Nach 20 Minuten platzt der Traum vom Coup

Handball  Das Erstliga-Kellerkind aus Neckarsulm fängt gegen den Bundesliga-Spitzenreiter Thüringer HC frech an. Am Ende steht aber eine 27:39-Niederlage auf der Anzeigetafel. Ein positiver Aspekt: Eine Jugendspielerin traf erstmals.

Von Dominik Knobloch

Nach 20 Minuten platzt der Traum vom NSU-Coup

Neckarsulms Linda Mack steuerte drei Tore gegen den Thüringer HC bei. Doch der Tabellenführer war eine Nummer zu groß.

Foto: Alexander Bertok

 

Am Ende stand das, was alle erwartet hatten − eine Neckarsulmer Niederlage gegen den Bundesliga-Primus Thüringen. 20 Minuten lang konnte die Sport-Union den Dominator des Klassements am Mittwochabend in Schach halten, dann setzte sich die Stärke der Spitzentruppe beim 27:39 (10:15) durch.

"In solchen Spielen muss man immer das Positive rausziehen", sagte NSU-Spielmacherin Maike Daniels: "Heute hatten wir wenigstens Mal zwischendurch die Hand am Ball."

NSU liegt zu Beginn vorne

Schon früh wurde in der Ballei rhythmisch geklatscht. Angst vor der nächsten Klatsche gegen einen Favoriten? Keineswegs. Neckarsulm legte gegen den Ligaprimus stark los. Schon nach sieben Minuten segelte die Grüne Karte von THC-Coach Herbert Müller auf den Tisch des Schiedsgerichts. Ein 5:2 leuchtete in warmem Rot von der Anzeigetafel − ein Zwischenstand, der auch den Neckarsulmerinnen nach den jüngsten Niederlagen etwas Wärme spendete.

Die Defensive packte zu, der Rückraum strahlte vom Start weg die zuletzt vermisste Gefahr aus. Vor allem Maike Daniels und Linda Mack hatten einen guten Tag erwischt. Auch Lena Hoffmann sammelte mit ihrem Treffer zum 6:2 wichtiges Selbstvertrauen.

Luzumova legt los

Vereinzelt blitzte aber bereits die individuelle Klasse des THC durch. Besonders Iveta Luzumova setzte Nadelstiche. "In der ersten Hälfte hat der THC fast nur von ihr gelebt, eine überragende Spielerin", gestand Daniels neidlos ein. Müller versuchte verbal alles, um auch den Rest seines zunächst müde wirkendes Team von außen anzustacheln. Spitze war ein Weltklasse-Solo von Luzumova zum 7:8-Anschluss (12. Minute). Doch noch war der Neckarsulmer Traum von einer Überraschung nicht geplatzt. Nach einer Viertelstunde führte die Sport-Union weiter mit 10:7.

Aber dann ließ die NSU-Abwehr ein wenig nach, die Wechsel bremsten im Angriff etwas den Schwung. Und Thüringen drückte aufs Tempo. Nach 17 Minuten glichen die Gäste beim 10:10 erstmals aus, nach 21 Minuten besorgte Gordana Mitrovic beim 12:11 die erste Führung. Neckarsulm begann nachzudenken, ließ sich zu überhasteten Aktionen hinreißen. Der Favorit fackelte nicht lange und feuerte sich zum 20:15-Halbzeitstand.

Lange kein Neckarsulmer Treffer in Halbzeit zwei

Auch nach der Pause bestrafte der Tabellenführer den Außenseiter für sein freches Auftreten in der Anfangsphase. Erst sechseinhalb Minuten nach Wiederanpfiff schaffte Luisa Gerber den ersten Neckarsulmer Treffer mit einer siebten NSU-Feldspielerin als Unterstützung. Ein Stilmittel, das sich bis zum 17:27 (42.) nach mehreren Treffern ins leere Tor aber eher rächte, als dass es gegen die Abschlussschwäche half.

Doch Neckarsulm ließ den Kopf nicht hängen und feierte in der Schlussphase lieber Trixi Hanaks ersten Bundesliga-Treffer zum 21:35 (53.). Ansonsten jubelten vor 718 Zuschauern vorwiegend die starken Thüringerinnen. Ein bisschen Ergebniskosmetik durfte die Sport-Union in den Schlussminuten aber betreiben.

Neckarsulmer SU: Giegerich, Gorelova, Brausch − Kalmbach(1), Hoffmann (1), Breitinger, Gerber (1), Mack (3), Kaufmann, Daniels (9/4), Namat (2), Ineichen (1), Reimer (2), Møldrup (5/1), Hanak (2).

Bester Schützinnen THC: Luzumova (10/1), Scheffknecht (10), Schmelzer (9).

Siebenmeter: NSU 7/5, THC 3/1

Zeitstrafen: 0/2.