Sportmanagement-Studenten messen sich in Heilbronn

Heilbronn  Beim Sportmanagement-Deutschland-Cup kommen jährlich Sportmanagement-Studenten aus ganz Deutschland zusammen. In diesem Jahr findet die Veranstaltung in Heilbronn statt - organisiert unter anderem von Handball-Bundesligaspielerin Selina Kalmbach.

Von Dominik Knobloch

Mehr als nur graue Theorie

Nicht nur auf dem Handballfeld immer voll fokussiert am Ball: Selina Kalmbach geht ihren Weg neben der Bundesliga-Karriere mit aller Konsequenz.

Foto: Andreas Veigel

Am Freitag hat Selina Kalmbach ihren monatelangen Aufwand schwarz auf weiß. Dann geht ihre Bachelor-Arbeit in den Druck. Ein fertiges Exemplar wird auch auf dem Tisch der Neckarsulmer Sport-Union landen. Schließlich ist der Handballbundesliga-Club das Thema.

Sich einschreiben, nur um als Studentin eingeschrieben zu sein, wie das so mancher Leistungssportler der deutschen Eliteligen tut - das kam für Kalmbach nie in Frage. Trotz acht Trainingseinheiten in der Woche und dem langen Kampf um den Klassenerhalt wird die 21-jährige NSU-Linksaußen ihr Studium BWL-Dienstleistungsmanagement mit dem Schwerpunkt Sportmanagement an der DHBW Heilbronn bereits diesen September abschließen.

Wechsel-Angebote für die einstige Junioren-Nationalspielerin

Das Gelernte soll mehr als nur graue Theorie sein. "Ich möchte das Wissen, das ich mir angeeignet habe, in Neckarsulm einbringen. Das habe ich definitiv vor. Ich will die Zukunft der Sport-Union weiter mitgestalten." Dass Kalmbachs sportliche Zukunft überhaupt in Neckarsulm weitergeht, war alles andere als selbstverständlich.

Weil ihr Vertrag beim Bundesligisten aus dem Unterland ausgelaufen wäre, gab es einige Wechsel-Angebote für die einstige Junioren-Nationalspielerin. Doch die Abstatterin entschied sich für eine Verlängerung. Sicher auch, weil in der Heimat das Gesamtpaket stimmte. Denn die Geschäftsstelle der Sport-Union ist gleichzeitig auch Partner ihres dualen Studiums. Und wird nach September ihr Arbeitgeber für einen Halbtagsjob neben dem Handball sein.

Der Körper nimmt sich eine Pause

Mehr als nur graue Theorie

Sieben für einen Streich: Ein DHBW-Studenten-Team um Initiator Luca Ring (rechts) hat den Sportmanagement-Deutschland-Cup in Heilbronn verwirklicht.

Foto: privat

Für diese Perspektive schuftete Selina Kalmbach in der vergangenen Saison absolut im Grenzbereich. "Regenerationsphasen waren eigentlich nur noch das Schlafen", sagt sie im Rückblick schmunzelnd: "Ich freue mich schon sehr auf die Zeit, die ab Montag ansteht - die Bachelor-Arbeit abgegeben und Saisonpause. Da kann ich mal etwas entspannen und den Kopf freibekommen."

Zuletzt war das nur selten möglich. Auch auf der finalen Auswärtsfahrt der Bundesliga-Saison hatte Selina Kalmbach Studienmaterial mit an Bord, als es nach Leverkusen ging. Nach dem Abschlussspiel nahm sich ihr Organismus direkt eine Auszeit: "Ich war erstmal die komplette Woche krank. Der Körper nimmt sich, was er braucht."

Rechtzeitig vor dem Sportmanagement-Deutschland-Cup, der an diesem Wochenende stattfindet, ist Selina Kalmbach aber wieder fit geworden. Will wie auf dem Spielfeld alles geben, um ein zufriedenstellendes Ergebnis abzuliefern.

Voll ins Zeug gelegt - nicht nur wegen der Note

Die Durchführung des Cups ist Ergebnis des Praxisseminars im Rahmen des fünften Semesters. Nicht nur wegen der Note hat sich Kalmbach dabei voll ins Zeug gelegt: "Ich fand es super. Größtenteils lernt man eben doch etwas Theoretisches und liefert das dann auswendiggelernt bei einer Klausur ab." Das gesammelte Wissen "jetzt auch mal wirklich darlegen zu müssen, ist schon richtig spannend - nicht nur eine schriftliche Event-Konzeption zu schreiben, sondern auch durchzuführen und zu sehen, ob es wirklich klappt."

Auch bei den Ergebnissen ihrer Bachelor-Arbeit hofft Selina Kalmbach, dass sie "nicht nur im Schrank oder im Büro liegt, sondern dass man damit arbeitet und die Ideen mit einbezieht".

Ein Kernthema von Kalmbachs Ausarbeitung: "Die Nähe, diese besondere Verbindung zwischen Mannschaft und Fans, gilt es definitiv weiter zu stabilisieren und auszubauen." Selina Kalmbach wird sicher keinen Aufwand scheuen, um daran mitzuarbeiten. Ihr Wissen soll mehr als nur graue Theorie sein.


Der SPM-Cup: Erst Experten-Talk, dann Fußballturnier

Bereits im Sommer 2017 wusste Lucas Ring: "Das Ding will ich nach Heilbronn bringen." Als Teilnehmer kam der DHBW-Student damals in Remagen mit dem Sportmanagement-Deutschland-Cup, der seit 2005 existiert, in Kontakt. Und machte das Revival im Unterland gemeinsam mit sechs Kommilitoninnen und Kommilitonen später prompt zum Thema des Praxisseminars. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, es in allen Belangen professioneller anzugehen. Seien es Marketing, Sponsoring, die Teilnehmer, oder auch das Rahmenprogramm - das haben wir auch ganz gut hingekriegt", sagt Initiator Ring stolz.

Fiel das Fußball-Turnier 2018 mangels Teilnehmern noch aus, haben sich an diesem Samstag immerhin sieben Teams für das totgeglaubte Event angemeldet. Gekickt wird im Frankenstadion. Wermutstropfen dabei: Aus einem anfänglichen Pool von 37 Hochschulen und Universitäten ist das Endergebnis doch recht überschaubar.

Ohnehin soll es aber nicht nur ums Fußballspielen gehen. Bereits am Freitag findet im Forum des Heilbronner Bildungscampus von 19.30 bis 21.30 Uhr für alle Teilnehmer und DHBW-Studenten ein Sport-Businesstalk statt. Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, Fußball-Manager Thomas Röttgermann, Sky-Sportmoderator Yannick Erkenbrecher und der Mainzer Fußball-Jugendkoordinator Thomas Krücken stellen sich unter dem Motto "when sportbusiness is life" Fragen zu ihrem Werdegang. Die Note eins, die es für das Studienprojekt bereits gegeben hat, ist für die Heilbronner Studenten längst nebensächlich geworden.

 

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