Bitter für die NSU-Frauen: Punkte gewonnen, Spielerinnen verloren

Handball  Getrübte Neckarsulmer Freude über das 41:30 der Handball-Frauen im Bundesligaspiel gegen Bad Wildungen nach schweren Verletzungen bei Moser und Hendrikse.

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Unsanft ausgebremst: Die Bad Wildunger Verteidigung attackierte Nathalie Hendrikse und Co. immer wieder am Rande des Erlaubten.

So richtig wollte der Neckarsulmer Siegeszug nicht in Fahrt kommen. Denn gleich zwei Spielerinnen waren nicht an Bord. Nur kurz versammelte sich die restliche Mannschaft zur obligatorischen Formation sitzend in einer Reihe und ließ die pantomimische Lok, angetrieben vom vertrauten Erfolgssong in der heimischen Ballei, zuckeln.

Sportlich lief der Weg zum 41:30 (19:16) gegen die HSG Bad Wildungen am Sonntag über weite Strecken wie auf Schienen, waren die Weichen mit einer durchgängigen 5:1-Deckung der Sport-Union sehr gut gestellt. Doch personell entgleiste die Partie in der Endphase bitterböse. Erst musste Carmen Moser zehn Minuten vor der Schlusssirene mit Verdacht auf Kreuzbandriss vom Feld getragen werden, später schwankte auch noch Kapitänin Nathalie Hendrikse mit einer Gehirnerschütterung an die Seitenlinie. Dort befand sich das Duo nach dem verhaltenen Jubel noch immer und bekam sogleich von den Teamkameradinnen Zuspruch.

Tanja Logvin ist bedient

Trainerin Tanja Logvin war nur schwerlich zu trösten und trotz der beiden wichtigen Bundesliga-Punkte für den Sechsten vollauf bedient. "Ich bin psychisch total am Ende. Einfach hart für beide Mädels und für mich. Ich werde natürlich positiv denken, aber das war einfach nur unnötig. Carmen ist ganz wichtig, hat super gespielt und ist jetzt schwer verletzt. Bei Natha hoffe ich, dass es nur muskulär ist, aber ich denke nicht", sagte die 46-Jährige mit leerem Blick.

Bitter für die NSU-Frauen: Punkte gewonnen, Spielerinnen verloren

Carmen Moser wird nach der Erstversorgung durch Teamarzt Boris Brand (re.) aus der Ballei gebracht.

Fotos: Andreas Veigel

Mannschaftsarzt Boris Brand konnte ihr wenig Hoffnung machen: "Wir vermuten bei Carmen Moser auch einen Kreuzbandriss, am Montag kommt sie gleich in den Kernspin. Nathalie Hendrikse hat eine Gehirnerschütterung und es ist nicht gleich gesagt, dass das nichts Langwieriges ist." Ein, bis zwei Woche werde sie wohl definitiv aussetzen müssen - im besten Fall.

Als Moser in der 50. Minute mit ihrem siebten Tor das 31:24 warf, war die Partie spätestens gelaufen. Doch der Treffer sollte ein schmerzhaftes Nachspiel haben. "Mein Knie", schrie Neckarsulms auffällige Halblinke durch die Ballei, als sie nach einem Schubser in der Luft unglücklich gelandet war und sich am Boden krümmte. Kaum hatte die Sport-Union nach dem Schock beim 37:28 wieder in der Spur gefunden, war zwei Minuten vor dem Ende für die nächste Neckarsulmerin vorzeitig Schluss. Rechtsaußen Hendrikse war bei einem Spurt zur Mitte des Kreises auf dem Weg zu ihrem siebten Treffer vom Bad Wildunger Mittelblock unnötig hart zu Boden gebracht worden war. Aufrichten darf die Sport-Union dennoch ein ansonsten recht erfreulicher Auftritt trotz einer dreiwöchigen Pause.

5:1-Deckung funktioniert gut

"Die ganze Mannschaft hat unglaublich gut gespielt. Wir haben die 5:1 immer als Notlösung gespielt. Jetzt haben wir uns mal komplett dafür entschieden, um mehr Aggressivität zu bekommen. Bei Bad Wildungen basiert des Angriffsspiel sehr auf der Mitte. Am Ende haben wir etwas nachgelassen, aber ich bin trotzdem glücklich, dass die Mädels sich da nicht komplett haben runterziehen lassen - das kann eine Mannschaft komplett aus der Bahn werfen", sagte Tanja Logvin mit ernster Miene. Wichtiger Stabilisator war einmal mehr die starke NSU-Spielmacherin Lynn Knippenborg.

Defensiv durfte Knippenborg als Spitze der 5:1-Deckung in neuer Rolle glänzen: "Früher habe ich das aber ganz viel gemacht und ich mag das auch. Es hat gut geklappt, wir hatten eine gute Absprache. Jede wusste, was ihre Aufgabe war und wir konnten ein paar Bälle klauen. Wir haben die letzte drei Wochen gut trainiert, das hat man gesehen."

Auch bei Knippenborg ging der Blick aber natürlich auf die Ausfälle: "Das ist richtig schlimm, Carmen ist für uns ganz wichtig und Natha sowieso. Ich hoffe, dass beide diese Saison nochmal dabei sind."

Neckarsulmer SU: Gois, Wachter - Kalmbach (5), Senvald, Hendrikse (6), Knippenborg (8/2), Wick, Espinola Perez (8), Kooij (3), Nieuwenweg, Kretzschmar (3), Moser (7), N. Mann.

Beste Schützin HSG: Heusdens (10/4).

Siebenmeter: NSU 2/2, HSG 6/8; Zeitstr: 4/3.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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