Der Kopf des Neckarsulmer Teams, Lynn Knippenborg, nickt ein letztes Jahr ab

Handball  NSU-Spielmacherin Lynn Knippenborg verschiebt geplantes Karriereende und hofft auf einen angemessenen Abschied

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Lynn Knippenborg (li.) geht ein letztes Stück Weg mit Tanja Logvin.

Foto: Berger

Es wäre kein würdiges Ende gewesen. Und doch stand es bevor. Denn eigentlich wollte sich Lynn Knippenborg nach dieser Saison von der Neckarsulmer Bundesliga-Bühne verabschieden.

104 Einsätze für die Niederlande mit zwei EM-Medaillen und einmal WM-Bronze als Ausbeute. Vereinshandball in vier verschiedenen Ländern mit Auftritten auf internationalem Parkett. Beweisen muss die 29-jährige Spielmacherin schon lange nichts mehr. Dennoch will sie ihrer Handball-Karriere ein letztes Kapitel, ein weiteres Jahr mit der Sport-Union hinzufügen. Und das Thema Leistungssport nicht vor leeren Rängen ohne Zuschauer beenden.

Schwierige Fernbeziehung

Gerade die unschönen Besonderheiten der Coronavirus-Pandemie waren es aber auch gewesen, die den Kopf des Neckarsulmer Angriffsspiels ans Aufhören denken ließen. "Ich führe seit langem eine Fernbeziehung mit meinem Freund und dafür war letztes Jahr mit Corona ein komisches Jahr. Es ist schwierig, einander zu sehen. Wir sind fast zehn Jahre zusammen. Ich wollte es nichts aufs Spiel setzen, dass das nicht gut geht", sagt Knippenborg ehrlich.

Der ehemalige Eisschnellläufer bringt zwar als Ex-Profisportler viel Verständnis für die Passion seiner Partnerin mit. Als Lynn Knippenborg in der schwierigen Saison 2019/20 vor dem Amtsantritt von Trainerin Tanja Logvin aber mehr und mehr den Spaß an ihrem Sport verlor, lag das Karriereende und endlich mehr Zeit füreinander nahe. "Ich hatte Tanja erst gesagt, dass sie nicht davon ausgehen muss, dass ich weitermache", blickt Neckarsulms Nummer sieben zurück. Doch Logvin hat in ihrer erfahrenen Regisseurin die alte Leidenschaft neu entfacht: "Es macht gerade einfach wieder total Bock und läuft richtig gut. Ich bekomme viel Vertrauen von Tanja und kann es auf dem Spielfeld zurückgeben. Ich habe eine neue Rolle bekommen und mache auf einmal viel mehr Tore, obwohl ich sonst eigentlich lieber Assists gegeben habe. Ich glaube, wir verstehen Handball beide ganz gut."

NSU-Trainerin Logvin schwärmt

NSU-Trainerin Logvin schwärmt ebenfalls von ihrer 103-fachen Torschützin und Lebensversicherung in entscheidenden Momenten: "Lynn ist eine Spielerin, mit der ich mich in jeder Situation auf Augenhöhe unterhalten kann. Sie spielt in dieser Saison auf absolutem Weltklasse-Niveau und hat uns bereits in einigen Partien durch richtige Entscheidungen zum Sieg verholfen." Trotz fortgeschrittenerem Handball-Alter erkennt Logvin bei ihrer Spielgestalterin "erneut einen großen Sprung in ihrer Entwicklung".

Das ist natürlich auch Knippenborgs Freund nicht verborgen geblieben. "Er hat mir gesagt, dass er sieht, wie viel Spaß ich noch daran habe. Und wenn alles klappt, dann können wir ja noch ganz lange zusammen sein", sagt die Niederländerin mit einem Augenzwinkern.

Wirklich die letzte Saison?

Für NSU-Geschäftsführer Kai Stettner ist die Vertragsverlängerung von Lynn Knippenborg einer der zentralen Punkte in der Kaderplanung: "Sie geht im Angriff als Leitfigur in einem harmonischen Team voran und ist der verlängerte Arm von Cheftrainerin Tanja Logvin. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem breiter aufgestellten Kader eine noch stärkere Saison spielen können."

Ob es dann die letzte von Lynn Knippenborg ist? "Ich denke schon, dass das mein letztes Jahr wird - aber das habe ich ja schon jetzt gedacht", sagt Knippenborg mit einem Lachen. Ein Ende vor Fans in Neckarsulm, die die Qualifikation fürs internationale Geschäft feiern - "das wäre natürlich richtig cool".


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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