Tochter von Handball-Ikone Kretzschmar spielt bald für Neckarsulm

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union stellt mit der Verpflichtung von Lucie-Marie Kretzschmar und Sarah Wachter die Weichen für die Zukunft. Die Tochter von Handball-Ikone Stefan Kretzschmar steigert auch die Strahlkraft des Vereins.

Von Dominik Knobloch

Wie der Vater, so die Tochter: Lucie-Marie hat die Handballbegeisterung vom berühmten Papa Stefan Kretzschmar im Blut.

Fotos: dpa

Als Stefan Kretzschmar im September 2017 vor dem Saisonstart von den "Stuttgarter Nachrichten" gebeten wurde, die fünf Frauen-Bundesligateams aus Württemberg aufzuzählen, da hatte er Neckarsulm noch nicht im Kopf. Scherzhaft sprach die Sport-Union der Handball-Ikone damals über Facebook eine Einladung in die Ballei aus, um die Wissenslücke zu füllen.

Ernsthaft gab es in den vergangenen Monaten tatsächlich Kontakt über die sozialen Netzwerke. Jetzt kennt der ehemalige Nationalspieler Neckarsulm. Und dürfte bald schon für den einen oder anderen Besuch vorbeikommen, um seiner Lucie-Marie zuzuschauen.

Schöne Überraschung via LinkedIn mitten in der Nacht

"Es war natürlich eine schöne Überraschung, als mich Kretzsche über Social Media kontaktiert hatte, weil er für seine Tochter einen Verein in Baden-Württemberg sucht", erinnert sich NSU-Trainer Pascal Morgant schmunzelnd an eine Nachricht über LinkedIn, die er sofort und mitten in der Nacht beantwortete.

Um Grundschullehramt zu studieren, seien die Bedingungen im Süden hervorragend, die Pädagogische Hochschule in Ludwigsburg ist nicht weit von Neckarsulm. Das wusste Familie Kretzschmar.

Aber natürlich zieht es Lucie-Marie Kretzschmar auch zum Handballspielen vom Drittligisten Leipzig an den Neckar. Im linken Rückraum wird die 18-Jährige die Sport-Union ab nächster Saison verstärken. Sie kommt gemeinsam mit einem weiteren deutschen Toptalent.

Sarah Wachter wurde von der ganzen Liga gejagt

Zwei deutsche Toptalente und der große Name Kretzschmar für Neckarsulm

Sarah Wachter hat in dieser Saison mit Nellinge bereits in Neckarsulm geglänzt. Nächste Saison wechselt sie die Seiten, der Glanz soll bleiben.

Foto: Archiv/Veigel

Einen ganz großen Familiannamen hat Sarah Wachter zwar nicht, dafür mit Nellingen aber bereits Bundesliga-Erfahrung gesammelt. Die 19-Jährige zählt zwischen den Pfosten zu den deutschen Torhüterhoffnungen. Die Keeperin trifft bei der Sport-Union auf ihren Ex-Trainer Pascal Morgant.

"Sie hat in der Hinrunde im Spiel hier mit Nellingen nach einer Verletzung einmal mehr gezeigt, wie viel Potenzial sie besitzt. Auf unserem Weg, mit deutschen Spielerinnen und Talenten weiter voran zu kommen, war es naheliegend, sich um Sarah Wachter zu bemühen", sagt ihr alter und neuer Coach. Natürlich sei es bei der Verpflichtung von Vorteil gewesen, "dass wir uns gut kennen und sie das Vertrauen hatte, hier weiter Entwicklungsmöglichkeiten zu besitzen".

Denn nicht nur TVN-Geschäftsführer Bernd Aichele weiß: "Sarah wird von der ganzen Liga gejagt und es war uns von vorne herein klar, dass sie irgendwann den Verein verlassen wird, um auch ihr nächstes Ziel, die Nationalmannschaft, dabei voll im Visier zu haben."

Wachter wolle in Heilbronn BWL studieren, "was dann natürlich auch vom Weg her nicht mehr machbar ist, zu den Trainingseinheiten nach Nellingen zu kommen. Hier liegt es dann auch nahe, dass sie nach Neckarsulm wechseln wird, um die Wege zwischen Uni und Sporthalle möglichst gering zu halten", erklärt Aichele auf der Vereinshomepage weitere Beweggründe. Gemeinsam mit Nicole Roth soll Sarah Wachter nun ein starkes Duo im NSU-Kasten bilden, das sich gegenseitig zu Spitzenleistungen anstachelt.

Eine Notlösung verlässt den Verein

Eine andere Beziehung endet dagegen. Und eine echtes Liebesverhältnis ist aus dem Arbeitsverhältnis auch nie geworden. Als die Not zwischen den Neckarsulmer Pfosten Anfang 2018 groß war, sprang Valeria Gorelova Mitte Februar als Notlösung ein. Doch als große Hilfe erwies sich die Russin zu selten. Nicht nur die Fans hatten sich von einem Vollprofi mehr versprochen, trotzdem wurde ihr Vertrag für eine weitere Saison verlängert. Danach ist aber Schluss, zu sehr steht sie im Schatten von Nicole Roth.

"Nici hat sich dieses Jahr als ganz klar stärker entpuppt. Wir hatten uns von Valeria schon etwas mehr erhofft", sagt NSU-Coach Pascal Morgant. Auch Gorelova hatte wohl kein gutes Gefühl. Sie sagte dem Verein schon früh, dass sie eine neue Herausforderung suchen wird.

Der Konkurrenzkampf in Neckarsulm nimmt zu

Eine Herausforderung könnte auch der Neckarsulmer Rückraum werden. Besonders auf der linken Seite wird sich der Konkurrenzkampf nächste Saison verschärfen, wenn die junge Litauerin Roberta Ivanauskaite wieder fit ist. Sorgen bereitet das Pascal Morgant nicht: "Wie es ohne Konkurrenzkampf ist, sehen wir ja gerade. Wir machen momentan einen Ritt auf der Rasierklinge."

Mit den beiden Zugängen sowie Nele Reimer und Selina Kalmbach weiß die Sport-Union nächste Saison vier junge Wilde in ihren Reihen, die allesamt im Nachwuchsteam den deutschen Adler auf der Brust haben oder hatten. Eine weitere Junioren-Nationalspielerin könnte schon in Kürze folgen, noch ist aber nichts spruchreif. Gegen die Strahlkraft des altbekannten Namens Kretzschmar hat Morgant natürlich auch nichts, aber "wir verpflichten Lucie-Marie Kretzschmar, nicht Stefan Kretzschmar".

So oder so - wenn in ein paar Jahren wieder ein Handball-Experte nach Frauen-Bundesligateams in Württemberg gefragt wird, dann könnte Neckarsulm durchaus direkt ein Begriff sein.

 

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