Neckarsulmer Handball-Frauen: Pokal-Frust statt Final-Four-Freude

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union verpasst den Einzug ins Final Four um den DHB-Pokal denkbar knapp. Nach der 26:27-Niederlage gegen Frisch Auf Göppingen fließen die Tränen.

Email
Neckarsulmer Handball-Frauen: Auch im dritten Anlauf Pokal-Frust statt Final-Four-Freude

Hinterher flossen bei den Neckarsulmerinnen Selina Kalmbach (links) und Nele Reimer die Tränen. Wieder hat es nicht mit dem Pokal-Final-Four geklappt.

Fotos: Andreas Veigel

Bitter. So bitter. Sie hatten das Final Four schon vor Augen, doch am Ende flossen nur Neckarsulmer Tränen der Trauer. "Wären wir nicht so dicht dran gewesen, täte es jetzt weniger weh", sagte Lucie-Marie Kretzschmar. Mit 26:27 (14:14) verlor die Sport-Union am Sonntag in der Ballei das DHB-Pokal-Viertelfinale gegen Frisch Auf Göppingen. Damit verpasste das Team von Trainer Pascal Morgant auch im dritten Anlauf das Final Four in Stuttgart. Doch so nah wie dieses Mal war der Bundesligist noch nie dran.

Neckarsulm verpasst Gelegenheiten

Kurz nach dem Seitenwechsel bogen die Gastgeberinnen auf die Straße Richtung Porsche-Arena. In Unterzahl erzielte Kretzschmar die erste Führung zum 16:15 (35. Minute). Nathalie Hendrikse und Selina Kalmbach legten mit fast unmöglichen Würfen zum 19:16 nach (37.). Birna Haraldsdottir per Siebenmeter, Hendrikse und Nele Reimer hatten die Top-Gelegenheiten, die Führung entscheidend auszubauen, doch sie trafen nicht. "In der Phase war Neckarsulm sehr stark, aber die Fehlwürfe haben sie beschäftigt und wir haben wieder zu uns gefunden", sagte Göppingens Torhüterin Jasmina Jankovic, die mit ihren Paraden maßgeblich dazu beitrug. "Ich hatte vorher ja auch genug haltbare Würfe kassiert", schob sie lachend hinterher.

Neckarsulmer Handball-Frauen: Auch im dritten Anlauf Pokal-Frust statt Final-Four-Freude

Letztlich der Todesstoß für die Neckarsulmer Final-Four-Träume: Lina Krhlikar (am Boden) trifft zum 27:25 für Göppingen.

In der Schlussphase war es ein reines Nervenspiel. Beiden Teams unterliefen massig Fehler. Beide Teams wackelten. Beide Teams kämpften. "Nuancen haben entschieden. Am Ende war Göppingen ein kleines bisschen abgezockter", räumte ein tief enttäuschter Morgant ein. "Wir hatten eine Riesenhoffnung, dass uns der Einzug ins Final Four einen richtigen Schub für die Bundesliga geben könnte." Stattdessen muss der Trainer sein Team bis nächsten Samstag wieder aufrichten. Dann kommen die Tussies Metzingen in die Ballei. "Wie das gehen soll, weiß ich gerade noch nicht", gab Morgant zu.

Zwei Wechsel bringen für Neckarsulm die Wende zum Guten

Sein Team war hypernervös gestartet und bereits in der elften Minute mit 3:7 in Rückstand geraten. In der Abwehr war zwar der Wille erkennbar, nicht wieder 30 plus x Tore zu kassieren, allein die Umsetzung hakte. Spielmacherin Lynn Knippenborg gestikulierte immer wieder "Ruhig, ruhig" in Richtung ihrer Mitspielerinnen.

Die Wende zum Besseren gelang mit mutigen Wechseln. Morgant holte seinen etatmäßigen Innenblock Seline Ineichen und Irene Espinola Perez vom Feld und ließ stattdessen Kretzschmar mit Jill Kooij verteidigen. "Wir sind voll auf Risiko gegangen", sagte Morgant - mit Erfolg.

Neckarsulmer Handball-Frauen: Auch im dritten Anlauf Pokal-Frust statt Final-Four-Freude

Überhastet vergab Nele Reimer (beim Wurf) die letzte Ausgleichschance für Neckarsulm Sekunden vor dem Ende. Der Wurf ging übers Tor.

Nele Reimer vergibt die letzte Chance auf eine Verlängerung

Youngster Kretzschmar leitete hinten wie vorne die Wende ein. "Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir der Trainer in so einem wichtigen Spiel entgegen gebracht hat", sagte die 19-Jährige brav.

Ab der 45. Minute kämpfte sich Göppingen aber über seine aggressivere Abwehr zurück, glich in der 52. Minute zum 23:23 aus, ging sogar mit 26:24 (58,) in Führung. Doch die Sport-Union hätte sich noch Sekunden vor Ende in die Verlängerung retten können. Reimer schmiss die Kugel allerdings weit über den Kasten. Vorbei. Auch Versuch Nummer drei gescheitert.

Göppingens geheimer Matchwinner

Ein entscheidender Faktor für den Göppinger Sieg saß auf der Tribüne: Bundesligakeeper Daniel Rebmann. Zumindest nach Meinung seiner Verlobten Jasmina Jankovic. "Ich war zur Pause mies drauf, er hat mit mir einige Gegentore analysiert und mich wieder aufgebaut", verriet die Torhüterin der Frisch-Auf-Frauen. "Es ist schon super, einen Partner zu haben, der genau versteht, worauf es im Tor ankommt", sagte Jankovic. Der frühere Horkheimer Rebmann schätzte seinen Anteil am Erfolg geringer ein. "Das war ein Kampfspiel, das hätte auch anders ausgehen können. Ich freue mich aber natürlich, das Final Four ist auch ein lang gehegter Traum von mir. Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft." 


Hintergrund 

Neckarsulmer SU: Wachter, Kaminska (Tor) - Kalmbach (4), Wolf (1), Hendrikse (6), Knippenborg (4), Wick, Zeba, Haraldsdottir (1/1), Ineichen (2), Reimer (3/2), Espinola Perez (1), Kooij (1), Kretzschmar (3).

Frisch Auf Göppingen: Jankovic, Zec (Tor) - Brugger (3), Blanke (5), Schindler (2), Hrbkova (8/5), Guberinic (2/1), Bachmann (1), Adamkova (4), Krhlikar (2), Petrinja, Welter.

Siebenmeter: NSU 3/2; FAG 8/6.

Zeitstrafen: 2/2.

Zuschauer: 517.


 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

Kommentar hinzufügen