NSU-Trainer Pascal Morgant: "Unser Weg wird sich nicht verändern"

Interview  Pascal Morgant spricht im Stimme-Interview über Kommentare auf Facebook, in denen Fans Kritik am Übungsleiter geäußert haben. Zudem geht er auf den konditionellen Zustand der Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen und die Saisonziele ein.

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NSU-Trainer Pascal Morgant: "Unser Weg wird sich nicht verändern"

Gibt die Richtung vor: Neckarsulms Trainer Pascal Morgant möchte den Anschluss ans Mittelfeld der Frauen-Bundesliga schaffen und am Ende auf einem einstelligen Tabellenplatz landen.

Foto: Andreas Veigel

Pascal Morgant ist kein Typ, der sich Kritik entzieht. Das erste Wehklagen der Fans nach vier Bundesliga-Spielen seiner Neckarsulmer Handballerinnen und einer deutlichen Klatsche gegen den Thüringer HC hat er nicht überhört. Trotzdem lässt er sich nicht von seinem Weg abbringen, für den er weiter Geduld einfordert.

An diesem Samstag beim Heimspiel gegen das Topteam Borussia Dortmund (19 Uhr) erwartet er in der Ballei "größtmögliche Gegenwehr" von seinen Handballerinnen und hofft auf eine Überraschung.

Herr Morgant, auf der Facebook-Seite der Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen wurde von Fans zuletzt die Trainerfrage formuliert. Nehmen Sie das mit Humor oder Sorge zur Kenntnis?

Pascal Morgant: Natürlich bin ich darüber nicht erfreut. Aber so etwas gehört dazu, damit muss man immer rechnen.


Damit haben Sie tatsächlich nach vier Spielen, unter denen auch ein Sieg war, schon gerechnet?

Morgant: (überlegt) Nein. Dass ich sowas lese und nicht wirklich überrascht bin, heißt ja noch lange nicht, dass ich so etwas verstehen muss. Das sind freie Meinungen und die habe ich zu akzeptieren. Würde es beleidigen, dann würde es mich mehr stören.


Geben Ihnen die emotionalen Einträge in den Social Media auch Eindrücke, die Sie dann in Ihre Arbeit mit aufnehmen?

Morgant: Ja. Ich lese ja nicht nur unsere Facebook-Seite, sondern auch die anderer Vereine und Sportarten. Wir gehen im Handball ja noch relativ human miteinander um, gerade wenn man zum Fußball schaut. Natürlich sind die Dinge auf diesen Plattformen immer leicht geschrieben, aber damit gilt es umzugehen.


An diesem Samstag kommt Dortmund. Dann warten Buxtehude und Bietigheim. Null Punkte gegen diese drei Topteams wären objektiv wenig überraschend. Doch wie entwickelt sich die Stimmung dann?

Morgant: Für mich ist vor allem interessant, wie die Stimmung in der Mannschaft ist. Und wir wissen, dass wir eine harte Phase vor uns haben. Wenn der ein oder andere Fan das mit Blick auf diese Gegner nicht weiß, dann ist das eben so.


Bei einem Punkt kann man nur schwerlich verschiedener Meinung sein: Es wirkt, als würde deutlich mehr in der Mannschaft stecken, als bisher gezeigt...

Morgant: Das ist richtig. Gegenfrage: Woran liegt das?


Sie würden höchstwahrscheinlich antworten, weil es eben Geduld braucht, bis sich alles einspielt.

Morgant: (lacht) Genau richtig. Wir haben acht Neuzugänge inklusive Louisa Wolf nach Kreuzbandriss. Es sind auch keine unwichtigen Positionen, die wir neu besetzt haben. Dass die Geduld bei den Fans mit der Zeit etwas ins Wanken gerät, kann ich schon verstehen. Und ich kann versprechen: Ich bin auch nicht gerade der geduldigste Mensch und würde mir viele Sachen schneller wünschen, aber das geht halt leider nicht. Man holt nicht einfach Leute zusammen, stellt eine Mannschaft zusammen und dann funktioniert es. Wir wollen etwas Nachhaltiges und Authentisches aufbauen, keine Topstars für schnellen Erfolg einkaufen.
 

Wie hilfreich war es da, schon jetzt die Vision Europa auszurufen?

Morgant: Die zeitliche Schiene ist entscheidend. Im Moment stehen wir vor dem fünften Spieltag und sind im Aufbau einer neuen Mannschaft. Das Ziel Europa ist aber auf Jahre gesehen und ich bleibe bei meinem Standpunkt: Etwas zu entwickeln, braucht einfach seine Zeit. Wenn das nicht verstanden wird, ist das einzige, worüber wir diskutieren müssen, wie wir kommunizieren müssen. Unser Weg wird sich aber nicht verändern.


Das jüngste Stück des Weges war ein 21:40 gegen den Thüringer HC. Sie haben vorher gesagt, das Ergebnis sei trotz des übermächtigen Gegners wichtig. War das zufriedenstellend?

Morgant: Nein. Wer verliert schon gerne mit 19 Toren? Wir waren damit überhaupt nicht zufrieden und sind damit auch sehr selbstkritisch umgegangen. Es gab jetzt Besprechungen und Trainingshandlungen, die das auch widergespiegelt haben. Aber bei aller Unzufriedenheit − wenn man auf einen wütenden THC trifft, dann tut das weh. Sie haben uns mit aller Konsequenz einer Topmannschaft verprügelt. Davon haben wir uns hoffentlich erholt. Jetzt geht es in den nächsten Kampf, der nicht leichter wird.


Definitiv wird er wieder Körner kosten. Ist ihr Team konditionell bereit dafür − gerade mit Blick auf die letzten zehn Minuten vor der Pause, in denen es regelmäßig einbricht?

Morgant: Konditionell sind wir nicht ganz auf dem Level. Es ist eine einfache Rechnung. Kommen sie in der 30. Minute schon in den roten Bereich, dann erholen sie sich in 15 Minuten Pause nicht mehr. Das ist nicht dem geschuldet, dass wir schlecht trainiert haben. Lynn (Knippenbog, Anm. d. Red.) ist Mitte August nach einer OP erst wieder fit geworden. Da fehlen fünf, sechs Wochen in der Vorbereitung. Louisa Wolf ist nach sieben Monaten Zwangspause auch erst wieder eingestiegen. Und auf diese beiden Spielerinnen sind wir brutal angewiesen, was die Spielführung angeht. Dadurch kommt ein Bruch rein, den wir jetzt gerade noch nicht auffangen.


Der Rest des Teams müsste demnach aber topfit sein...

Morgant: Kondition aufzubauen, ist machbar. Wir werden daran auch garantiert weiter arbeiten. Im Juni, Juli haben wir schon den Schwerpunkt darauf gelegt, ab Mitte Juli mussten wir uns mit unseren achteinhalb Neuen aber auf das Spielerische fokussieren, um eine Idee zu entwickeln. Wir werden in der WM-Pause dann den größeren Wert auf Athletik und Ausdauer legen, um weiter zu kommen.


Überspitzt gesagt wurde also ein Stück Ausdauer für die Spielidee geopfert?

Morgant: Ganz genau. Trotzdem wollen wir auch gegen Mannschaften wie den BVB größtmögliche Gegenwehr leisten. Wir wollen bis zur Pause nach Bietigheim noch vier Punkte erreichen. Ob mit Glück oder wie auch immer, ist egal.
 

Und wie sehen die mittel- und langfristigen Saisonziele aus?

Morgant: Wir wollen den Anschluss ans Mittelfeld. Das Ziel ist nach wie vor ein einstelliger Tabellenplatz.

 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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