Ein ganz besonderer Besuch in der spanischen Heimat

Handball  Neckarsulms Irene Espinola Perez hält sich während der EM-Pause im B-Team der Nationalmannschaft bereit. Als dritte im Bunde steckt sie jedoch in einer undankbaren Rolle.

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Irene Espinola Perez (li) ist in der nächsten Woche nicht für Neckarsulm am Ball, sondern für das spanische B-Team in Santander.

Foto: Mario Berger

Besonders ist es in der Heimat immer. Ihr aktueller Aufenthalt in Spanien ist für Irene Espinola Perez aber in speziellem Maße außergewöhnlich. Denn normalerweise könnte die 27-Jährige gar nicht in den Norden ihres Vaterlandes reisen. "Hier ist die Corona-Lage zwar etwas besser als in Deutschland. Trotzdem darf man nicht in einfach so in andere Städte gehen. Das ist verboten", sagte Espinola Perez.

Und dennoch wird die Bundesliga-Spielerin der Neckarsulmer Sport-Union an diesem Wochenende mit Sondergenehmigung von Granada nach Santander einmal längs über Spanien fliegen. Weil die Nationalmannschaft ruft.

Der spanische Chefcoach hat angerufen

Wenn ihre Neckarsulmer Teamkolleginnen am Montag nach einer Woche Pause wieder ins Training einsteigen, ist Irene Espinola Perez in einer anderen Halle am Ball. Mit 15 weiteren Spanierinnen bereitet sie sich unter Anleitung zweier Trainer auf einen möglichen Einsatz bei der Europameisterschaft in Dänemark vor. "Der Chefcoach hat mich angerufen und gesagt, dass sie zwei Kader machen möchten, weil du wegen Corona so viele Spielerinnen wechseln kannst, wie du brauchst, wenn jemand positiv ist", erklärt die 1,84-Meter-Frau die Doppel-Besetzung im spanischen Home-Office: "Wenn ich jemanden ersetzen sollte, weiß ich direkt, was ich machen muss."

Bereits am vergangenen Sonntag war die Halbrechte in den spanischen Süden zu ihrer Familie in Almuñécar geflogen. Das Bundesliga-Spiel gegen Bensheim hatte sie samstags wegen einer Blockade im Halswirbel-Bereich nicht mehr bestreiten können: "Ich war komplett kaputt." Auch deshalb lohnte sich der Besuch in der Heimat. Denn dort wohnt der Physiotherapeut ihres Vertrauens: "Ich liebe diesen Mann und gehe immer zu ihm, wenn ich da bin." Einmal mehr konnte er Irene Espinola Perez helfen.

Spanien hat schon lange dieselbe Mannschaft

Dass es dafür nun bei der ein oder anderen Konkurrentin im spanischen Kader ordentlich zwickt, will die sonnige Espinola Perez natürlich niemandem wünschen. Maximal "etwas ganz kleines vielleicht", sagt sie lachend, ist sich aber der ernsthaften Aufgabe bewusst: "Sie haben schon sehr lange dieselbe Mannschaft. Es ist schwer, da rein zu kommen."

Der Nationaltrainer beobachtet Neckarsulms Topscorerin jedoch genau, wie sie aus eigener Erfahrung weiß: "Ich helfe ihm immer mit der Sportdeutschland.tv-Webseite, er will nämlich alles gucken. Er hat mich ganz anders als vor zwei Jahren und in Topform gesehen."

Espinola Perez ist in einer undankbaren Rolle

Irene Espinola Perez selbst sieht sich im spanischen Nationalteam vorerst dennoch weiter in einer undankbaren Rolle: "Ich bin immer die Dritte". Die beiden, die aktuell vor ihr stehen, heißen Almudena Rodriguez, die vergangene Saison noch für den Bundesliga-Kontrahenten Thüringer HC am Ball war, und Mireya González. Sollten sie stolpern, würde das Espinola Perez den Weg zur EM ebnen.

Bereist 2018 stand sie im erweiterten spanischen Kader, verpasste den Sprung zum Turnier in Frankreich aber. Auch dieses Mal rechnet sich Irene Espinola Perez nicht allzu große Chancen aus. Läuft alles normal, wird sie nach der Trainingswoche mit dem B-Team der Nationalmannschaft wieder in ihrer zweiten Heimat Neckarsulm sein.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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