Eine Mittelklasse-Leistung genügt NSU-Frauen zum Kantersieg

Handball  Solide Neckarsulmerinnen schlagen die Kurpfalz Bären deutlich mit 34:24, dem Gäste-Trainer wäre eine noch höhere Klatsche recht gewesen. Die Neckarsulmerin Carmen Moser ist gegen ihre Ex-Teamkolleginnen Top-Torschützin.

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Carmen Moser (hinten) hatte kein Erbarmen mit ihren ehemaligen Teamkolleginnen um Rebecca Engelhardt und netzte sieben Mal ein. Foto: Christiana Kunz

Noch knapp fünf Minuten waren in der Ballei zu spielen, als Tanja Logvin wütend zur grünen Karte griff, sie auf den Zeitnehmertisch knallte und ihr Team in der Auszeit 20 Sekunden rundmachte. "Oh ja, sie war laut", bestätigte Carmen Moser hinterher.

Wohlgemerkt war das Bundesligaspiel gegen die Kurpfalz Bären zu diesem Zeitpunkt beim Stand von 30:23 längst entschieden - und zwar zugunsten der Neckarsulmerinnen. "Wir haben aufgehört, Abwehr zu spielen. Ein Spiel dauert aber nicht 55, sondern 60 Minuten", begründete die 46-jährige Cheftrainerin ihre Standpauke. Und es half: Mit einem 4:1-Endspurt zum 34:24 (15:11)-Endstand fuhr ihr Team den zweithöchsten Bundesliga-Heimsieg der Vereinsgeschichte ein (der höchste Heimsieg war ein 38:27 gegen Oldenburg in der Saison 18/19).

Logvin spricht von einer 60-Prozent-Leistung ihrer Mannschaft

"Wir haben es uns mit Ballverlusten und Fehlwürfen zum Teil selbst schwer gemacht. Mit einer 60-prozentigen Leistung einen Zehn-Tore-Sieg einzufahren, ist aber gut fürs Selbstvertrauen", meinte Logvin. Und das wird gebraucht, wenn am Mittwoch (19.30 Uhr) die SG BBM Bietigheim in die Ballei kommt.

Der Auftakt in die Partie gegen die seit fast einem Jahr sieglosen Kurpfalz Bären war tatsächlich mühsam. Ex-Bärin Moser gelang in der sechsten Minute das erste Feldtor zum 2:1. "Ich war vorher schon aufgeregt, habe mir aber gesagt, dass es einfach nur ein ganz normales Spiel ist", sagte die 25-Jährige hinterher. Mit sieben Toren und nur einem Fehlwurf gelang der Rückraumlinken der erhoffte starke Auftritt gegen ihre langjährigen Teamkolleginnen. "Mit einigen gehe ich jetzt noch essen. Alles zahlen werde ich aber nicht", sagte Moser lachend.

Eine Mittelklasse-Leistung genügt NSU-Frauen zum Kantersieg

Joanna Rode (li.) gelang bei vier Wurfversuchen gegen Johanna Wiethoff nur ein Treffer. Gegen Göppingen war die Linksaußen noch die beste Schützin gewesen.

Ketsch hielt gut 20 Minuten mit, war beim 8:9 von Sophia Sommerrock noch dran (24.). Die Rechtsaußen war es auch, die beim 13:16 kurz nach dem Seitenwechsel ein letztes Mal für Hoffnung sorgte. "Bis dahin haben wir es geschafft, die katastrophale Trainingswoche zu kaschieren. Danach haben sie gespielt, wie sie trainiert haben. Ich hätte mir eine noch höhere Niederlage gewünscht", war Gästecoach Adrian Fuladdjusch nach Spielende ordentlich angefressen. Den Nachweis ihrer Bundesliga-Tauglichkeit sind die Gäste jedenfalls weiterhin schuldig geblieben.

Jill Kooj glänzt besonders im ersten Durchgang

Die Gastgeberinnen setzten sich vor 320 Zuschauern in der Schlussphase der ersten Hälfte erstmals etwas ab. Das Kreisspiel war ausschlaggebend. "Ich bin froh, dass ich viele Bälle bekommen habe. Wir haben gut als Team zusammengespielt", sagte Jill Kooj, die fünf ihrer sechs Tore in den ersten 30 Minuten erzielte, in der Abwehr ackerte und sich in der Schlussviertelstunde schonen durfte.

Endgültig auf die Siegesstraße brachte die Sport-Union aber eine Schweizerin. Da weder die gegen Göppingen stark auftrumpfende Joanna Rode noch Selina Kalmbach auf Linksaußen überzeugten, stellte Logvin in der 40. Minute einfach mal Chantal Wick auf die Position. Die 26-Jährige dankte es mit vier Treffern. "Sie hat es unglaublich gut gemacht. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob wir sie da noch häufiger sehen werden", freute sich Logvin über ihren Schachzug. Schon beim Sieg gegen Göppingen hatte Wick als Rückraum-Joker gestochen.

Lynn Knippenborg gelingt das Tor des Tages

Nicht zu vergessen: Das Tor des Tages ging in der 50. Minute auf das Konto von Lynn Knippenborg, die den Pass ihrer Landsfrau Natalie Hendrikse in Kempa-Manier zum 26:17 verwandelte.

Neckarsulmer SU: Wachter (11 Paraden), Gois (3) - Kalmbach, Wolf, Senvald (1), Hendrikse (6), Knippenborg (3), Wick (5/1), Perez (4), Kooij (6), Kretzschmar (1), Rode (1), Moser (7/1).

Beste Schützin von Ketsch: Sommerrock (5).

Siebenmeter: NSU 5/2; Ketsch 6/5.

Zeitstrafen: 2/6.

Zuschauer: 320.

DHB-Pokal-Achtelfinale

Coronabedingt nehmen in der Saison 20/21 nur die 16 Erstligisten am DHB-Pokal teil. Im Achtelfinale empfängt die Neckarsulmer Sport-Union am 7./8. November auf Bayer Leverkusen.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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