Nele Reimer bleibt Neckarsulm als künftige deutsche Nationalspielerin erhalten

Handball  Wichtige Vertragsverlängerung: Leistungsträgerin Nele Reimer steht der Sport-Union im linken Rückraum für eine weitere Saison zur Verfügung und zudem vor ihrem Debüt in der deutschen Nationamannschaft.

Von Dominik Knobloch
Nele Reimer bleibt Neckarsulm als künftige deutsche Nationalspielerin erhalten

Stark am Ball: Nele Reimer bleibt ein weiteres Jahr in Neckarsulm.

Foto: Kunz

Nein, Nele Reimer hat nicht nachverhandelt. Den frisch unterzeichneten Einjahresvertrag mit der Neckarsulmer Sport-Union als künftige Nationalspielerin noch einmal neu bewerten - "an solche Sachen habe ich überhaupt nicht gedacht", sagt die 22-Jährige.

Ohnehin dachte sich Reimer nicht viel, als sie am Montag auf dem Laufband spurtete und eine ihr unbekannte, holländische Nummer versuchte, sie telefonisch zu erreichen. Für die ehrgeizige Halblinke stand in diesem Moment das Intervalltraining im Fokus, nicht das Display des Smartphones: "Ich bin aber doch ganz froh, dass ich beim zweiten Anruf ran gegangen bin."

Anruf von Bundestrainer Henk Groener

Schließlich war Bundestrainer Henk Groener am Apparat und teilte Nele Reimer mit, dass sie in das 21-köpfige Aufgebot für den Lehrgang in Leer rückt und bei den beiden Testspielen gegen die Niederlande in Groningen (22. März) und Oldenburg (23. März) dabei sein wird. "Ich habe mich herzlich bedankt und dann war das Gespräch auch schon beendet", sagt sie schmunzelnd. Weil die Dortmunderin Alina Grijseels sich verletzt hat, rutscht Reimer von der Reserve ins DHB-Team und darf sich mit ihrem Debüt für die A-Mannschaft nun einen großen Traum erfüllen.

Auch in Neckarsulm waren es Verletzungen, die Nele Reimer in dieser Bundesliga-Saison nach vorne brachten. Die Langjährige Leistungsträgerin Lena Hoffmann beendete Anfang der Runde mit einem Knorpelschaden überraschend ihre Karriere. Das litauische Toptalent Roberta Ivanauskaite erlitt bereits in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss und eine Meniskusverletzung. Und plötzlich stand Reimer nach zwei zähen Jahren mit der Sport-Union im linken Rückraum unter großem Druck und alleine da.

Heute steht sie an der Spitze der Torschützenliste des Bundesliga-Klassements. Mit ihren 119 Treffern , im Schnitt sieben pro Spiel, hat sie sich natürlich auch auf die Wunschliste anderer Clubs geworfen.

Nach ihrem Psychologie-Studium steht für Reimer die nächste Entscheidung an

Trotzdem hält Nele Reimer ihrem alten Club für mindestens ein weiteres Jahr die Treue: "Ich komme mit den Mädels hier super klar und der Verein hat in dieser Saison einen Riesenschritt gemacht." NSU-Trainer Pascal Morgant arbeite super mit jungen Spielerinnen wie ihr und "lässt uns in vielen Gesprächen kreativ mitdenken". Auch das Studium habe eine entscheidende Rolle gespielt. Nele Reimer hat nicht vergessen, wie bemüht Neckarsulm bei ihrer Verpflichtung war, um für sie ein passendes Paket mit einem Psychologie-Bachelor in Heidelberg zu schnüren.

Noch zwei Semester hat die gebürtige Rostockerin zu absolvieren. Danach will sie frei sein, um zu entscheiden, wie es beruflich und handballerisch weitergeht. Weitergehen soll definitiv ihre sportliche Entwicklung. "Sie besitzt noch viel Potenzial, das wir auf unserem gemeinsamen Weg weiter ausbauen wollen", sagt Pascal Morgant.

Im Unterland angekommen ist Nele Reimer mittlerweile. Neckarsulm als neue Heimat zu bezeichnen, ginge für sie aber ein gutes Stück zu weit: "Ich komme vom anderen Ende Deutschlands, hier ist es schon etwas anders als in Rostock oder Leipzig."

In Leipzig hat handabllerisch alles angefangen

In der sächsischen Metropole hat für Nele Reimer im Handballinternat sportlich alles angefangen. 2017 fand sie durch die Insolvenz des HCL mit der Sport-Union einen neuen Verein. Nach Leipzig hat sie schon allein durch ihren Freund aber auch heute noch eine wichtige Verbindung.

Dass Reimer nächste Woche weder zu ihrem Partner nach Leipzig noch zur Familie nach Rostock kann, ist halb so wild. Ihre Liebsten werden sie bei den ersten Schritten im Nationalteam begleiten. Nachverhandeln musste Nele Reimer dafür nicht.

 


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