Maike Daniels verlässt die Neckarsulmer Sport-Union

Handball  Co-Trainerin und Jugendkoordinatorin Maike Daniels übernimmt den Cheftrainerinnen-Posten beim Zweitliga-Absteiger Rödertal. Ihre Nachfolge ist noch nicht geklärt.

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Es war einmal: Anno 2015 kam Maike Daniels von Göppingen zur Sport-Union und führte das aufstrebende Team direkt zum Bundesliga-Aufstieg.

Für Maike Daniels war es "mit eines der schwersten Telefonate, die ich in meiner Karriere geführt habe". Und es verlief nicht ohne Tränen. Dabei ist die 36-Jährige wahrlich nicht für ausgeprägte Rührseligkeit bekannt. Doch als die Neckarsulmer Jugendkoordinatorin und Co-Trainerin der Bundesliga-Frauen Vereinspatron Rolf Härdtner über ihren nahenden Abschied informierte "ging mir das sehr, sehr nah".

Nach sechs Jahren bei der Sport-Union, in denen Daniels von der Spielmacherin bis zur Cheftrainerin fast jedes Amt einmal bekleidet hat, verabschiedet sie sich in der nächsten Saison zum Zweitliga-Absteiger HC Rödertal. "Ich hatte nicht lange Zeit, darüber nachzudenken. Das war sehr kurzfristig und schnell. Es waren maximal zweieinhalb Wochen. Ich habe auch manche Nächte zum Überlegen genutzt."

Maike Daniels möchte sich weiterentwickeln

Für die gebürtige Bottroperin ist es weit mehr als ein schlichter Wechsel des Arbeitgebers: "Jeder weiß, dass im Profisport rein professionell gehandelt werden kann, oder eben auch mit persönlichem Bezug. Und Herrn und Frau Härdtner habe ich erstens sehr viel zu verdanken. Zum anderen fühle ich mich ihnen und dem Verein stark verbunden. Auch deswegen fiel mir die Entscheidung sehr, sehr schwer. Das war schon eine große Hürde."

Trotzdem wird Maike Daniels den Schritt weg von der Sport-Union gehen. "Es gibt vielfältige Gründe, aber einer der Hauptgründe ist, dass ich mich weiterentwickeln möchte. Und ich bin der Meinung, das kann ich als Cheftrainerin auf diesem Niveau bei Rödertal. Letztlich geht es als Spielerin und auch als Trainerin darum, aus der Komfortzone heraus zu kommen. Das ist manchmal auch mit einem größeren geografischen Schritt verbunden."

Maike Daniels verlässt die Neckarsulmer Sport-Union

Mit viel Emotionen: Maike Daniels war in Neckarsulm immer meinungsstark und für eine sehr klare Kante bekannt.

Fotos: Archiv/Veigel

Verein verspricht zeitnah einen passenden Ersatz zu finden

Als Jugendkoordinatorin, Chefcoach mehrer Nachwuchsteams und Co-Trainerin der Bundesliga-Frauen hinterlässt Maike Daniels gleich mehrere Lücken. "Sie hat bei uns als Spielerin und Trainerin in den vergangenen sechs Jahren einen hervorragenden Job gemacht und war eine entscheidende Rolle für den Aufschwung in Neckarsulm", sagt der Neckarsulmer Vorstandsvorsitzende Rolf Härdtner und betont: "Wir sind Maike für die geleistete Arbeit bei der Neckarsulmer Sport-Union sehr dankbar. Wir lassen sie nach dieser erfolgreichen Zeit, durch die in Neckarsulm auch viele Freundschaften entstanden sind, nur schweren Herzens weiterziehen."

Einen Plan B hatten Härdtner und Co. nicht direkt in der Schublade: "Die nun zu besetzenden Personalien kamen bei uns durch die üblichen Planungen für die kommende Spielzeit überraschend auf. Wir sind aber für die offenen Aufgaben in intensiven Gesprächen und zuversichtlich, dass wir zeitnah vor allem für unseren Nachwuchs eine gute und passende Lösung für die kommende Saison präsentieren können."

Maike Daniels verlässt die Neckarsulmer Sport-Union

Wichtiger Kopf des Bundesliga-Teams: Maike Daniels hatte als Co-Trainerin der ersten Mannschaft entscheidenden Anteil am Aufschwung.

Foto: imago-images/foto2press

Tanja Logvin verzichtet in der kommenden Saison auf eine Co-Trainerin

Was die Neckarsulmer Rolle des Co-Trainers der Bundesliga-Frauen betrifft, ist die Entscheidung bereits gefallen. Die Position wird gestrichen. Cheftrainerin Tanja Logvin arbeitet künftig wieder wie vor ihrer Zeit in Neckarsulm ohne Assistenten: "Es wäre sehr schwer, so eine Person zu ersetzen, mit dieser Chemie."

Am liebsten hätte Logvin Daniels am Gehen gehindert: "Eigentlich will ich Maike nicht verlieren. Ich schätze sie, sie ist eine echte Persönlichkeit. Mit ihr war es eine hervorragende Arbeit von A bis Z. Wir waren nicht immer einig, aber wir haben immer Einigkeit ausgestrahlt. Sie hat ihre Rolle perfekt verstanden und sehr viel für Neckarsulm geleistet", sagt Logvin, kann Daniels Entschluss aber persönlich dennoch nachvollziehen: "Für ihre Entwicklung hat sie das Richtige entschieden und ich habe es auch schon gespürt. Wir haben früh gesprochen und sie hat es mir weinend gesagt - ich habe auch geweint."

Geordneter Übergang

Direkt weg ist Maike Daniels nicht. "Ich werde das im Juni noch begleiten und habe nicht vor, plötzlich überall die Hände weg zu lassen, nur weil meine Entscheidung gefallen ist", sagt die Neckarsulmer Jugendkoordinatorin. "Die Übergabe soll schon geordnet stattfinden. Egal, ob das jetzt die U23 ist, oder das Amt als Jugendkoordinatorin - was auch immer ansteht." Der Umzug nach Rödertal steht für Maike Daniels dann Ende Juni an. 


Kommentar: Schweres Erbe

Von Dominik Knobloch

Maike Daniels ist kein Mensch, der vor außergewöhnlichem Einsatz zurückschreckt. Das hat sie auf dem Handballfeld nie getan. Und damit auch nicht während der Karriere nach ihrer aktiven Zeit angefangen. In ihrer Rolle als Spielmacherin der Sport-Union waren Aufgaben und Strategie aber weit weniger komplex, als bei der Koordinierung des Neckarsulmer Nachwuchses - zumal mit der Zusatzbelastung als Co-Trainerin der aufstrebenden Bundesliga-Frauen bedacht. Dass ihr Nachfolger sich wohl alleine auf die Jugendarbeit fokussieren kann, ist eine erste gute Nachricht. Denn es gibt wahrlich genug zu tun. Ein einfaches Erbe hinterlässt Daniels schließlich bei allem Einsatz nicht.

Die zweite Mannschaft spielt als U23 in der Württembergliga noch immer viel zu niedrig, um wirklich attraktiv für vielversprechende Talente zu sein. Eine Kooperation mit höherklassigen Teams aus der Region ist ebenfalls nicht geglückt. Der Traum eines eigenen Sportinternats in Neckarsulm bleibt - auch wegen der Corona-Pandemie - weiter wenig real. Der breite Spagat zwischen Anbieter für Hobbysport und Topadresse für höchst ambitionierte Juniorinnen erfordert zudem erhebliche Beweglichkeit beim künftigen Neckarsulmer Jugendkoordinator.

Die fleißige Arbeiterin Maike Daniels hat viel an durchdachten Konzepten gefeilt. Nun gilt es, die Lücke, die Daniels mit ihrem Abschied hinterlässt, auch mit mutigen Entscheidungen zu füllen.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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