Tanja Logvin wird kommende Saison neue Cheftainerin in Neckarsulm

Handball  Die 45-jährige Österreicherin war die Wunschkandidatin beim Handball-Bundesligisten. 2018 hatte Logvin schon einmal interimsweise in Neckarsulm gearbeitet. "Es fühlt sich an, wie nach Hause kommen", sagt die neue Traineirn.

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Bis Saisonende wird Tanja Logvin noch mit vollem Einsatz beim SV Halle-Neustadt an der Seitenlinie stehen, ab der kommenden Saison in Neckarsulm.

Foto: imago-images/Holger John

Für zwei Monate und sieben Bundesligaspiele war Tanja Logvin im Jahr 2018 Interimstrainerin der Neckarsulmer Sport-Union. Eine kurze Phase im Leben der 45-Jährigen, aber eine intensive und prägende, die ab der kommenden Saison um mindestens zwei Jahre verlängert werden soll.

"Für mich fühlt es sich an, wie in die Heimat zurückzukehren. Neckarsulm war für mich eine Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste immer, dass das irgendwann passieren wird. Schreiben Sie: Die verlorene Tochter ist wieder da", sagt die Österreicherin mit ukrainischen Wurzeln bestens gelaunt am Dienstag im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

Eine Trainerin, die morgens die Halle auf- und abends abschließt

Am Montag waren die letzten vertraglichen Kleinigkeiten geklärt worden, am Dienstagnachmittag wurde die Neckarsulmer Mannschaft unterrichtet, ein paar Stunden später die Spielerinnen des SV Halle-Neustadt - Logvins aktuellem Verein. "Tanja ist unsere Wunschkandidatin gewesen", sagt Rolf Härdtner. "Sie hat den ganzen Verein im Blick, weiß alle mitzunehmen und zu begeistern", erläutert der Sport-Unions-Vorsitzende Beweggründe für diese Personalentscheidung.

Die fehlende Präsenz in Neckarsulm und die dadurch seltenen Besuche bei Spielen der Nachwuchsmannschaften waren ein wesentlicher Kritikpunkt an Logvins Vorgänger Pascal Morgant. "Tanja ist eine Trainerin, die morgens um 8 Uhr die Halle aufschließt und abends um 22 Uhr zusperrt", sagt Härdtner. Das gefällt dem Schaffer natürlich. "Meine Helfer werden auch alle jubeln", ist sich der NSU-Chef sicher und dürfte mit dieser Einschätzung auch richtig liegen.

Denn Logvin ist in den vergangenen Tagen bereits mit Fragen aus Neckarsulm bombardiert worden, ob sie denn wirklich zurückkehre: "Ich durfte ja noch nichts sagen, daher habe ich meistens gar nicht geantwortet." Das wird sie aber sicher in den nächsten Tagen nachholen, obwohl natürlich noch wichtigere Aufgaben anstehen.

"Bis zum Saisonende arbeite ich jetzt für zwei Vereine", sagt Logvin lachend und lässt keine Zweifel daran, dass sie auch diese Aufgabe meistern wird. Mit dem SV Halle-Neustadt führt sie aktuell die Zweitliga-Tabelle an. Trotz personeller Engpässe hat ihr Team erst ein Saisonspiel verloren und beste Chancen auf den direkten Wiederaufstieg. Allerdings sind die Ressourcen des Vereins aus Sachsen-Anhalt begrenzt. Sicher auch ein Grund für Logvin, sich nach zwei Jahren nach einer neuen Arbeitsstelle mit größerer Perspektive umzusehen.

In ihrer Zielsetzung ist Logvin lieber vorsichtig

Die Offerte aus Neckarsulm kam also zum perfekten Zeitpunkt, wobei es vielleicht auch gar keinen falschen Zeitpunkt geben konnte: "Ich hatte bisher einmal Herzklopfen vor einem Spiel. Und das war, als ich vergangene Saison mit Halle in der Ballei gespielt habe", verrät Logvin. Die Trennung nach dem erfolgreichen Klassenerhalt 2018 war auch nur deshalb unumgänglich, weil Logvin bereits einen Vertrag in Halle unterschrieben hatte, bevor sie als Feuerwehrfrau in Neckarsulm eingesprungen war.

Doch wie sieht jetzt ihre Zielsetzung aus? Die Sport-Union will ja nicht ewig weiter um den Klassenerhalt kämpfen, hat vor Saisonbeginn sogar die Vision Europa propagiert. "Wir müssen weiter daran arbeiten, um das Mittelfeld der Bundesliga anzugreifen", bleibt Logvin lieber vorsichtiger. "Ich freue mich, hier ein Teil dieses spannenden Projekts zu werden. Ich präferiere einen schnellen Handball und arbeite gerne mit jungen Spielerinnen", fasst die neue Trainerin ihre Philosophie zusammen.

Da ist es durchaus als Fingerzeig zu sehen, dass Logvin sich am Sonntag das Württembergligaspiel der zweiten Neckarsulmer Mannschaft anschauen wird. In den nächsten Wochen wird sie die gut 400 Kilometer zwischen Halle und Neckarsulm häufiger bewältigen. "Ich werde mit allen Spielerinnen persönlich sprechen", kündigt Logvin an. Und natürlich mit ihrer künftigen Co-Trainerin Maike Daniels. "Wir verfolgen die gleiche Philosophie."

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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