Ex-NSU-Spielerin Isabel Tissekker schreibt in der Schweiz ein letztes Erfolgskapitel

Handball  Die 27-jährige Isabel Tissekker aus Gundelsheim debütiert mit dem HSC Kreuzlingen vor ihrem Abschied in der SPL1-Finalrunde. Noch ist offen, ob und wo sie in Deutschland mit dem Handball weitermacht.

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Zurück in die Bundesliga wird Isabel Tissekkers (rechts) Weg wohl nicht führen, wenn sie aus der Schweiz zurückkehrt. Noch ist offen, ob und wo sie in Deutschland mit dem Handball weitermacht.

Foto: Archiv/Imago

Alles zusammenpacken und ab nach Hause. Das Abenteuer Auslandskarriere einfach abrupt beenden. Diese Gedankenspiele wären nur allzu verständlich gewesen. Und doch gingen sie Isabel Tissekker im vergangenen Jahr kein einziges Mal durch ihren Kopf. Die Gundelsheimerin ist geblieben.

Trotz der Coronavirus-Pandemie. Trotz ausbleibender Besuche von Freunden und Familie aus der Heimat. Und trotz eines einsamen 27. Geburtstags in Quarantäne.

Nun ist sie erstmals in der Vereinsgeschichte ihres schweizer Erstliga-Clubs HSC Kreuzlingen in der Finalrunde der SPL1 angekommen. Erst danach wird sich Tissekker zum Ende ihres Zwei-Jahres-Vertrags verabschieden. Möglichst erfolgreich. Und bisher mit ungewisser Handball-Zukunft.

Unschöne Zeit in der Corona-Quarantäne

Sportlicher Erfolg, Sieg und Niederlage waren vor gar nicht allzu langer Zeit ohnehin völlig unwichtig geworden. "Wir haben seit September ganz normal unsere Saison gespielt und Anfang Februar hat es uns dann das erste Mal getroffen mit einer Quarantäne", berichtet die ehemalige Neckarsulmer und Nellinger Bundesliga-Spielerin.

Eine Teamkollegin war vor der letzten Partie der Hauptrunde positiv auf eine mutierte Variante von Covid-19 getestet worden. "Das war natürlich keine ganz so schöne Zeit, verdammt in der Wohnung zu bleiben und auf das eigene Testergebnis zu warten." Die routinierte Rückraum-Akteurin ging die Situation aber ähnlich abgeklärt wie auf dem Spielfeld an: "Man nimmt es halt so hin und erledigt die Sachen, die die Behörden einem vorschreiben und hofft, dass das komplette Team negativ ist." Eine Hoffnung, die sich glücklicherweise erfüllte.

Alles was Kraft gegeben hätte, sei weggefallen

Schon vor dem unliebsamen Höhepunkt des "speziellen Jahres" verlief die Zeit am Bodensee direkt hinter der deutschen Grenze für Isabel Tissekker anders als ursprünglich gedacht: "Im Frühjahr, Sommer 2020 war es schon schwierig, als auch die Grenze zu war. Da durfte man eigentlich gar nichts, da hat große Unsicherheit geherrscht. Klar war nur, dass ich hier ganz normal in der Lebensmittelbranche weiterarbeite." Das abendliche Training mit der Mannschaft aber, die regen Besuche aus Deutschland, "das, was eigentlich Motivation und Kraft gibt, ist weggefallen - das war schwierig". Manchmal habe sich Isabel Tissekker damals schon gefragt: "Was tue ich mir hier - quasi komplett alleine in einer Wohnung - eigentlich an?"

Schweizer Spielmodus
Anders als in der Bundesliga wird in der Schweizer Premium League (SPL) eine Haupt- und Finalrunde gespielt. Letztere erreichen die vier besten Hauptrunden-Teams. Das Quartett bestreitet dort eine Doppelrunde, also je sechs Spiele, die bis Ostern geplant sind. Die Punkte aus der Hauptrunde werden mitgenommen. Danach treffen die vier Mannschaften, falls es Corona zulässt, in zwei Halbfinals (Erster gegen Vierter, Zweiter gegen Dritter) und einem Endspiel aufeinander.

Überraschungscoup zum Start in die Finalrunde

Statt sich in Frust zu verlieren, wuchs in der Unterländerin aber viel mehr die Vorfreude auf die neue Saison, je näher der Starttermin rückt. Und es sollte eine äußerst erfolgreiche Runde werden.

Vergangenes Wochenende ist Kreuzlingen direkt mit einem 35:31-Überraschungscoup gegen die klar favorisierten Spono Eagles in die Finalrunde gestartet. Überraschend auch deshalb, weil die zweitbeste HSC-Torschützin und Abwehrchefin Isabel Tissekker wegen einer hartnäckigen Entzündung im Fuß zuschauen musste. Die deutsche Kapitänin hat aber noch genug Zeit, um ihre Rolle bei der Abschiedstour aus Kreuzlingen zu spielen: "Wir wollen das als Team einfach genießen und uns weiterentwickeln."

Neue Prioritäten für Familie, Freund und Hund

Wie sich Tissekkers Handball-Karriere danach entwickelt, "das weiß ich noch nicht, ich habe für mich noch keine Entscheidung getroffen". Für Ende Mai ist die Rückkehr nach Deutschland geplant. Eine sehr viel gewichtigere Rolle soll dann das Privatleben spielen: "Ich habe mich schon für meine Familie, für meinen Freund und meinen Hund entschieden - es sind viele persönliche Dinge, die mich zurück ziehen."

Isabel Tissekker weiß, dass sich jahrelang privat alles nach ihren Handball-Plänen richten musste: "Ich freue mich darauf, künftig auch mal selbst zu entscheiden." Nur beim letzten Erfolgskapitel in der Schweiz, darf der Sport noch einmal die Hauptrolle haben.

 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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