Neckarsulm geht auf Platz zwei in die Pause

Handball  Die Sport-Union erkämpft sich mit 25:23 gegen Bensheim eine schillernde Momentaufnahme und beweist erneut große Geschlossenheit. Selbst ohne die Topscorerin gewinnt Neckarsulm das fünfte Spiel in Folge.

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Carmen Moser drehte gegen Bensheim/Auerbach genau zum richtigen Zeitpunkt auf und kompensierte mit ihren acht Treffern den Ausfall der NSU-Topscorerin Irene Espinola Perez. Schüssel zum Sieg war aber die Abwehrarbeit.

Foto: Ralf Seidel

Es ist ein berauschendes Tabellenbild für die Neckarsulmerinnen. Eine Momentaufnahme zwar, aber doch ein bleibender Eindruck.

Nach einem 25:23 (11:11) gegen die Flames der HSG Bensheim/Auerbach am Samstagabend, geht die Sport-Union nach zehn Spielen als Zweiter des Bundesliga-Klassements in die fünfwöchige EM-Pause. "Die Mädels dürfen das jetzt einfach genießen", sagte NSU-Trainerin Tanja Logvin und meinte damit sieben freie Tage fürs Team sowie den erfreulichen Blick aufs Tableau gleichermaßen.

Kein Spiel für Genießer

Neckarsulms fünfter Liga-Sieg in Serie und der siebte Erfolg insgesamt waren allerdings nicht unbedingt etwas für Genießer. "Es war nicht das schönste Spiel, was wir gemacht haben. Aber wir haben trotzdem wieder gemeinsam gekämpft und zwei Punkte geholt - das ist super. Wir sind zu Hause richtig stark", sagte Kapitänin Nathalie Hendrikse.

Nur Ligaprimus Bietigheim hat aus der Ballei bisher Punkte entführen können. "Wir haben uns schon vor der Saison vorgenommen, dass wir vor allem hier in Neckarsulm keinen einzigen Punkt herschenken wollen. Das haben wir bisher ganz gut umgesetzt. Man spürt einfach unseren Kampf, Emotionen und diesen Zusammenhalt - das bringt uns enorm weiter und lässt uns eben solche Spiele wie gegen Bensheim gewinnen. Diese Saison stimmt einfach sehr viel", erklärte NSU-Urgestein Selina Kalmbach.

Bittere Wochen der Wahrheit drohen nach der EM-Pause

Auch die Selbstwahrnehmung ist stimmig. Und so weiß natürlich auch Logvin bei aller Freude über den zwischenzeitlichen zweiten Platz: "Wir haben noch einen langen Weg vor uns und das bedeutet gar nichts."

Gegen die vier direkten Verfolger Dortmund, Blomberg-Lippe, Thüringen und Metzingen haben die Neckarsulmerinnen allesamt noch nicht gespielt. Der BVB durfte bisher nur sieben Partien bestreiten und hat diese allesamt gewonnen. Auch den Blombergerinnen fehlt bei einer Partie weniger lediglich ein Pluspunkt auf die Sport-Union.

Nach der EM-Pause könnten also bittere Wochen der Wahrheit auf Neckarsulm warten. Gerade an solche Gegebenheiten scheint sich die Sport-Union aber nicht mehr so sehr aufzureiben. Das bewies sie vor der Begegnung mit den hitzigen Flames aus Bensheim beeindruckend.

Irene Espinola Perez fiel kurzfristig aus

Denn einen ersten Rückschlag hatte es für das NSU-Team schon vor dem Anwurf gegeben. Mit Irene Espinola Perez fiel ausgerechnet die Topscorerin und Abwehrsäule der Sport-Union aus. Die Spanierin hatte bis zuletzt auf einen Einsatz gehofft, doch am Samstagmorgen musste sie wegen einer akuten Halswirbelsäulen-Blockierung passen.

Ihre Mannschaft blockierte das überraschend wenig. Zugang Carmen Moser suchte sich genau den richtigen Zeitpunkt aus, um mit acht Toren ihr bisher bestes Spiel für Neckarsulm auf halblinks zu zeigen: "Sonst kommt sehr, sehr viel von Irene, jetzt musste mehr von mir kommen. Natürlich war es mehr Druck, aber es hat zum Glück alles gut geklappt. Ich bin heilfroh."

Ohnehin hatten sich die Flames gut auf die bislang so brandgefährliche rechte Neckarsulmer Angriffs-Seite und die formstarke Jill Kooij am Kreis eingestellt. Und so lieferten mit Moser, Kalmbach und Co. einfach die anderen im Angriff. Angetrieben von der umsichtigen Neckarsulmer Regisseurin Lynn Knippenborg.

Perfekt funktionierte die NSU-Offensive aber keineswegs. Immer wieder gab es Schwächephasen. Die durfte sich die Sport-Union aber dank der starken Defensivarbeit erlauben. "Unsere Abwehr ist wieder über sich hinaus gewachsen und hat unglaublichen Willen gezeigt", sagte Tanja Logvin.

Nach wie vor Schwächen von der Siebenmeterlinie

Den 0:2-Start schüttelte die Sport-Union ab und führte nach zwölf Minuten mit 6:3. Gestützt auf eine massive Deckung. Den Bensheimerinnen fiel gegen den guten organisierten Neckarsulmer Abwehrverbund nur sehr wenig ein. Immer wieder rannten sie in Offensivfouls. Die Gastgeberinnen gaben klar den Ton an, zeigten aber mit zwei vergebenen Siebenmetern erneut Schwächen von der Linie. Auch ansonsten waren die Abschlüsse oftmals zu ungenau, so dass es zur Pause lediglich 11:11 stand.

Verunsichern ließ sich Neckarsulm davon nicht. Zwar gab es auch im zweiten Durchgang immer wieder fahrige Offensiv-Aktionen. Die Abwehr blieb aber engagiert. Hinzu kam eine herausragende Sarah Wachter im NSU-Tor, die die Führung immer wieder festhielt.


Neckarsulmer SU: Gois (2 Paraden), Wachter (7/1) - Kalmbach (4 Tore), Wolf (1), Senvald, Hendrikse (2), Knippenborg (5), Wick (2/1), Kooij (2), Nieuwenweg, Kretzschmar (1), Moser (8/1).

Beste Schützinnen HSG: Friedberger (5/4), van Gulik (6).

Siebenmeter: NSU 2/4, HSG 4/5.

Zeitstrafen: 4/2.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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