Neckarsulmer Bundesligafrauen beißen sich zu Big Points

Handball  Zähes Kampfspiel gegen Bundesliga-Aufsteiger Ketsch geht vor 1300 Zuschauern in der Ballei mit 30:28 an die etwas smartere Neckarsulmer Sport-Union.

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Neckarsulmer Bundesligafrauen beißen sich zu Big Points

Selina Kalmbach (am Ball) und die Neckarsulmerinnen gerieten gegen Sina Michels und Ketsch immer wieder aus der Spur, kamen aber ins Ziel.

Foto: Dennis Mugler

Immer wieder ging es Jill Kooij durch den Kopf. Dasselbe Wort. Nichts anderes. Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen. Nach einer Viertelstunde war die Holländerin am Sonntag in der bebenden Ballei aufs Feld gekommen. Und geblieben. Bis zum Schluss, als sie in der 60. Minute zum umjubelten 30:28 traf und damit den hart erkämpften Heimsieg gegen den Bundesliga-Aufsteiger Kurpfalz Bären aus Ketsch sicherte. "Ich wollte dem Team beweisen, dass ich alles gebe", sagte die Kreisläuferin nach ihrem ungewohnt langen Einsatz. "Es war kein schönes Spiel, aber am Ende stimmt das Ergebnis." Es waren zwei Big Points gegen aufkeimende Abstiegssorgen.

Schwere Beine nach dem Auswärtsspiel am Freitag in Blomberg

Das Freitagsspiel in Blomberg steckte nicht nur Kapitänin Seline Ineichen, der nominellen Nummer eins am NSU-Kreis und im Innenblock, mächtig in den Knochen. "Zwei intensive Spiele innerhalb so kurzer Zeit - damit haben wir heute vor allem zu kämpfen gehabt und das hat man auch gemerkt. Es war brutal schwierig zu coachen. Spielerinnen wie Jill sind aber hervorragend in die Bresche gesprungen", sagte Neckarsulms Trainer Pascal Morgant, nachdem er erleichtert durchgeatmet hatte.

In die Pause war sein Team mit einem 16:17 geschlittert, kam gegen die aggressive 5:1-Deckung der Gäste trotz zwischenzeitlichem 11:8 (17. Minute) immer wieder ins Schlingern. Auch im zweiten Durchgang war die Sport-Union lange nicht auf Siegeskurs. Die wilde Partie ging hin und her, erst in den Schlussminuten war Neckarsulm dann einen Tick cleverer. Besonders Lynn Knippenborg unterstrich mit wichtigen Treffern einmal mehr ihre Führungsqualitäten. "Uns hat am Ende ein bisschen die Abgezocktheit gefehlt", monierte Ketschs Abwehrkämpferin Rebecca Engelhardt, die die Sport-Union als Abwehrspitze immer wieder entnervt hatte. Trotzdem schreckten die Neckarsulmerinnen bis zum Schluss nicht vor dem zähen Abnutzungskampf zurück.

Handball-Feinkost wurde in der Ballei nicht geboten

"Die zwei Punkte waren superwichtig und wir wollten sie unbedingt haben. Es war ein Fight über 60 Minuten, sicher kein schöner Handball", gestand NSU-Shooterin Nele Reimer: "Wir haben es uns auch selber nicht ganz einfach gemacht. Ich bin froh, dass wir es kämpferisch durchgebracht haben." So stark, wie die Neckarsulmer Defensive in der ersten Hälfte in Blomberg gestanden hatte, war sie gegen Ketsch allerdings von Beginn an nicht.

Auch offensiv wirkten die Beine oftmals schwer. Zunächst führte der Weg zum Heil im Angriff vor allem über außen. Viermal Nathalie Hendrikse, zweimal Selina Kalmbach - 6:5. Als auch der NSU-Rückraum besser ins Laufen kam, schien die Sport-Union in der Spur. Doch wirklich absetzen konnten sich die Neckarsulmerinnen nie. Stattdessen schafften die Kurpfalz Bären erst den 14:14-Ausgleich und dann auch noch die Pausenführung.

Angetrieben von der ausverkauften Ballei biss sich Neckarsulm aber zurück in die Partie und rang Ketsch trotz mehrfacher Wackler am Ende nieder. Ein Kampf, der klarer hätte ausgehen müssen? "Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Erwartung zu haben, dass wir von vornherein hoch gewinnen - so weit sind wir noch nicht", betonte Pascal Morgant. Sicher könne sein Team jede Mannschaft ärgern, "aber wir sind noch lange nicht so weit, um zu sagen, es gibt Spiele, die wir sicher hoch gewinnen".


Neckarsulmer SU: Wachter, Kaminska (im Tor) - Kalmbach (4), Wolf, Hendrikse (5), Knippenborg (7), Haraldsdóttir (4/2), Ineichen, Reimer (5), Espinola Perez (2), Kooij (3), Kretzschmar.

Beste Schützinnen Ketsch: Eckhardt (13/4), Osswald (6), Michels (5).

Siebenmeter: NSU 5/2, KBK 4/4.

Zeitstrafen: 2/5. Zuschauer: 1300.


Wachters Erwachen

Als sie gebraucht wurde, war Sarah Wachter da. "Die ersten 45 Minuten habe ich - wenn überhaupt - zwei, drei Bälle gehalten. Aber am Ende wusste ich, wenn ich jetzt nicht halte, dann wird es vielleicht nichts mehr", sagte die Neckarsulmer Keeperin schmunzelnd. Also hielt sie einfach. Fünfmal. Teils spektakulär. Und war damit der entscheidender Rückhalt im Schlussspurt um die beiden Zähler. "Irgendwie hat mich die Mannschaft mit in den Flow genommen und ich habe es hingekriegt meinen Kopf auszuschalten und es kam alles von alleine." 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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