Die NSU zu Gast in Tanja Logvins altem Wohnzimmer

Handball  Bei Aufsteiger Halle-Neustadt tritt Neckarsulm gegen den ehemaligen Arbeitgeber der neuen Trainerin an. Wer ist der etablierte Bundesligist?

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Ob es für Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin an alter Wirkungsstätte Applaus gibt? Bei Halle-Neustadt hat sie mit dem Aufstieg jedenfalls viel bewirkt.

Foto: Mario Berger

Tanja Logvin hat in den dieser Woche so manche Nachricht auf ihr Handy bekommen. "Die Leute wollen sich mit mir treffen und natürlich auch gerne zum Spiel kommen", sagt die Trainerin der Neckarsulmer Sport-Union. Die Bundesliga-Begegnung an diesem Sonntag (16 Uhr) beim SV Union Halle-Neustadt ist für Logvin eine mit ihrer Vergangenheit. Zwei Spielzeiten lang coachte sie den Kontrahenten, ehe sie sich in diesem Sommer mit dem Aufstieg Richtung Neckarsulm verabschiedete.

"Ich freue mich riesig darauf, in dieser Halle vor diesen Zuschauern zu spielen. Ich habe dort eine gute Zeit gehabt. Natürlich ist es etwas ganz Besonderes für mich", sagt Tanja Logvin vor dem Auftritt in ihrem alten Wohnzimmer. Bei aller Sympathie betont die 46-Jährige aber auch: "Gegner bleibt Gegner, da gibt es keinen Unterschied - ganz unabhängig von persönlichen Verbindungen."

Wechsel sorgte nicht für allzu große Freude in Halle

Als Logvin bekannt gegeben hatte, die Verbindung zu Neckarsulm künftig der zu Halle-Neustadt vorzuziehen, sorgte das freilich nicht für allzu große Freude beim Aufsteiger. "Ob ich herzlich empfangen werde, müssen die Leute selbst entscheiden. Ich freue mich auf alles. Auch mit schlechten Reaktionen hätte ich absolut kein Problem. Das bin ich gewohnt", sagt Neckarsulms neue Chefin mit einem Schmunzeln.

Wichtiger als der Empfang ist ihr ohnehin der Abschied. Und der soll mit zwei Punkten im Gepäck erfolgen: "Wir sind der etablierte Bundesligist und müssen das auch zeigen. Hierarchie muss sein." Tanja Logvin erwartet trotz des Siegesanspruchs eine interessante Partie: "Sie präsentieren sich bisher gut und ich freue mich für Halle."

Zwei Siege, zwei Niederlagen: Haller Team ist intakt

Anlaufschwierigkeiten hatte der Aufsteiger mit 4:4 Zählern absolut nicht. In den bisherigen vier Spielen blieb Halle-Neustadt stets unter 30 Toren, gewann beide Spiele zu Hause gegen Buxtehude (25:23) und zuletzt gegen die Kurpfalz Bären (29:15). "Die letzten Spiele haben gezeigt, dass wir wettbewerbsfähig sind. Die Mannschaft ist intakt. Ich bin sehr zuversichtlich mit Blick auf die nächsten Spiele", gab SV-Coach Jan-Henning Himborn zu Protokoll.

Den Großteil von Himborns Truppe kennt Tanja Logvin noch aus ihrer Zeit beim SV. Trotzdem will sie sich einmal mehr nicht groß mit dem Gegner beschäftigen: "Für mich ist wichtig, dass wir unseren Handball spielen. Gegen Halle-Neustadt und auch gegen alle anderen. Nach einer Länderspielpause ist es aber immer schwer - es ist entscheidend, dass wir direkt wieder zu dem Niveau finden, mit dem wir aufgehört haben."

Das geht besser: zweite Welle und Wurfquote

Die Neckarsulmerinnen haben ebenfalls 4:4 Punkte auf ihrem Konto. Das Spiel gegen den Neuling darf also durchaus als kleine Standortbestimmung für die Sport-Union gewertet werden. Tanja Logvin hofft deshalb, "dass wir noch einen Schritt nach vorne machen - was im letzten Spiel nicht geklappt hat, soll besser werden". Konkret fordert die NSU-Trainerin: "Bei unseren technischen Fehlern und der zweiten Welle sollten wir uns noch ein bisschen besser präsentieren. Und bei der Wurfquote natürlich."

Gerade bei Letzterem warnt Logvin jedoch: "Die haben mit Anica Gudelj eine unheimlich starke Torfrau, eine echte Mauer. Sie ist eine große Stärke der neu eingestellten Mannschaft, die immer mal wieder Missverständnisse in der Abwehr hat - aber wir haben zwei noch bessere Torfrauen."

Auch Isabel Gois hat eine Haller Vergangenheit

Gerade NSU-Keeperin Isabel Gois dürfte gegen Halle-Neustadt besonders heiß sein. Genau wie ihre Trainerin hat die Portugiesin die beiden vergangenen Spielzeiten schließlich beim Kontrahenten verbracht.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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