Neckarsulm ärgert den Favoriten BVB sehr lange

Handball  Die Handball-Frauen der Neckarsulmer Sport-Union bieten dem Überteam Borussia Dortmund 60 Minuten lang Paroli. Doch der haushohe Favorit setzt sich am Ende 31:29 durch.

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Neckarsulms Spielmacherin Lynn Knippenborg (am Ball) lenkte das Spiel ihrer Mannschaft gekonnt und war zudem die beste Torschützin. Foto: Mario Berger

Das war am Mittwochabend in der Ballei kein Spiel gegen Dortmund wie in der jüngeren Vergangenheit. Das war ein Duell auf Augenhöhe, was die Neckarsulmer Bundesligafrauen dem schwarz-gelben Über-Team boten. Lange befanden sich die Gastgeberinnen sogar auf Sensationskurs und drohten den Gästen die ersten Punktverluste der Saison beizubringen. Doch am Ende musste sich das Team von Trainerin Tanja Logvin doch mit 29:31 (17:16) geschlagen geben.

Logvin spart nicht mit Lob für ihr NSU-Team

"Die Mannschaft hat 60 Minuten alles gegeben. Mehr kann ich nicht erwarten. Das war ein starker Auftritt", lobte Logvin ihr Team. BVB-Coach André Fuhr war hingegen sichtlich angefressen: "Ab der 20. Minute haben wir uns reingekämpft. Mehr als Kampf wurde es aber auch nicht."

Unbekümmert, respektlos, selbstbewusst aufspielen - so wollten die Neckarsulmerinnen dem Favoriten Paroli bieten. Und das klappte zu Beginn wunschgemäß. Bis die Gäste wirklich mit Kopf und Körper in der Ballei angekommen waren, waren sie schon im Hintertreffen. Die Sport-Union hatte sichtlich Bock auf das Spiel "Meisterschaftsfavorit ärgern". Ob über den Rückraum, den Kreis oder die Außen - genüsslich erzielten die Gastgeberinnen ihre Treffer, lagen beständig zwei, drei Tore in Front.

Wenn der BVB nicht ins Tempospiel kam, hatte die Neckarsulmer Abwehr den Positionsangriff unter Kontrolle. Und im Zweifelsfall war da ja noch Sarah Wachter. Die Torhüterin knüpfte nahtlos an ihre "Weltklasseleistung" (Urteil Tanja Logvin) vom Samstag in Metzingen an.

Neckarsulm liegt lange in Führung

7:4 (11.), 11:8 (16.), 12:9 (17.) lauteten die Zwischenstände, ehe BVB-Coach Fuhr fürs Erste genug gesehen hatte und zur Auszeit bat. Tatsächlich glich sein Team bald zum 13:13 (24.) aus, bedingt aber auch durch zwei Pfostentreffer von Carmen Moser und Anouk Nieuwenweg. Doch Neckarsulm blieb selbst in Unterzahl am Drücker und ging mit einer verdienten 17:16-Führung in die Kabine. "In der wurde es laut", versicherte Fuhr hinterher.

Würde die Sport-Union es schaffen, das Leistungsniveau der ersten Hälfte über 60 Minuten auf die Platte zu bringen? Erstmal lautete die Antwort ja. Der Spielverlauf blieb unverändert. Neckarsulm legte vor, Dortmund zog nach. Neu war jedoch mit Wiederanpfiff die Körpersprache in der schwarz-gelben Abwehr. Da wehte fortan ein rauerer Wind für die Neckarsulmer Angreiferinnen. Aggressiver und beweglicher agierten die Dortmunderinnen, rückten viel schneller raus und jede Eins-gegen-Eins-Situation bedeutete Schmerzen.

Nach der 40. Minute erhöht der BVB das Tempo

Bis zur 40. Minute kam die Sport-Union trotzdem noch - auch mit ein wenig Glück - zu ihren Toren. Doch dann kippte die Partie tatsächlich. Dortmund drückte gnadenlos aufs Tempo und ließ hinten immer weniger zu. Nach dem 22:22-Ausgleich (41.) legte fortan der BVB vor. Doch ein Selbstläufer wurde die Partie nicht. Die Sport-Union hielt weiter verbissen dagegen - mit einer Sarah Wachter im Tor, die gerade bei Würfen von Außen und in Eins-gegen-Eins-Situationen fast unüberwindbar war. Besonders BVB-Linksaußen Tina Abdulla konnte ein Lied davon singen.

Beim 26:27 (51.) durch Louisa Wolf und dem 27:28 (56.) durch Lynn Knippenborg schnupperte die Sport-Union wieder an einer Sensation. Doch mehrfach ließen die Blauen in dieser Phase den möglichen Ausgleich liegen. Als dann auch noch ausgerechnet Abdulla gut knapp drei Minuten vor dem Ende zum 30:27 traf, war die Partie entschieden.

Nach der Schlusssirene waren die Dortmunderinnen sichtlich erleichtert, dass sie die fest eingeplanten zwei Punkte nach einem harten Stück Arbeit mit in den Ruhrpott nehmen konnten. Die tapferen Neckarsulmerinnen waren natürlich enttäuscht, brauchen sich nach diesem couragierten Auftritt aber nicht zu grämen. Nur wenige Teams hatten den BVB in dieser Saison derart dicht an einem Punktverlust.

Neckarsulmer SU: Wachter, Gois (Tor) - Kalmbach (3), Wolf (1), Senvald (1), Hendrikse (3), Knippenborg (7/1), Wick, Perez (2), Kooij (3), Nieuwenweg (3), Kretzschmar, Moser (6/1).

Beste Schützinnen des BVB: Bermejo (8/2), Abdulla (7/4), Inger Smits (6).

Siebenmeter: NSU 3/2; BVB 8/7.

Zeitstrafen: 4/2.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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