Lob für Anouk Nieuwenweg

Handball  Die Bundesliga-Handballerinnen der Sport-Union nutzen das 33:25 gegen Aufsteiger Buchholz-Rosengarten vor allem auch, um mit Neuzugang Anouk Nieuwenweg zu experimentieren.

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Neckarsulms Neuzugang Anouk Nieuwenweg hat bei ihrem Debüt gegen Buchholz-Rosengarten sofort Einsatzminuten sammeln dürfen − so richtig ins Rollen ist sie nach nur zwei Trainingseinheiten aber noch nicht gekommen.

Foto: Mario Berger

Wahrscheinlich hätten sie sich in einen Rausch gespielt. Die Neckarsulmerinnen Irene Espinola Perez und Nathalie Hendrikse waren am Samstagabend gegen Aufsteiger HL Buchholz-Rosengarten offensiv in absoluter Hochform. Erstmals in dieser Bundesliga-Saison waren die beiden allerdings auch nicht mehr die einzigen Akteurinnen mit dem linken als starkem Arm.

Zwei Tage vor der Partie hatte sich die Sport-Union mit Anouk Nieuwenweg aus Thüringen verstärkt. Und für NSU-Trainerin Tanja Logvin war es der richtige Weg, die Neue ausgiebig im Wettkampf zu testen, statt das Ergebnis klarer zu gestalten als 33:25 (18:15).

Demonstratives Trainer-Lob für die Neue

"Je früher, desto besser - wir haben keine Zeit. Natürlich war das erste Spiel für sie schwer, aber sie ist mit der Rolle ganz gut umgegangen. Wir sprechen im Handball alle dieselbe Sprache", sagte Logvin und lobte ihre Debütantin demonstrativ. "Ich habe mich mega gefreut. Ich habe jetzt zweimal mittrainiert und es ist schon noch etwas komisch. Vom Timing her und allem ist es Neuland", gestand Nieuwenweg dann aber doch das ein oder andere Neckarsulmer Fremdwort ein.

Zunächst ohne Nieuwenweg, war die rechte Neckarsulmer Seite mit Irene Espinola Perez und Nathalie Hendrikse von Anfang an tonangebend. Bis zum Neckarsulmer 14:8 in der 22. Minuten fanden die überforderten Gäste keinerlei Antwort auf das dominante Angriffs-Duo. Als die Neckarsulmer Kapitänin Hendrikse dann erst eine und wegen zu früher Rückkehr aufs Feld direkt die zweite Zeitstrafe bekam, geriet die Sport-Union etwas aus dem Tritt. Auch, weil Nieuwenweg sich im neuen System auf halbrechts wenig überraschend noch schwer tat. Ihr erstes Tor gelang ihr mit dem 17:12 (27.) dennoch. "Ich hätte aber mehr rein machen müssen", sagte sie selbstkritisch.

Kreativität und taktische Varianten

Tanja Logvin ließ sie trotzdem auf dem Feld, Hendrikse draußen und Espinola Perez auf der ungewohnten Rechtsaußen-Position. "Ich wollte ausprobieren - wenn nicht hier, wann dann? Es geht um Kreativität, verschiedene taktische Möglichkeiten", meinte die NSU-Trainerin. So richtig griff das bis zum 18:15-Pausenstand aber noch nicht.

Trotzdem waren Logvin auch nach dem Seitenwechsel neue Erkenntnisse wichtiger als ein klareres Ergebnis. Gegen den ungefährlichen Kontrahenten konnte sie sich das Experimentieren erlauben. Auch, weil ihre Torhüterinnen, Isabel Gois und Sarah Wachter, im Zweifel erneut ganz stark parierten und den Handball-Luchsen aus Buchholz-Rosengarten damit immer wieder den ohnehin recht stumpfen Zahn zogen.

Entspannte Trainerin Logvin

Als Irene Espinola Perez in der 40. Minute per Heber ungewohnt leichthändig von außen traf, witzelte Logvin an der Seitenlinie entspannt mit ihrer Kapitänin über die Szene mit Seltenheitswert. Als Buchholz-Rosengarten beim 21:24 (42.) und 24:26 (46.) plötzlich näher kam, blieb die Neckarsulmer Trainerin ebenfalls ganz ruhig. Zur Auszeit griff sie vor der Schlussviertelstunde dennoch - und ließ die rechte NSU-Seite danach wieder in gewohnter Formation wirbeln.

Die Gäste waren damit noch genauso überfordert wie in der Anfangsviertelstunde. Mit einem 7:1-Lauf fegte die Sport-Union den Aufsteiger überlegen vom Feld. "Es ist super, jetzt mit Anouk zu dritt wechseln zu können, perfekt. Wir haben hier in jede Spielerin Vertrauen", sagte Nathalie Hendrikse. Neckarsulms Neue weiß aber spätestens jetzt, dass sie auf der rechten Seite starke Konkurrenz um die von ihr erhoffte Einsatzzeit hat.


Mehr Infos zum Spiel

Neckarsulme: Gois (6/1 Paraden), Wachter (5) - Kalmbach (4 Tore), Wolf, Senvald, Hendrikse (8), Knippenborg (3), Wick, Espinola Perez (9), Kooij (3), Nieuwenweg (1), Kretzschmar (1), Rode, Moser (4).

Beste Schützin HLBR: Berndt (8/2).

Siebenmeter: NSU 0/1, HLBR 3/5.

Zeitstrafen: 4/2.

Zuschauer: 293.

Schmerzhafter Schluss für Rode 

Die Stimmung bei der Neckarsulmer Sport-Union war ausgelassen. Bis zur 59. Minute. Die Partie gegen Buchholz-Rosengarten war da längst gelaufen, trotzdem entschied sich eine Angreiferin der Gäste für einen unnötig harten Einsatz gegen Joanna Rode. Die 23-jährige Neckarsulmerin bekam einen schweren Schlag auf das rechte Knie und sackte sofort unter großen Schmerzen zusammen. Als ihre Mitspielerinnen den Sieg mit sorgenvoller Miene feierten, wurde sie lange an der Seitenlinie versorgt und auf einer Trage ins Krankenhaus gebracht.


 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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