Neckarsulms Prozessor braucht weitere Updates

Handball  Die Handballerinnen der Neckarsulmer Sport-Union werfen beim 25:31 gegen giftige Oldenburgerinnen unter Druck mögliche Bundesliga-Punkte weg.

Neckarsulms Prozessor braucht weitere Updates

Tief enttäuscht:Selina Kalmbach (Mitte) und ihrer Neckarsulmerinnen waren nach der Niederlage gegen Oldenburg bedient. Alle wussten, dass der VfL ein schlagbarer Gegner gewesen wäre.

Foto: Andreas Veigel

Während der Laptop auf dem Zeitnehmer-Tisch der Ballei auch nach der Schlusssirene noch immer Updates lud, funktionierte das Tablet in Pascal Morgants Händen tadellos. Was der Trainer der Neckarsulmer Sport-Union im Liveticker der Bundesliga nachlas, lieferte am Samstagabend jedoch durchaus Anlass zum Tadel. Denn die Zahlen seiner Sport-Union verhielten sich im zweiten Durchgang ähnlich wie der Rechner am Spielfeldrand - sie fuhren herunter.

Lag die Wurfquote des NSU-Teams beim 14:15-Pausenstand gegen den VfL Oldenburg noch bei äußerst akzeptablen 70 Prozent, sank der Wert bis zum 25:31-Endstand auf mäßige 45,8. Satte 13 Mal scheiterten die Neckarsulmerinnen im Abschluss. Und warfen durchaus mögliche Zähler bei einem keineswegs schlechten Auftritt unnötig weg.

Michelle Goos: Das blinde Verständnis fehlt noch

Für Linksaußen Michelle Goos war es kein Systemfehler, sondern ganz klar ein Problem am Prozessor: "Wir haben wieder so viele Chancen, und dann sieht man mit acht Neuen eben, dass es unter Druck einfach noch nicht so blind funktioniert wie im Training. Wir haben viele junge Spielerinnen. Wenn es dann spannend wird, haben wir zu viel Panik." Das Team müsse lernen, "ruhig zu bleiben und einander zu vertrauen - wir sind noch nicht da, wo wir seien könnten. Es ist im Kopf, und da muss es raus." Nun bleibt eine spielfreie Woche Zeit, um besonders in diesem Bereich Updates in den grauen Zellen zu installieren.

Weiter nicht in Quarantäne ist zudem ein Virus, das bei Neckarsulm auch im dritten Ligaspiel wieder wenige Minuten vor der Pause ausbrach. Erneut wurde da gegen Oldenburg aus einem völlig verdienten 14:11 (25.) ein enttäuschendes 14:15. Gegen einen VfL, der im ersten Durchgang nur sehr selten Bundesliga-Niveau erreichte, am Ende viel zu wenig. "In dieser Phase haben wir einfach Probleme und immer wieder eine Lücke. Da ist die Mannschaft vielleicht noch nicht ganz so gefestigt, dass wir den Rhythmus hochhalten können", sagt Pascal Morgant zur Sollbruchstelle seiner Sport-Union. Einzelne Spielerinnen wollte er hierbei nicht in die Kritik nehmen.

Louisa Wolf macht eine unglückliche Figur

Eine auffällig unglückliche Figur machte nach ihrer Einwechslung aber Louisa Wolf mit zwei Zeitstrafen hinten und einem Schrittfehler vorne. Zumindest ihre erste Hinausstellung in der 22. Minute war allerdings äußerst streitbar. Nicht der erste und bei weitem nicht der letzte Pfiff, der nur extrem schwer nachzuvollziehen war.

Besonders in der zweiten Hälfte befeuerte die lasche Linie der Unparteiischen das giftige Spiel der Oldenburgerinnen. "Ich habe mich über 60 Minuten brutal über sie aufgeregt. Ich finde auch noch keine Lösung, wie eine Abwehr so etwas verteidigen soll", blickte Pascal Morgant vor allem auf Oldenburgs quirlige Spielmacherin Kristina Logvin, die mit verdächtig vielen Schritten immer wieder entscheidende Lücken riss und ihr Team vom 16:18 (36.) in einem Fünf-Tore-Lauf zum vorentscheidenden 21:18 (41.) führte.

Lynn Knippenborg setzt immer wieder Akzente

"Es war sehr hart, die zwei Punkte zu holen. Natürlich kam uns dann das Feuer in der Partie zugute", gestand Logvin. Neckarsulm verbrannte sich in einer hitzigen Endphase hingegen immer wieder die Finger, ließ sich vom aggressiven Auftreten des VfL zermürben und stand in der Deckung zu statisch. Neckarsulmer Akzente setzte immer wieder die erneut starke Lynn Knippenborg. Der rechte Rückraum bei der Sport-Union war aber überhaupt kein Faktor, und auch den Kreis brachte Pascal Morgants Team zu wenig ins Spiel.

Oldenburg nutzte die Möglichkeiten hingegen sehr abgezockt aus, spielte den Vorsprung clever über die Zeit und ließ niedergeschlagene Neckarsulmerinnen zurück. So hart sich die Pleite anfühlte, ein Absturz war der Auftritt nicht. Allzu lange sollte das Laden der Updates aber nicht mehr dauern.

Neckarsulmer Sport-Union: Wachter (8 Paraden), Kaminska (1) - Kalmbach (3 Tore), Wolf, Hendrikse (3), Knippenborg (8), Wick, Zeba, Haraldsdóttir (3/3), Goos (1), Ineichen (2), Reimer (2/1), Espinola Perez (1), Kooij, Kretzschmar (2).

Beste Schützinnen VfL: Behrend (6), Schlenker (7/3).

Siebenmeter: NSU 4/6, VfL 3/3. Zeitstrafen: 2/3. Disqualifikation: -/Rote Karte Mikkelsen (46.).

Zuschauer: 722.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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