Neckarsulmer Bundesliga-Frauen werden vom BVB gnadenlos bestraft

Handball  Neckarsulm werden beim 26:39 gegen starken Dortmunder die Fehler in der Offensive zum Verhängnis. Wieder fängt das Dilemma nach 20 Minuten an.

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Neckarsulmer Bundesliga-Frauen werden vom BVB gnadenlos bestraft

Für ihren Kampf bekamen die Neckarsulmerinnen um Louisa Wolf (links) und Seline Ineichen zurecht Applaus. Für Punkte fehlte die Konstanz.

Die Rechnung war für Referendarin Louisa Wolf im Vorfeld wenig erbaulich. "Wenn wir gegen Thüringen mit minus 19 verloren haben. Dann kommt Dortmund, das gegen Thüringen mit einem gewonnen hat - was gibt das dann?", hatte die angehende Lehrerin und Neckarsulmer Spielmacherin vor der Bundesliga-Partie gegen den bärenstarken BVB gerätselt.

Nele Reimer betont Feuer und Wille des Teams

Das Resultat leuchtete am Samstagabend von der Anzeigetafel der Ballei. 26:39. Nicht minus 20, aber dennoch deutlich im negativen Bereich. "Das Ergebnis passt mir überhaupt nicht", sagte NSU-Coach Pascal Morgant. Auch die treffsicherste Neckarsulmerin, Nele Reimer, war mit dem Resultat "natürlich nicht zufrieden - aber die Mannschaft hat bis zum Ende gekämpft. Wenn man den Mädels in die Augen geguckt hat, dann hat man da Feuer und Wille gesehen". Was die 1167 Zuschauer in einer extrem temporeichen Begegnung allerdings auch sahen, waren erneut offensive Wackler der Sport-Union, die die verlustpunktfreien Dortmunderinnen immer wieder mit gnadenlosen Gegenstößen bestraften.

Die Neckarsulmer Sollbruchstelle zirka zehn Minuten vor der Pausensirene war ebenfalls wieder da. Und machte eine gute NSU-Anfangsphase kaputt. Gestützt auf eine starke Sarah Wachter im Kasten, setzte sich die Sport-Union nach sieben Minute auf 5:2 ab. Dortmunds Coach André Fuhr griff genervt zur Auszeit. "Was ist das?", brüllte er sein Team an. Es war ein schwacher Dortmunder Start, den Neckarsulm mit einem konsequenteren Spiel deutlicher hätte ausnutzen können. Nach Selina Kalmbachs 7:6 (12. Minute) machten die Neckarsulmerinnen beim Umschaltspiel kurz einen Schritt weniger - und fingen sich direkt einen 0:3-Lauf ein. Pascal Morgant drückte durch ein Timeout auf die Bremse. Das brachte sein Team zurück in die Spur.

Aus einem 12:12 wird in zehn Minuten ein 14:21

Die 20. Minute war bereits verstrichen, die Sport-Union mit 12:12 aber noch immer im Spiel. Es war eine Glanzparade von BVB-Keeperin Rinka Duijndam gegen Nele Reimer, die die schmerzlich vertraute NSU-Schwächephase einleitete. Dortmund bedankte sich für die offensiven Fehler des Gegners mit trockenen Gegenstößen, drückte mächtig aufs Tempo und hängte Neckarsulm bis zur Pause mit 21:14 ab. "Da schlagen wir uns leider ein bisschen selber", gestand Nele Reimer.

"Das ist tatsächlich schon im Kopf drin, auch bei mir. Trotzdem hatte ich diesmal nicht das Gefühl, dass wir nach 20 Minuten einbrechen. Sie ziehen uns trotzdem mit diesen Gegenstößen davon. Wenn etwas mal nicht funktioniert hat, haben wir auch jedes Mal direkt ein Gegentor bekommen", sagte Pascal Morgant.

Klar verloren, aber Ehre gewahrt

Neckarsulmer Bundesliga-Frauen werden vom BVB gnadenlos bestraft

Sein Team kam motiviert aufs Feld zurück, startete mit 17:22 (33.). Dann leistete sich Irene Espinola Perez drei Fehler im Angriff nacheinander und es stand 17:26 (36.). Morgant griff zur Auszeit und nahm die Spanierin vom Feld. Mit Nele Reimer auf halbrechts ging es aber ebenfalls nicht voran, und die Dortmunderinnen setzten sich zum vorentscheidenden 30:17 (40.) ab.

"Ich möchte Irene trotzdem gerne in Schutz nehmen. Sie hat in Angriff und vor allem Abwehr unglaublich viel investiert. Dass sie dann irgendwann müde wird und die Konzentration runtergeht, kann passieren", befand Morgant.

Die Motivation seines Teams ging nicht nach unten. Eine offensive Abwehrvariante mit Chantal Wick als Spitze sorgte für Fehler beim BVB. "Weiter, weiter", rief der NSU-Trainer beim 23:33 in der 51. Minute. Doch trotz zahlreicher Wechsel kam die Borussia auch im Schlussspurt nicht ins Stolpern und setzte sich, angetrieben von neuerlicher Neckarsulmer Angriffshektik, wieder auf 35:23 ab.

Das Spiel war am Ende klar verloren, die Ehre nicht, wie Nele Reimer befand: "Wir haben unser Gesicht bewahrt und auch irgendwie etwas gutgemacht." Eine Lehrstunde war es nicht. Um überraschende Punkte zu machen, sind 40 gute Minuten aber nicht genug.

Neckarsulmer SU: Wachter (6/1 Paraden), Kaminska (4) - Kalmbach (4 Tore), Wolf (2), Hendrikse (4), Knippenborg (1), Wick, Haraldsdóttir, Goos, Ineichen (2), Reimer (10/4), Espinola Perez (3), Kooij, Kretzschmar.

Bester Schützinnen BVB: Sobiech (9/1), Freriks (5), Grijseels (5/3).

Siebenmeter: NSU 4/4, BVB 4/5 Zeitstrafen: 2/3. Zuschauer: 1167.


Hintergrund

Keine Option

Auch gegen die Dortmunderinnen saß Birna Berg Haraldsdóttir wieder nur auf der Neckarsulmer Bank. Dabei hätte sie auf halbrechts phasenweise gut gebraucht werden können. "Wir müssen eine Mannschaft finden, die gemeinsam kämpft. Da fehlt ihr der Anschluss", kommentierte NSU-Coach Pascal Morgant den Verzicht. Haraldsdóttir müsse über das Training versuchen, "diesen Anschluss zu finden, ansonsten vertraue ich auf die, die Vollgas gehen können und wollen". dok

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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