Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen verlieren trotz Sechs-Tore-Führung in Metzingen

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union zeigt gegen die TuS Metzingen, angeführt von Torhüterin Sarah Wachter, 45 Minuten Handball der "Extraklasse". Am Ende fließen jedoch die Tränen.

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Sarah Wachter (M.) zeigte eine Topleistung, hielt unter anderem drei Siebenmeter, wie hier gegen Nationalspielerin Marlene Zapf.

Foto: imago-images/Pressefoto Eibner

Die Siegesserie der Neckarsulmer Sport-Union ist im neuen Jahr gerissen. Nach fünf Bundesliga-Siegen in Folge verlor das Team von Trainerin Tanja Logvin am Samstag unglücklich mit 22:24 (13:12) bei den Tussies Metzingen. Einen zwischenzeitlichen 19:13-Vorsprung (39. Minute) gaben die Gäste in den letzten 20 Minuten noch aus der Hand und damit die große Chance, ein echtes Top-Team zu bezwingen. "Nicht Metzingen hat das Spiel gewonnen, wir haben es selbst verloren. 45 Minuten waren wir Extraklasse, dann hat die Angst vor der eigenen Courage unser Angriffsspiel gelähmt", sagte eine frustrierte Logvin am Tag nach dem Spiel.

Besonders leid tat der Cheftrainerin der Ausgang der Partie mit Blick auf die überragende Neckarsulmer Spielerin: "Sarah Wachter hat eine Weltklasseleistung gezeigt. Ich hatte nach dem Spiel Tränen in den Augen, weil wir es nicht geschafft haben, diese Leistung mit zwei Punkten zu belohnen." Das Lob freute die 21-Jährige zwar, war aber kein Trost: "Es ist schön, wenn man gut hält, aber ich hätte lieber keinen Ball gesehen und dafür das Spiel gewonnen", sagte Wachter am Sonntag.

Lernen, mit der Favoritenrolle umzugehen

Feuchte Augen hatte nach dem Spiel nicht nur die Trainerin, auch bei den Spielerinnen flossen in der Kabine die Tränen. Eine Reaktion, die Logvin durchaus begrüßte: "Letztlich machen uns solche bitteren Niederlagen stärker. Wir müssen den nächsten Schritt machen und lernen, mit der Favoritenrolle umzugehen."

Tatsächlich stand die Sport-Union vor der Partie in der Tabelle vor den Tussies. Nach sechs Wochen Pflichtspielpause - darunter 14 Tage Corona-Quarantäne - waren die Neckarsulmerinnen aber sicher nicht als Favoritinnen angereist. Dennoch fanden sie sofort gut ins Spiel, lagen in der ersten Hälfte fast durchgängig in Führung. Das war nicht unbedingt zu erwarten, zumal die Gastgeberinnen in der Vorwoche bereits einen beeindruckenden 35:27-Auswärtssieg in Blomberg gefeiert hatten. "Die Mädels wissen selbst nicht, wie stark sie wirklich sind", sagt Logvin.

Wie stark das sein kann, demonstrierte die Sport-Union nach dem Seitenwechsel. Die 13:12-Pausenführung bauten sie mit einem 5:0-Lauf innerhalb von acht Minuten zum 18:12 aus. Allein in dieser Phase parierte Wachter vier Würfe. "Bis dahin hat mir auch die Abwehr super geholfen", sagte Wachter.

Erst in der 39. Minute gelang Metzingen der erste Treffer in der zweiten Hälfte, den Natalie Hendrikse aber umgehend mit dem 19:13 beantwortete. Nach drei Vierteln der Partie war Neckarsulm nun zweifellos in der Favoritenrolle. Die Wettquoten auf einen Auswärtssieg dürften nur noch sehr geringe Gewinne versprochen haben. "Wir hätten nur ruhig so weiterspielen müssen. Doch leider ist aus ruhig langsam geworden", ärgerte sich Logvin. Hinzu kam die Müdigkeit - Neckarsulm spielte im Prinzip mit nur acht Feldspielerinnen durch.

In der Schlussphase wird es in der Offensive statisch und ideenlos

Als Metzingen Tor um Tor aufholte, wollte keine Neckarsulmerin mehr Verantwortung übernehmen, das Angriffsspiel wurde immer statischer, es fehlten Ideen. "Du siehst es kommen und du kannst es nicht stoppen, obwohl ich alles versucht habe", beschrieb Logvin ihre Hilflosigkeit an der Seitenlinie.

Mit einem 9:1-Lauf zum 22:20 drehten die Gastgeberinnen in 14 Minuten das Spiel. "Nichts ist unmöglich", bemühte Trainerin Edina Rott hinterher den alten Toyota-Slogan. In dieser Phase wurde die ehemalige Neckarsulmerin Nadine Roth zur Matchwinnerin. Sie kam am Ende auf starke 15 Paraden, nur eine weniger als ihr Pendant auf der anderen Seite. "An die letzten 20 Minuten habe ich praktisch keine Erinnerung", konstatierte Wachter. Logvin wird sie ihrem Team in der Nachbereitung ins Gedächtnis rufen.

Neckarsulmer SU: Wachter (16 Paraden/3 Siebenmeter) - Kalmbach (4 Tore), Wolf, Senvald, Hendrikse (5), Knippenborg (4/2), Wick, Espinola Perez (3), Kooij (2), Nieuwenweg, Kretzschmar (2), Moser (2).

Beste Schützinnen der TuS: Zapf (7/2), van Wetering (7).

Siebenmeter: TuS 7/4; NSU 3/2.

Zeitstrafen: 3/5.

JETZT KOMMT DER BVB

Im nächsten Spiel ist Neckarsulm ganz sicher in der Außenseiterrolle: Bereits am Mittwoch (19.30 Uhr) ist die aktuelle Über-Mannschaft der Bundesliga zu Gast. Die Borussia aus Dortmund ist nach zehn Spielen noch verlustpunktfrei, hat am Samstag aber in der Champions League mit 27:31 in Podgorica verloren.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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