Neckarsulmer Drama ohne Happy End

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union scheitert in einem aufreibenden Verfolger-Duell bei Blomberg-Lippe mit 29:30 und letztlich an sich selbst.

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Lucie-Marie Kretzschmar war Antreiberin eines starken Neckarsulmer Schlussspurts. Ihr finaler Wurf landete aber an der Latte.

Foto: Archiv/Veigel

Ein allerletztes Mal zitterte das Tor der HSG Blomberg-Lippe in der 60. Minute. Der finale Neckarsulmer Angriff auf dem Weg zu zumindest einem Bundesliga-Zähler endete an der Latte, nicht im gegnerischen Kasten. Auch der anschließende Freiwurf bei abgelaufener Zeit brachte kein Happy End mehr für die Sport-Union. Es blieb beim 29:30 (13:15) und einem ganz bitteren Mittwochabend.

Ein schlechtes Spiel hatten die Neckarsulmerinnen im Top-Duell Vierter gegen Fünfter nicht gezeigt. Aber doch fehlten immer wieder ein paar Zentimeter, zeigte die Sport-Union zu viele Fehler für ein erfolgreiches Spitzenspiel.

Viele Fehler, viel Tempo, viel Kampfgeist

"Wir haben das Spiel selbst verloren", sagte NSU-Trainerin Tanja Logvin knapp. Sie sah "viele Fehler, viel Tempo, viel Kampfgeist - ein schönes Spiel". Ja, beide Teams zeigten, warum sie sich in dieser Saison an die Spitze des Klassements herangespielt haben. Und beide zeigten in einem echten Drama auch immer wieder entscheidend Nerven.

Extrem cool präsentierte sich in der ersten Hälfte die Neckarsulmer Keeperin Isabel Gois. Ein ums andere Mal antwortete sie auf die quirrligen Angriffe der HSG mit abgeklärten Paraden und hielt ihr Sport-Union damit trotz 2:4-Start (7. Minute) in der Spur. Der gemeinste Gegner für die NSU-Offensive war bereits in Hälfte eins das Blomberger Gehäuse. Satte sechs Mal krachten Neckarsulmer Würfe gegen Latte oder Pfosten. Es war aber nicht nur Pech, sondern auch technisches Unvermögen. Eine richtig glückliche Figur im Angriff machte nur Jill Kooij am Kreis. Ihr war auch der Treffer zum 5:4 (10.) vergönnt.

Halbherzigkeiten gnadenlos bestraft

Die Gastgeberinnen ließen sich davon aber nicht schocken und bestraften Neckarsulmer Halbherzigkeiten gnadenlos mit Gegenstößen. Da war auch die gute Gois machtlos. Nach 20 Minuten war die Sport-Union so zu einem 6:10 geschlingert. Nach einer Auszeit stellte Logvin ihre Abwehr deutlich offensiver ein und brachte ihr Team damit wieder bis auf einen Treffer ran. Nach dem Neckarsulmer 12:13 griff HSG-Coach Steffen Birkner zur Grünen Karte und nahm dem Gast damit den Rhythmus. Muntere 30 Minuten endeten mit einer knappen, aber verdienten 15:13-Pausenführung für Blomberg-Lippe. Durchatmen.

Mit deutlich mehr Luft kam die HSG zurück aufs Feld und spurtete zum 22:17 (41.). Die NSU-Rotationsspiele brachten keinen Erfolg. Entschieden war die Partie aber noch lange nicht. Das große Drama sollte nach dem 20:25 (46.) noch folgen.

Kretzschmar führt Schlussspurt an

Angeführt von einer starken Lucie-Marie Kretzschmar als Spitze einer Neckarsulmer 5:1-Deckung nahm die NSU Blomberg-Lippe Ball um Ball und Tor um Tor ab. Beim 25:26 durch Kretzschmar zehn Minuten vor der Schlusssirene war das Spiel wieder völlig offen.

In einer engen Endphase rauschte die Partie hin und her, die Sport-Union stets dicht dran am Ausgleich. Doch fallen wollte er nicht. Auch im finalen Angriff nicht. Lucie-Marie Kretzschmar traf mit einem Gewaltwurf trotz Foul nur die Latte. Irene Espinola Perez gelang der Lucky Punch beim abschließenden Freiwurf nicht. Es blieb ein Neckarsulmer Drama ohne Happy End.

Neckarsulmer Sport-Union: Gois, Wachter - Kalmbach, Senvald, Hendrikse (4), Knippenborg (3), Wick (1/1), Mann, Espinola Perez (6), Kooij (7), Nieuwenweg (2), Kretzschmar (5), Moser (1).

Beste Werferinnen HSG: Franz (9/4).

Siebenmeter: HSG 4/4, NSU 2/1. Zeitstr.: 5/3


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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