Die Neckarsulmer Trainerin betet für Zuschauer in der Halle

Handball  Die Handball-Generalprobe mit kleinem Teil der Fans in der Neckarsulmer Ballei zeigt Potenziale auf, klärt aber längst nicht alle Fragen mit Blick auf den Saisonstart. Wie viele Zuschauer beim Runden-Heimauftakt am 12. September erlaubt sein werden, ist weiter offen.

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Vorbildlich aufgereiht: Während die Neckarsulmer Spielerinnen auf der Bank eng beieinander sitzen, herrscht auf der Tribüne strikter Abstand. Foto: Mario Berger

Kurz wirkte es fast wie Normalität. Als sich das gesamte Team der Sport-Union inmitten des Feldes zu einer sitzenden Schlange formierte und zu niederländischer Popmusik mit rotierenden Armen im Siegeszug feierte, kam in der Ballei tatsächlich Stimmung auf.

Die 140 Zuschauer samt Helfer taten am Donnerstagabend das Allerbeste, um ihren Neckarsulmer Bundesliga-Frauen nach 60 speziellen Minuten und einem standesgemäßen 35:19 (18:11) gegen Zweitligist Waiblingen den verdienten Applaus zu spenden.

Re-Start mit Zuschauern nach mehr als einem halben Jahr

Ein bisschen durften sie auch für sich selbst klatschen. Mehr als ein halbes Jahr hatte es nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie gedauert, ehe es zum ersten kleinen Wiedersehen kam. Unter gewissenhaften Hygiene- und Abstandsregeln. Mit klar geregelten Laufwegen durch die Halle. Deutlich wichtiger als das sportliche Ergebnis des letzten Tests vor dem Saisonstart war für NSU-Geschäftsführer Kai Stettner deshalb auch das Resultat, zu dem die Vertreter der Stadt Neckarsulm nach ihrem Besuch in der Ballei kamen. "Es war ein rundum gelungener Abend, das Feedback-Gespräch war richtig gut. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt warten wir ab, was die neue Verordnung mit sich bringt", sagt Stettner.

Am 12. September steht nach dem Auftakt beim Buxtehuder SV das erste Neckarsulmer Heimspiel gegen Göppingen an. Mit wie vielen Zuschauern? "Das lässt sich noch immer schwer beantworten", gesteht Kai Stettner. Das E-Mail-Postfach von Sascha Göttler jedenfalls füllt sich mehr und mehr. "Es gibt etliche Dauerkartenanfragen", sagt der Neckarsulmer Mann für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Für die Sport-Union geht es weiter in die Abstimmung, "wie viele Personen wir denn ohne Risiko maximal reinbekommen können und dann schauen, wer Zugang bekommt - natürlich müssen wir da auch unsere Sponsoren berücksichtigen", sagt Stettner.

Sind Spiele in der Ballei überhaupt eine Großveranstaltung?

Und natürlich zählt letztlich die Ansage der Politik, die auf Bundesebene zuletzt ja eher nach überhaupt keinen Zuschauern klang. "Es bleibt aber die Frage, was eine sportliche Großveranstaltung ist", sieht der NSU-Geschäftsführer in der Handball-Bundesliga der Frauen eine andere Situation als bei den Männern. Göttler hofft bis Anfang nächste Woche auf Grünes Licht von Stadt und Landesregierung. Wunsch der Sport-Union wäre, die Sponsoren und Dauerkarten-Inhaber alle in die Halle zu bekommen - eine Zuschauerzahl von unter 400.

Neckarsulms neue Trainerin Tanja Logvin wünscht sich natürlich möglichst viele Fans: "Je mehr, desto besser. Komplett ohne Zuschauer fände ich katastrophal - das hat keine Sportart verdient, wenn es sichere Konzepte gibt. Ich werde beten, dass wir mit Zuschauern spielen können." Auch von ihrer Mannschaft möchte Logvin beim Saisonstart noch mehr sehen: "Nach einem halben Jahr ohne Zuschauer mussten wir etwas liefern und uns mit neuem Konzept bestmöglich präsentieren. Das haben die Mädels schon gemacht, aber nicht das komplette Spiel über."

In der Bundesliga könne "uns so etwas Punkte kosten, wenn wir zu schnell vom Gas gehen - die Mannschaft hat aber trotzdem sehr viel Potenzial", betont die Trainerin. Genau wie die Ballei für Spiele mit einer begrenzten Anzahl von Zuschauern.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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