Neckarsulmer Feuerprobe bei den Bensheimer Flames

Handball  Duell der Punktlosen: Nach der Enttäuschung gegen Nellingen wartet der nächste schlagbare Bundesliga-Kontrahent auf die Sport-Union. Es wird Zeit für die ersten Zähler.

Von Dominik Knobloch

Neckarsulmer Feuerprobe  bei den Bensheimer Flames

Louisa Wolf und Trainer Pascal Morgant schauen vor der richtungsweisenden Partie in Bensheim vor allem auf sich selbst.

Foto: Andreas Veigel

 

Pascal Morgant erwartet "einen Hexenkessel", wenn er an diesem Samstag um 17.30 Uhr mit der Sport-Union in der Bensheimer Weststadthalle aufläuft. Denn nicht nur für seine Neckarsulmerinnen ist die vierte Bundesliga-Partie eine echte Feuerprobe.

"Auch denen ist die Wichtigkeit des Spiels bewusst. Die werden alles mobilisieren − da müssen wir einen kühlen Kopf bewahren", sagt der NSU-Coach mit Blick auf die Flames der HSG Bensheim/Auerbach.

In der Vorbereitung war Bensheim/Auerbach der NSU voraus

Die Teams kennen sich gut, trafen in der Vorbereitung gleich bei zwei Turnieren aufeinander. Und beide Male hatten die Bensheimerinnen von Trainerin Heike Ahlgrimm die Nase vorn. 23:21 im Allensbacher Skoda Cup, 14:11 beim Lotto Cup in Ludwigsburg − "da waren sie um ein ganzes Stück weiter, einen Schritt voraus", gesteht Morgant, der hofft, dass seine Truppe mittlerweile aufgeholt hat.

Ziemlich ähnlich lief es für das Duo zumindest in den bisherigen Pflichtspielen. Drei Liga-Begegnungen, drei Niederlagen. Zuletzt dann ein Stück Selbstbewusstsein durch einen umkämpften Pokalerfolg. "Es gibt ganz viele Parallelen, ich bin wirklich gespannt", sagt Neckarsulms Trainer. Eine, die ihn zum Schmunzeln bringt: "Es werden, gelinde gesagt, nicht gerade die zwei stärksten Abwehrreihen der Liga aufeinander treffen."

Selbst gegen Zweitligist Kirchhof schaffte es die HSG vergangenes Wochenende nicht, beim 35:30 erstmals unter 30 Gegentoren zu bleiben. Eine weitere Bestätigung für die Abwehrschwäche, die sich schon gegen den Buxtehuder SV (25:31), Thüringer HC (22:34) und Blomberg-Lippe (24:32) abgezeichnet hat.

Schwächen in der Abwehr, Stärken bei erster und zweiter Welle

Ein Punkt, an dem Neckarsulm natürlich ansetzen will, um die vergleichsweise kleine HSG-Abwehr zu überflügeln. Auf der anderen Seite gilt es für die Sport-Union, den brandgefährlichen Angriff der Flames in den Griff zu bekommen. "Die kommen mit viel Tempo, einer starken ersten und zweiten Welle, sind aber auch im stehenden Angriff richtig gut", fordert Pascal Morgant von seiner Hintermannschaft einen weiteren Schritt nach vorne.

Als Außenseiter sieht er sein Team "auf keinen Fall". Dadurch, dass die Bensheimerinnen über die laufende Saison hinaus eingespielt sind, hätten sie die Nase aber vielleicht etwas vorn. An den ersten Zählern sollte Neckarsulm gegen einen schlagbaren Kontrahenten aber trotzdem schnuppern: "Es wird natürlich schwierig, die stehen zu Hause in der Pflicht. Aber auch wir wollen unseren ersten Sieg einfahren."

Schon beim jüngsten Bundesliga-Auftritt gegen Nellingen war das der Fall. Trotzdem kam die Sport-Union nicht über ein 22:25 hinaus. "Es kann gut sein, dass wir uns selbst zu sehr unter Druck setzten. Das müssen wir auf jeden Fall schnell ablegen und versuchen, befreiter zu spielen", hofft Kapitänin Louisa Wolf nach der enttäuschenden Niederlage künftig auf mehr Willensstärke.

Sport-Union befindet sich "weiter in der Findungsphase"

Im Pokal gegen Rödertal klappte das trotz des Erfolgs nur phasenweise. Wieder wackelte Neckarsulm zum Teil bedenklich. Am Ende zählte aber das Ergebnis. Und das war erstmals in einem Pflichtspiel positiv. "Wir sind weiter in der Findungsphase. Da tut jeder Sieg gut", sagt Pascal Morgant. Erst nach und nach würde man realisieren, "wie weh uns die personellen Rückschläge wirklich tun". Zumindest Sina Namat macht weitere Fortschritte und dürfte auch bei Bensheim/Auerbach eine Alternative für den Mittelblock sein − dann allerdings mit Abwehr-Angriffswechsel.

Am Donnerstag stand für die Neckarsulmerinnen nochmal eine Videoanalyse des bereits bestens bekannten Gegners auf dem Plan. Das soll helfen, anders als gegen Nellingen diesmal beim Konzept zu bleiben. Denn in erster Linie schaut die Sport-Union ohnehin auf sich selbst, wie Morgant betont: "Wichtig wird sein, was wir selbst machen." Bei der Feuerprobe im Hexenkessel gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren.