Neckarsulms Anouk Nieuwenweg ist hellwach zum Wiedersehen mit ihrem alten Club

Handball  Neckarsulms Anouk Nieuwenweg trifft beim Thüringer HC auf ihren Ex-Club und ist dank überraschender Diagnose bestens vorbereitet. Bundesliga-Team der NSU will nach zwei Niederlagen in Folge jetzt wieder punkten.

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Trainerin Tanja Logvin sieht Anouk Nieuwenweg auf einem guten Weg.

Foto: Berger

Die nächste Gelegenheit für eine Genugtuung? Die sieht Anouk Nieuwenweg nicht. Natürlich möchte Neckarsulms Halbrechte an diesem Mittwochabend (19.30 Uhr) bei ihrem Ex-Club, dem Thüringer HC, ein besonders gutes Spiel machen. Schließlich wurde die Niederländerin dort während der laufenden Bundesliga-Saison Ende Oktober nach nur wenigen Monaten direkt wieder aussortiert.

"Aber in erster Linie hoffe ich einfach, dass wir gewinnen - das ist das Wichtigste", sagte die Nummer 26 der Sport-Union. Im neuen Trikot findet die 24-Jährige mehr und mehr zu alter Stärke. Und ist doch eine andere. Auch dank einer Diagnose.

Mehrfach im Training kollabiert

NSU-Trainerin Tanja Logvin erinnert sich noch genau, wie Nieuwenweg nach ihrem Wechsel zu Neckarsulm vor knapp zwei Monaten mehrfach im Training kollabierte. "Das war ein echter Schock. Ich hatte sie auch angesprochen, weil sie bei Belastung immer sehr blass wurde", blickt Logvin zurück.

Untersuchungen aus ihrer Zeit vor der Sport-Union hatten nichts bei Nieuwenweg ergeben. Die Niederländerin merkte jedoch selbst, dass irgendetwas nicht stimmen kann: "Ich war die ganze Zeit immer ganz, ganz müde. Musste nach dem Training direkt schlafen - das habe ich eigentlich nie gemacht. Es war einfach komisch."

Ärzte stellten Schilddrüsenprobleme fest

Die in Neckarsulm festgestellte Ursache: Schilddrüsenprobleme. "Die Ärzte haben etwas entdeckt, mir Medikamente verschrieben. Jetzt geht es mir viel besser. Ich fühle mich wieder normal und habe keine Probleme mehr", sagt Anouk Nieuwenweg. Auch ihrer Trainerin fällt seit der Behandlung ein gehöriger Unterschied auf: "Es ist ganz anders, das sieht man. Sie hat deutlich mehr Kraft, wird nicht mehr so schnell müde. Sie hat viel abgenommen, ist spritziger geworden und ihre Grundlagenausdauer ist besser geworden. Anouk macht es richtig gut, war jetzt sogar in der Nationalmannschaft."

Die erstmalige Nominierung in der jüngsten Länderspielpause "war natürlich ganz cool", blickt Nieuwenweg auf die vergangene Woche: "Es war schon hart, aber so muss es sein. Es hat mich wirklich gefreut und ich hoffe, dass ich noch öfter nominiert werde. Dafür muss ich kämpfen. Dabei sein, ist mein Ziel."

Trainerin Logvin will raus aus dem Loch

Für die nächste Herausforderung bei einem THC mit großen personellen Sorgen müssen Nieuwenweg und Co. ebenfalls voll da sein, fordert Tanja Logvin nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge: "Wir müssen aus diesem Loch raus. Wir haben gute persönliche Gespräche geführt, jetzt schauen wir nach vorne. Die Mädels müssen ihre Qualität bestätigen, dann ist es gar nicht so wichtig, wie es ausgeht."

Gerne darf es offensiv wieder so laufen wie beim munteren 38:32-Erfolg der Sport-Union im Hinspiel gegen Thüringen. Anouk Nieuwenweg wird beim zweiten Aufeinandertreffen mit ihrem Ex-Club dank der überraschenden Diagnose wacher in das wichtige Verfolger-Duell des Tabellensechsten beim -fünften gehen.

Nieuwenweg bereut ihren Wechsel nicht

Den Schritt zur Sport-Union und weg von Thüringen hat sie nicht bereut: "Mitten in der Saison zu einem anderen Verein wechseln - das war schon ein bisschen komisch. Ich hatte das auch noch nie. Aber ich bin jetzt richtig froh, dass ich es gemacht habe. Ich habe mich mittlerweile gut eingelebt, fühle mich hier sehr wohl, die Mannschaft ist cool."

Genugtuung hat Nieuwenweg längst nicht mehr nötig.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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