DHB-Pokal: Belastungsprobe für NSU-Handballerinnen

Handball  Im DHB-Pokal-Achtelfinale zeigt sich für die Neckarsulmerinnen, ob sie weit genug fürs Weiterkommen sind. In jedem Fall haben sie viel Erfahrung in ihren Reihen, wenn es um Pokal-Überraschungen geht.

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Schaffen Nathalie Hendrikse und die Neckarsulmerinnen gegen Leverkusen den Sprung ins Viertelfinale?

Foto: Archiv/Veigel

Wie das Weiterkommen im DHB-Pokal gegen Leverkusen geht, weiß Tanja Logvin ganz genau. Als die 46-Jährige noch nicht Trainerin in Neckarsulm war, schaffte sie im Januar 2019 mit Halle-Neustadt im Viertelfinale gegen Bayer 04 ein überraschendes 35:31 und damit den sensationellen Sprung zum Final Four in Stuttgart.

Neckarsulm hat noch nie gegen Leverkusen gewonnen

So weit ist sie mit ihrer Sport-Union noch nicht. Zum einen steht an diesem Samstag (18 Uhr) in der Ballei gegen die Leverkusenerinnen erst das Achtelfinale an. Zum anderen ist die Neckarsulmer Vergangenheit mit den Gästen eine wenig glorreiche. Achtmal traf man in der Bundesliga aufeinander. Und achtmal mussten sich die Neckarsulmerinnen dabei geschlagen geben. "Ja, das habe ich gehört - das ist jetzt aber egal. Irgendwann ändert sich alles einmal. Und diese Bilanz wird sich sehr wahrscheinlich am Samstag ändern", sagt Logvin. Drei Siege in Serie haben das Selbstvertrauen bei der Sport-Union gestärkt.

Nach Spielen gegen Teams aus dem unteren Drittel der Tabelle wartet mit den Werkselfen nun allerdings eine andere Belastungsprobe. Und die Neckarsulmerinnen freuen sich darauf, wie die Trainerin betont: "Wir müssen uns von Spiel zu Spiel steigern, den nächsten Schritt machen." Und der ist für sie gegen Leverkusen ausschließlich ein Sieg, der ihr Team nicht nur im Pokal weiterbringen würde: "Wir wachsen dann auch psychisch weiter."

Der ehemalige Bundestrainer Michael Biegler trainiert die Werkselfen

Respekt ist vor dem Duell mit dem neunfachen Pokalsieger natürlich da. Angst aber sicher nicht. "Leverkusen ist auch nur ein Name - und wir spielen nicht gegen einen Namen", sagt Tanja Logvin. Zumal Bayer Leverkusen längst nicht mehr so klangvoll ist, wie in der Vergangenheit. Selbst wenn mit Michael Biegler der ehemalige Bundestrainer als Chefcoach an der Seitenlinie steht. Die Neckarsulmer Trainerin, früher selbst Weltklasse-Handballerin, beeindruckt das nicht: "Leverkusen ist viel schwächer geworden und wir viel stärker."

Hinzu kommt, dass Bayer auch personell angeschlagen ist. Linkshänderin Fanta Keita hat sich vergangenen Samstag bei der unglücklichen 26:27-Heimspiel-Niederlage gegen die HSG Blomberg-Lippe einen Kreuzbandriss zugezogen und fehlt im rechten Rückraum.

Die gefährliche Seite des Gastes ist aber ohnehin die linke. Dort, wo Mia Zschocke bestens von Spielmacherin Zivile Jurgutyte bedient wird. Auch den Kreis bindet Bayer immer wieder gut mit ein. Diese Achse gilt es für die Sport-Union zu zerschlagen. Und dann stünde nur noch eine Hürde im Weg zum Final Four in Stuttgart.

"Natürlich würde ich es auch gerne mit Neckarsulm in die Porsche-Arena schaffen, das war mit Halle schon ein großes Erlebnis", sagt Tanja Logvin. Der Pokal hat für sie auch aus anderem Grund hohe Priorität: "Es ist der kürzeste Weg in den Europapokal." Zumal mit Dortmund bereits ein Topteam überraschend ausgeschieden ist.

Ein bisschen Stimmung wird es in der Ballei geben

Wie es abseits des Dunstkreises der großen Bundesliga-Namen ins Final Four geht, weiß nicht nur die Neckarsulmer Trainerin. NSU-Regisseurin Lynn Knippenborg hat den Pokal mit Buxtehude einst sogar gewonnen und auch Neuzugang Anouk Nieuwenweg war mit Bad Wildungen bereits unter den letzten vier. Know-how hat Neckarsulm also genug in seinen Reihen.

Für eine kleine Kuriosität am Rande sorgt der Spielplan. Die Pokal-Partie ist auch das direkte Vorspiel für die Liga. Denn genau eine Woche später treffen dieselben Teams zur selben Zeit am selben Ort erneut aufeinander. In beiden Fällen werden in der Ballei wegen der Coronavirus-Pandemie keine Zuschauer zugelassen sein.

"Wir werden trotzdem etwas Stimmung hinbekommen", sagt NSU-Pressemann Sascha Göttler mit Blick auf Helfer und das Team hinter dem Team. Anders wird die Atmosphäre aber natürlich trotzdem sein. "Eigentlich wie ein Testspiel", sagt Logvin. Zumindest sie hat den gegen Leverkusen 2019 schon bestanden.

 

Kein Wiedersehen

Das Wiedersehen muss warten. Zumindest auf dem Feld. Für Neckarsulms Linksaußen Joanna Rode wäre das Duell mit Leverkusen ein besonderes gewesen. Zwei Jahre lang war sie bei Bayer Leistungsträgerin, ehe sie in dieser Saison zur Sport-Union wechselte. Aktuell kann die 23-Jährige gar nicht spielen, weil sie sich einen Bruch des Schienbeinkopfes zugezogen hat. Sechs Wochen darf sie ihr operiertes Bein nicht belasten, ihre Rückkehr wird wohl mehrere Monate dauern. Im Neckarsulmer Training war sie in dieser Woche trotzdem und spulte am Rand eisern ihre Rehamaßnahmen ab. Auch in der Halle wird Joanna Rode am Samstag sein. Und zumindest abseits des Feldes das Wiedersehen mit ihrem Ex-Club feiern. 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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