Mit Mini-Kader auf verlorenem Posten gegen Metzingen

Handball  Tapfere Neckarsulmerinnen verlieren ersatzgeschwächt das letzte Heimspiel der Saison gegen Metzingen: Beim 25:36 missfiel Trainerin Tanja Logvin vor allem in der ersten Hälfte die Körpersprache ihres Teams.

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Gegen die massive 6:0-Deckung der Tussies gab es für Lynn Knippenborg (li.) und ihre Teamkolleginnen kaum ein Durchkommen.

Fotos: Mario Berger

Sehr früh geriet die Neckarsulmer Sport-Union in ihrem letzten Heimspiel der Saison gegen die Tussies Metzingen auf die Verliererstraße. Obwohl ersatzgeschwächt schnell auf verlorenem Posten, hielt das Team von Trainerin Tanja Logvin bis zur Schlusssirene tapfer dagegen. Am Ende stand dennoch eine deutliche 25:36 (10:18)-Niederlage.

"Wir sind nicht elf Tore schlechter als Metzingen, aber wir hätten mit einer anderen Körpersprache ins Spiel gehen müssen", fand Logvin. "Die zweite Halbzeit war deutlich besser."

Schon die Ausgangslage war denkbar ungünstig

Mit nur zwei Feldspielerinnen auf der Ersatzbank war schon die Ausgangsposition denkbar ungünstig. Lucie-Marie Kretzschmar ersetzte die schwer verletzte Carmen Moser im linken Rückraum. Auf Rechtsaußen begann Anouk Nieuwenweg für die fehlende Kapitänin Natalie Hendrikse. Die Niederländerin war gar nicht in die Halle gekommen, weil sie nach der Stauchung ihrer Halswirbelsäule immer noch unter Kopfschmerzen leidet.

Ihrer Vertreterin Nieuwenweg gelang von der ungewohnten Position die 1:0-Führung (2. Minute). Die Ex-Neckarsulmerin Nicole Roth im Tor der Tussies wurde kalt erwischt. Das passierte ihr fortan allerdings nicht mehr. Neun Paraden standen bei ihr nach 30 Minuten zu Buche. Das war ein Faktor für die klare 18:10-Führung der Gäste zur Halbzeit.

Aus dem Rückraum strahlt Neckarsulm kaum Torgefahr aus

Mit Mini-Kader auf verlorenem Posten

Auf der Zuschauertribüne saßen mehr Neckarsulmer Spielerinnen als auf der Ersatzbank. Ein entscheidender Grund für die Heimniederlage.

"Wir wollten hier von Anfang an zeigen, dass wir die zwei Punkte wollen. Das ist uns gelungen", sagte Roth. Hinzu kam, dass die tiefe 6:0-Abwehr der Metzingerinnen jegliches Kreisspiel der Sport-Union unterband. Aus dem Rückraum strahlte Neckarsulm aber ohne Moser viel zu wenig Torgefahr aus. Die meisten Würfe aus der Distanz landeten entweder im Block, oder waren eine sichere Beute von Roth. "Ohne Tore aus der Distanz geht es nicht", monierte Logvin.

Durch dieses Manko kam Metzingen im Angriff zu seinem gefürchteten Tempospiel. Die meisten Treffer erzielte das Team von Trainerin Edina Rott über die erste und zweite Welle. Beim Stand von 1:5 (8.) griff Tanja Logvin zur Auszeit. Für die bis dahin indisponierte Kretzschmar schickte die NSU-Trainerin Chantal Wick aufs Feld. Nieuwenweg tauschte mit Irene Espinola Perez die Position. Die Umstellungen griffen jedoch nicht wie erhofft.

Neckarsulm ist im Umschaltspiel ohne ihre Kapitänin viel zu langsam

Nächste Maßnahme war die Umstellung auf eine 5:1-Abwehr. Damit gelangen zumindest ein paar Ballgewinne. Doch Neckarsulm war im Umschaltspiel ohne Hendrikse viel zu langsam. In den ersten 30 Minuten gelang nicht ein Gegenstoßtor - so geht dann auch nichts. "Mit einer kurzen Bank musst du umso schneller spielen. Wir haben aber viel zu langsam gespielt", sagte Logvin.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs stellten die Tussies gleich mal auf 20:10 (33.). Immerhin fand Neckarsulm anschließend sein Tempospiel wieder. Zwei Mal Perez und die abschlussstarke Wick verkürzten wieder auf 13:20 (34.). "Ich bin froh, dass ich heute noch einmal ein bisschen was von mir zeigen durfte, auch wenn das Endergebnis unschön ist", sagte die sympathische Schweizerin, die die Sport-Union am Saisonende verlässt. Wohin es geht? "Vielleicht bleibe ich in Deutschland. Ich habe zwei Optionen im Kopf."

Auch die beste Phase bleibt nur ein Strohfeuer

Logvin lud - nachdem Metzingen wieder auf 24:14 weggezogen war - die letzte Patrone in die Trommel, brachte Sara Senvald als zweite Kreisläuferin. Mit dem Kniff kam die Sport-Union sogar noch einmal auf 20:25 (47.) heran. "Das haben die Mädels super auf den Punkt gespielt", lobte Logvin. Doch auch die beste Phase ihres Teams blieb ein Strohfeuer. Die Metzingerinnen legten immer wieder ganze Magazine und nicht nur einzelne Patronen von der Bank nach und bauten den Vorsprung entscheidend auf 29:20 (51.) aus.

Stenogramm:
Neckarsulmer SU: Wachter, Gois (Tor) - Kalmbach, Senvald, Knippenborg (1), Wick (6), Espinola Perez (7/2), Kooij (2), Nieuwenweg (3), Kretzschmar (6).
Beste Schützinnen des TuS: Zapf (10/3), van Wetering (6), Brøns Petersen (6/1).
Siebenmeter: NSU 2/4 ; TuS 4/4.
Strafminuten: 6/2.

Der BVB ist Meister

Mit goldenen Pappkronen auf dem Kopf und vielen Kaltgetränken starteten die Handball-Frauen von Borussia Dortmund noch auf dem Parkett eine ausgelassene Feier. Nach dem vorzeitigen Gewinn des ersten Meistertitels in der Vereinsgeschichte durch das 39:22 (22:9) bei Union Halle-Neustadt war der Frust aus dem Vorjahr beim BVB endgültig verflogen. "Es ist die pure Freude. Wir haben zwei Jahre auf diesen Titel gewartet - jetzt gehört er uns", frohlockte Nationaltorhüterin Isabell Roch. Schon in der Vorsaison stand das Team von Trainer André Fuhr als Spitzenreiter beim Saisonabbruch wegen der Corona-Krise dicht vor dem ersehnten Triumph. Doch die HBF entschied, die Spielzeit nicht zu werten und keinen Titel am Grünen Tisch zu vergeben. 

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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