardt (5/3).

Siebenmeter: KBK 6/7, NSU 2/3.

Zeitstrafen: 1/0.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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