Chantal Wick überzeugt gegen Oldenburg in der Rückraum Mitte

Handball  Die 27-Jährige ersetzt kurzfristig NSU-Spielmacherin Lynn Knippenborg und arbeitet sich nach Anlaufschwierigkeiten ins Spiel. Als die Schweizerin an Selbstvertrauen gewinnt, entscheidet sich das Spiel.

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Chantal Wick lenkte am Samstagabend das Neckarsulmer Spiel gegen den VfL Oldenburg. Vor allem nach der Pause überzeugte die Schweizerin.

Foto: Mario Berger

Viel Zeit hatte Chantal Wick nicht, um sich auf die ihr unverhofft eröffnete Chance vorzubereiten. Nachdem sich am Donnerstagabend herauskristallisiert hatte, dass Stammkraft Lynn Knippenborg ausfallen würde, fiel Wick die gewichtige Aufgabe zu, das Neckarsulmer Spiel gegen den VfL Oldenburg in der Mitte zu lenken.

"Ich wusste natürlich, dass ich mehr Verantwortung übernehmen muss", war sich Wick ihrer Rolle durchaus bewusst, "aber ich bereite mich auch sonst seriös auf die Spiele vor. Daher hatte sich nichts an meiner Spielvorbereitung geändert."

Wick und ihre Teamkolleginnen arbeiten sich ins Spiel

Während sich vor der Partie also alles in altbekanntem Rhythmus abspielte, musste sich die 27-Jährige in den folgenden 60 Minuten allerdings erst in ihre Rolle hineinarbeiten. Denn zu Beginn war Wick und ihren Kolleginnen die fehlende Abstimmung untereinander deutlich anzumerken. Sichtbar wurde das besonders dann, wenn das schnelle Angriffsspiel der Neckarsulmerinnen nicht umgehend in einem Abschluss mündete. Dann fehlten Ideen, dann drohte das Schiedsrichter-Warnzeichen zum passiven Spiel, dann fand der Ball öfter auch aus wenig aussichtsreichen Positionen den Weg auf, selten aber in das Oldenburger Tor.

Das gefiel Trainerin Tanja Logvin freilich überhaupt nicht, so dass sie Chantal Wick, während die Kolleginnen in der Defensive verteidigten, auf der Bank intensiv und gestenreich anleitete. "Das muss man handeln können", sagt die Schweizerin lachend. Doch der Austausch mit Logvin und Co-Trainerin Maike Daniels sei hilfreich: "Ich bin froh über Inputs von außen." Solchen bekam sie fortwährend auch von der zum Zuschauen verdammten Lynn Knippenborg, die Tipps gab und auf Schwächen in der Oldenburger Defensive hinwies.

Tanja Logvins Experiment scheitert, Chantal Wicks Selbstvertrauen wächst

Die gemeinsame Gegneranalyse zeigte mit zunehmender Spieldauer dann auch immer deutlicher ihre Wirkung. Wick gewann spürbar an Rhythmus, sammelte vom Sieben-Meter-Punkt Selbstvertrauen und traute sich nach der Pause auch mehr eigene Würfe zu. Sechs Treffer - die zweitmeisten - steuerte sie letztlich zum 34:29-Erfolg bei.

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel wagte Tanja Logvin dann trotzdem ein Experiment mit Anouk Nieuwenweg in der Rückraum Mitte, beendete dieses nach vier Minuten und einer emotional-lauten Auszeit-Ansprache aber vorzeitig wieder. "Es war eine spontane Idee, die nicht funktioniert hat. Das ist aber kein Problem", erklärte Logvin, die bis zur Schlusssirene ihre beiden Spielmacherinnen fast liebevoll instruierte.

Nach Oldenburg ist vor Länderspielen

Chantal Wick spielte fortan mit mehr Selbstverständlichkeit und hatte entscheidenden Anteil am vorentscheidenen 5:1-Lauf nach der Pause. "Ich glaube, an meiner Quote kann ich noch arbeiten, aber insgesamt bin ich froh, dass ich Einfluss auf das Spiel nehmen und meine Mitspielerinnen gut in Szene setzen konnte", resümierte Wick nach dem zehnten Heimerfolg ihres Teams. Viel Zeit hatte sie dann aber auch nach der Partie nicht: Noch am Samstagabend brach sie zu Nationalmannschaftsaufgaben in die Schweiz auf. Fraglos mit reichlich Rückenwind.


Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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