Zufrieden sollen nur die Zuschauer sein

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union setzt auch gegen Oldenburg auf verstärkten Konkurrenzkampf. Der Kader mit Jill Kooij ist nun komplett einsatzfähig.

Zufrieden sollen nur die Zuschauer der NSU-Frauen sein

Hat sich aufs Bundesliga-Parkett getankt: Lucie-Marie Kretzschmar empfiehlt sich mit viel Einsatz, besonders in der Abwehr, für Spielzeit.

Foto: Andreas Veigel

Der nette Mann unter 16 zufriedenen Frauen möchte Pascal Morgant nicht sein. Im Gegenteil. "Bis zu einem gewissen Grad will ich Unzufriedenheit spüren. Nur Harmonie bringt uns nicht weiter", betont Neckarsulms Trainer Pascal Morgant vor dem richtungsweisenden Heimspiel gegen den VfL Oldenburg am Samstag (19 Uhr).

Insofern war ihm die Stimmung bei der Sport-Union nach dem jüngsten 30:21 gegen Bundesliga-Aufsteiger Mainz fast schon ein bisschen zu gut: "Es gilt, sich die Spielanteile über das Training zu erkämpfen."

Trainer Morgant setzt auf neue Reize

Nun, da auch Kreisläuferin Jill Kooij nach auskuriertem Fingerbruch wieder einsatzfähig ist, kann das Trainerteam auf neue Reize setzen. "Wir spielen viel sechs gegen sechs, probieren verschiedene Mannschaftszusammenstellungen aus und führen anschließend gute Diskussionen darüber", freut sich Pascal Morgant über eine Möglichkeit, die er und Co-Trainerin Maike Daniels mit dem ersatzgeschwächten Vorjahres-Kader kaum hatten.

So drängte sich die 19-jährige Lucie-Marie Kretzschmar durch ihr unermüdliches Ackern in der Defensive zuletzt für die Startformation auf und Nele Reimer damit eine komplette Halbzeit lang nur auf die Bank. "Lucie ist sehr abwehrstark, und wir müssen die stärkste Abwehr stellen. Wenn dann vorne vielleicht mal ein Ball mehr daneben geht, ist das so. Hinten werden die Spiele gewonnen", sagt der Trainer, der damit natürlich zudem Toptorschützin Reimer kitzeln möchte. Auch dazu, dass Birna Berg Haraldsdóttir gegen Mainz nur für Siebenmeter und nicht auf halbrechts oder in der Abwehr zum Einsatz kam, sagt Morgant mit wenigen Worten recht viel: "Irene Espinola Pérez hat es sehr gut gemacht und kann über 60 Minuten gehen, wenn es sein muss."

Unerfahrene Gäste haben bisher viel Lehrgeld bezahlt

Auf wen er gegen Oldenburg verstärkt setzen wird, lässt sich der Chefcoach bewusst noch eine Weile offen. Entscheidend wird für ihn, "dass wir eine kompakte Abwehr stellen und zusammenstehen - die kommen im Rückraum mit viel Dampf". Oldenburg kommt zudem mit einem grunderneuerten, stark verjüngten Kader und ohne die langjährige Leistungsträgerin Angie Geschke. VfL-Trainer Niels Bötel musste mit seinem unerfahrenen Team in den beiden ersten Saisonspielen gegen die Topteams Thüringen (19:36) und Dortmund (26:39) viel Lehrgeld zahlen und rechnet sich in Neckarsulm sicher mehr aus.

"Es ist schon ein schöner Gradmesser", sagt Pascal Morgant. Zuletzt war sein Team mit dem VfL auf Augenhöhe. Nun zeigt sich, ob die Sport-Union bereits einen erkennbaren Schritt nach vorne gemacht hat. Nicht nur deshalb ist ein Erfolg gegen die Oldenburgerinnen entscheidend. Denn neben Punkten spielen die Neckarsulmerinnen auch um die Gunst der Fans.

Die Niederlagen haben auch am Publikum gezehrt

"Wir haben im letzten Jahr natürlich viele Niederlagen einstecken müssen, das zehrt auch am Publikum", kommentiert Morgant die 748 Zuschauer beim Heimauftakt. Ein Wert, der doch spürbar unter dem Schnitt der Vorjahre lag: "Wir wollen natürlich eine volle Halle, die Stimmung war aber auch so richtig gut, das hilft."

Nur in der Mannschaft soll die Stimmung nicht zu gut werden, denn das hilft nicht.

 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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