Rückkehrerin Goos verleiht der Sport-Union mehr Nervenstärke

Handball  Bei ihrem Ex-Club Buxtehude soll die wiedergenesene Niederländerin den Bundesliga-Handballerinnen der Neckarsulmer Sport-Union zu Punkten verhelfen.

Von Dominik Knobloch
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Rückkehrerin Michelle Goos verleiht Neckarsulmer Sport-Union mehr Nervenstärke

Bringt neben schnellen Beinen viele positive Emotionen auf die Platte: Michelle Goos dürfte die Neckarsulmerinnen nach auskuriertem Kreuzbandriss mit ihren 21 Jahren Handball-Erfahrung besonders mental stabiler machen. Foto: Andreas Veigel

Timing ist oftmals entscheidend. Auch für Michelle Goos. Sieben Monate schuftete sie nach einem Kreuzbandriss unermüdlich für das Debüt im Neckarsulmer Bundesliga-Dress. Trotz des ersten Langzeitausfalls ihrer Karriere bleibt die routinierte 29-Jährige positiv. Lächelt, statt zu lamentieren.

Bei einer Sache wird die sympathische Holländerin aber äußerst bestimmt: "Ich habe immer gesagt, mein erstes Spiel möchte ich nicht in Buxtehude machen."

Und so hatte die Sport-Union trotz des ernüchternden 25:31 gegen Bensheim/Auerbach am vergangenen Wochenende zumindest eines gewonnen: eine einsatzbereite Michelle Goos für die Partie an diesem Sonntag (15 Uhr) bei ihrem Ex-Club. Nach den ersten Bundesliga-Minuten und zwei Toren für die Neckarsulmerinnen dürfte NSU-Trainer Pascal Morgant auch beim favorisierten BSV auf Goos setzen. Denn sie bringt mit, was das junge Team zuletzt immer wieder so schmerzlich vermissen ließ: absolute Abgeklärtheit.

Internationale Erfolge beweisen ihre Nervenstärke

WM-Silber 2015, 2016 Platz vier bei den Olympischen Spielen und EM-Silber, der DHB-Pokalsieg 2017 mit Buxtehude - Michelle Goos weiß, wie man Drucksituationen erfolgreich meistert. Abstiegskampf ist ihr allerdings neu. Und genau deshalb brennt die Linksaußen auf die ungewohnte Herausforderung. Das hat nach ihren ersten Spurts in Neckarsulm jeder gesehen. "Sie ist gleich mit vollem Feuer zurück gekommen. Mit einer Viertelstunde war ihr Einsatz sogar länger als geplant. Aber sie hat es gut gemacht", lobte Morgant.

Der Neckarsulmer Coach verspricht sich von der Rückkehrerin in Buxtehude ein Stück mehr Nervenstärke: "Michelles Erfahrung wird uns weiterhelfen. Der Kopf kommt uns gerade immer wieder in die Quere." Goos" Kopf ist nach dem ersten Auftritt hingegen frei. Das Knie hat gehalten, das Wiedersehen mit dem BSV kann kommen. Kampfansagen an Selina Kalmbach, die auf Linksaußen bis vor kurzem noch Alleinunterhalterin war, formuliert Goos aber nicht. Im Gegenteil: "Selina hat es in den letzten Wochen sehr gut gemacht. Wenn sie es weiter so macht, wenn wir gewinnen, brauche ich nicht zu spielen."

Im Hinspiel fehlte Neckarsulm das Happy End

Fast gewonnen hätten die Neckarsulmerinnen bereits das Hinspiel gegen Buxtehude. Das 26:29 (13:10) war damals ein Bundesliga-Krimi ohne Happy End. Trotz hohem Einsatz und einer überragenden Nicole Roth im Kasten eine verpasste Gelegenheit auf Zusatzzähler gegen den Vorjahresdritten. "Das wären Punkte gewesen, die die anderen nicht holen", ärgerte sich NSU-Coach Pascal Morgant Ende Januar mit Blick auf den Kampf um die Klasse. Doch sein Team verlor am Ende die Nerven. Ein Problem, das sich nicht wiederholen sollte. "Jetzt gilt es, über 60 Minuten das zu spielen, was wir können. Wir müssen positiv sein und positiv bleiben", fordert Morgant.

Morgant fordert weiter Geduld ein

Einen gewissen Unmut bei den Fans kann er gerade nach der Niederlage gegen Bensheim/Auerbach "natürlich verstehen, keiner verliert gerne". Trotzdem wirbt der Neckarsulmer Trainer weiterhin für Geduld: "Ich sehe eine Entwicklung, aber diese junge Mannschaft braucht nach dem Umbruch Zeit."

Zähler braucht die Sport-Union jedoch auch. Neun Pluspunkte haben die Neckarsulmerinnen bisher in 17 Spielen gesammelt und stehen damit auf dem elften Platz. Die Bensheimerinnen sind als Zwölfter bis auf einen Zähler heran gerückt. Der Vorletzte aus Nellingen (7 Pluspunkte) und Schlusslicht Halle-Neustadt (4) liegen auf den Abstiegsplätzen ebenfalls gefährlich nahe.

Mit 10:42 Zählern wurde Neckarsulm vergangene Saison Vorletzter und schaffte den Klassenerhalt nur am Grünen Tisch. Eine 13:39-Bilanz wie im ersten Bundesliga-Jahr 2016/17 hätte erneut für Rang zwölf gereicht. Wie es in dieser Saison letztlich läuft? Das Timing dürfte entscheidend sein.

 

 


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