Zwischen Tannenbaum und Trainingshalle

Handball  So verbinden die ausländischen Handballerinnen der Neckarsulmer Sport-Union den Bundesliga- mit dem Weihnachts-Plan

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Zwischen Tannenbaum und Trainingshalle

Die Neckarsulmerinnen mit Familie im Ausland stimmen Spielbetrieb und Weihnachtsfest vielfältig aufeinander ab.

Foto: Archiv/Veigel

Am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags ruft NSU-Coach Pascal Morgant seine Neckarsulmerinnen nach drei Tagen Pause wieder zum Training. Am Freitag (19 Uhr) steht die Bundesliga-Partie bei der HSG Blomberg-Lippe an. Viel Zeit für Besinnlichkeit bleibt nicht. Schon gar nicht, wenn die Familie im Ausland lebt. Mit Spielerinnen aus der Schweiz, Spanien, Polen, Island, Kroatien und den Niederlanden ist der NSU-Kader in dieser Saison bunt gemischt. Die Methoden, um Trainings- und Weihnachtspläne aufeinander abzustimmen, sind ebenfalls vielfältig.

Per Einladung: In Oliwia Kaminskas Wohnung wird es über Weihnachten kuschelig. Eltern, Schwester, Bruder und Freund - alle kommen zur Neckarsulmer Keeperin und bleiben bis zum 27. Dezember. Zwölf traditionelle polnische Gänge werden zur großen Feier gekocht. Im Hause Kaminska klassische Frauensache. Gegessen wird aber gemeinsam. Irene Espínola Pérez hat ihre Familie aus Spanien ebenfalls eingeladen und sich so stressige Kilometer in die Heimat nach Granada erspart. Nach dem Samstagstraining sind Eltern und Bruder nach Neckarsulm gekommen und bleiben bis 30. Dezember. Nicht nur, um Weihnachten zu feiern, sondern auch für einen Familien-Kurztrip nach Prag. Espínola Pérez' Mama hat eine ganze Menge spanisches Essen im Gepäck und lässt sich das Kochen auch auswärts nicht nehmen. Ein Besuchs-System mit Tradition: "Sie kommen jedes Jahr an Weihnachten."

Weihnachten mit Donald Duck

Ohne Angehörige: Ebenfalls zur sonnigen Spanierin kommen dürfte Mitspielerin Birna Berg Haraldsdóttir. Espínola Pérez hat die Isländerin eingeladen, denn sie feiert erstmals komplett ohne Angehörige. Damit wäre Haraldsdóttirs größte Weihnachtsfrage gelöst, denn die lautet: "Was sollen wir essen?" Den Plural kann sie unabhängig von einem möglichen Besuch bei der Teamkollegin benutzen, denn die Feiertage verbringt sie definitiv mit ihrem schwedischen Freund in Neckarsulm. Er bringt die recht spezielle Tradition in ihre gemeinsame Wohnung, am 24. Dezember um 15 Uhr eine klassische Folge der Zeichentrickserie "Donald Duck" anzuschauen.

Eine deutlich wichtigere Übertragung ist für die Isländerin aber doch die am Abend, wenn sie sich via Skype mit ihrer Familie über die bereits bereit liegenden Geschenke austauscht. Auch Lucija Zeba bleibt in Neckarsulm, "weil das Flugticket nach Kroatien zu teuer ist". Das erste Weihnachten ohne Familie macht die 20-Jährige aber nicht allzu traurig: "Es zeigt auch ein bisschen, dass ich kein Kind mehr bin." Besuch bekommt sie zudem von ihrem Freund aus Ungarn. Geschenke für ihre Angehörigen hat sie beim jüngsten Besuch in der Heimat vor einem Monat schon abgeliefert.

Zeitverschiebung für Spagat

Mit dem Auto: Vorbildlich unterwegs sind die Niederländerinnen im Dienste der Sport-Union. Während Michelle Goos wegen ihres Kreuzbandrisses schon vergangene Woche in der Heimat weilte, war das verbliebene Oranje-Trio am Samstag nach dem Training als Fahrgemeinschaft auf dem Weg nach Holland. Die Familien von Jill Kooij und Nathalie Hendrikse wohnen in Amsterdam ohnehin nur wenige Minuten auseinander, und Lynn Knippenborg wurde "einfach abgeladen", wie Hendrikse lachend berichtet. Zurück nach Neckarsulm kommt sie dann am 25. mit ihrem Freund.

Per Zeitverschiebung: Für Chantal Wick hat ihre Familie eine weihnachtliche Zeitverschiebung eingeführt. Gefeiert wird in Zürich einfach vom 22. bis zum 24. Dezember, ehe es für die Schweizerin wieder zurück zum Training in Neckarsulm geht. So verpasst sie nur "ein großes Familienfest". Auch ihre Landsfrau Seline Ineichen geht den Spagat zwischen Bundesliga- und Weihnachts-Plan flexibel an.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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