Per China-Kracher in den Urlaub

Handball  Neckarsulm beendet die erste Vorbereitungsphase auf die Bundesliga-Saison mit einem Testspiel gegen die chinesische Nationalmannschaft.

Von Dominik Knobloch
Email
Per China-Kracher in den Urlaub

Svenja Kaufmann (M.) sieht sich nicht zum ersten Mal mit China konfrontiert. Mehrere Monate lang war sie vergangenes Jahr geschäftlich in Asien.

Foto: Matthias Heibel

Nein, verbeugen wird sie sich nicht. "Ich denke, dass ist bei den Mädels nicht nötig − das chinesische Team ist international aufgestellt", sagt Svenja Kaufmann schmunzelnd. Mehrere Monate weilte die Neckarsulmerin vergangenes Jahr beruflich im Reich der Mitte, "da meint man schon, die Kultur ein bisschen zu kennen".

Die deutsche Kultur lernt die Nationalmannschaft aus China momentan kennen. Nach Tests gegen die beiden Bundesligisten Buxtehude (28:30) und Bietigheim (28:27) sind die Chinesinnen am heutigen Freitag (18 Uhr) in der Pichterichhalle zu Gast.

Mit "zwei, drei Worten" auf chinesisch kann Kaufmann den Besuch immerhin willkommen heißen: "Aber über die üblichen Floskeln gehen meine Kenntnisse nicht hinaus." Kein Problem. Schließlich ist der chinesische Coach ein Deutscher. Jörn-Uwe Lommel heißt er und war als Spieler und Trainer jahrelang in der Bundesliga aktiv. Ehe er im Frühjahr 2018 die Asiatinnen übernahm, saß er als Assistenzcoach beim THW Kiel auf der Bank.

Da bot sich Deutschland als finaler Härtetest vor den Asienspielen Mitte August an. Dabei geholfen, die Unterbringung in Esslingen und das Drumherum für die chinesischen Gäste zu organisieren, hat Neckarsulms Trainer Pascal Morgant. Er ist im Süden bestens vernetzt und wurde Lommel von DHB-Teammanager Wolfgang Sommerfeld als Ansprechpartner empfohlen.

"Jörn-Uwe Lommel und ich haben viel telefoniert. Ich freue mich jetzt darauf, ihn persönlich kennenzulernen", sagt Morgant. Auch auf das Spiel ist der NSU-Coach gespannt: "Das wird ein hartes Stück Brot. Ich gehe davon aus, dass es ein sehr schnelles Spiel und nochmal eine richtige Belastung vor dem Urlaub wird."

Harte Vorbereitung macht sich bemerkbar

Man würde schon merken, dass seine Mannschaft langsam müde ist. Einen freien Tag hat es in den vergangenen vier Wochen nur gegeben. Schon beim 32:27 (12:14)-Test gegen die deutsche U18 am Mittwochabend waren die Arme in der ersten Hälfte extrem schwer, "aber wir wollten unbedingt gewinnen", sagt Morgant. Dabei helfen konnte erstmals auch der litauische Zugang Roberta Ivanauskauite. "Ihr hat noch etwas der Rhythmus gefehlt, aber das ist in diesem Rahmen normal. Es hat trotzdem Spaß gemacht, sie zu sehen − ihr Potenzial ist groß."

Wolf fehlt auch heute

Auf seine potenzielle Führungsspielerin Louisa Wolf musste der Neckarsulmer Trainer hingegen verzichten. Auch heute wird Wolf in der Mitte fehlen. Wie bereits seit einiger Zeit geplant, hat sie sich ein Lymphom in der rechten Schulter entfernen lassen und nutzt nun die eineinhalb Wochen Urlaub nach dem Neckarsulmer China-Kracher, um sich auszukurieren. Auch der Rest des Teams freut sich auf etwas Erholung, ehe die zweite Vorbereitungsphase startet.

Ob bis dahin weitere Verstärkung im doch recht dünnen Kader ansteht? "Wir sind in Verhandlungen mit einer Spielerin und es sieht sehr gut aus. Mal sehen, wie schnell das Ganze geht. Sie ist nicht aus Deutschland und dann kann sich alles immer ein wenig ziehen", verrät Pascal Morgant.

Auch die Rückkehr der verletzten Halblinken Lena Hoffmann dürfte sich laut des NSU-Coaches noch etwas ziehen: "Lenas Knie hat Verschleiß. Das ist eine langwierige Geschichte, die man gründlich aufarbeiten muss."


Kommentar hinzufügen