NSU-Kapitänin Louisa Wolf geht gestärkt nach Mainz

Handball  Louisa Wolf wurde vom jüngsten Gegner der Neckarsulmer Handballerinnen gelobt. Für sie nach klarer Kritik ein Stück persönliche Genugtuung vor dem wichtigen Bundesliga-Spiel in Mainz.

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War zuletzt auf dem Vormarsch: Neckarsulms Louisa Wolf wurde nach dem jüngsten 23:26 gegen Leverkusen vom Gegner zur Frau des Spiels gewählt, weil sie in der NSU-Abwehr starke Akzente setzte.

Foto: Andreas Veigel

Wirklich bedrohlich kommt Louisa Wolf nicht daher. Ihre Größe von 1,72 Meter ist in der Bundesliga wahrlich kein einschüchterndes Maß und mit Muskeln bepackt ist die 25-Jährige ebenfalls nicht. Trotzdem kann die Neckarsulmer Kapitänin auch an diesem Samstag (19 Uhr) in Mainz wieder gefährlich für den Gegner werden. Wie zuletzt beim Duell mit Leverkusen. Als Wolf im Schafspelz.

Nach dem jüngsten 23:26 der Sport-Union war sie von den Werkselfen zur Frau des Spiel bestimmt worden. Keine Wahl, die sich aufdrängte, aber eine gute - analog zum Auftritt der Neckarsulmerin.

In der Abwehr enorm wichtig

Viele extrem auffällige Aktionen hatte Louisa Wolf gegen die Leverkusenerinnen nicht. Im Angriff auch mangels Einsatzzeit. Aber in der NSU-Abwehr war sie enorm wichtig. Trat immer wieder gut getimed aus der Deckung und setzte die Bayer-Halben so unter Druck. "Sie hat gute Ansätze gezeigt und mehr Biss in die Abwehr gebracht", lobte Neckarsulms Trainerin Maike Daniels ihre Nummer vier.

Für Louisa Wolf war die Leverkusener Wahl auch ein Stück weit Genugtuung: "Ich habe in der Abwehr gezeigt, was ich kann. Die Wertschätzung eines gegnerischen Teams freut mich persönlich und auch für Pascal. Es war ein gutes Gefühl, zeigen zu können, dass sein Festhalten an mir richtig war."

Aus von Mentor Morgant bietete Chance

Ex-Trainer Pascal Morgant war vollauf überzeugt von den Qualitäten seiner Kapitänin. Setzte nach ihrem Kreuzbandriss vor gut einem Jahr früh wieder auf sie. Zu unrecht, wie Kritiker immer wieder monierten. Zwar kann Wolf mit Blick auf Morgants Aus in Neckarsulm "nicht ganz alle Begründungen verstehen". Sich ohne ihren Mentor im Rücken zu beweisen, bietet für sie aber auch die Chance, die tadelnden Stimmen Lügen zu strafen.

Potenzial besitzt Louisa Wolf. Nicht umsonst bestritt sie sieben Länderspiele für die deutsche Juniorinnen-Nationalmannschaft und wurde später auch für DHB-Lehrgänge nominiert. Es ist das Auge für die Situation, die taktische Variabilität, welche Wolf in starken Spielen auszeichnet. Die angehende Lehrerin ist auch auf dem Handball-Feld strebsam, was Vor- und Nachbereitung betrifft. Will stetig lernen, sich weiterentwickeln. Eine Stärke, die gleichzeitig auch zur Schwäche werden kann. Dann, wenn Louisa Wolf der kluge Kopf im Wege steht. Über Fehler und Vorwürfe grübelt die Spielmacherin mitunter länger, zuweilen auch zu sehr über Details.

Gegenseitige Unterstützung, auch ohne Best-Buddy-Status

Mit Lynn Knippenborg hat sie auf der Neckarsulmer Mitte in dieser Saison zudem starke Konkurrenz bekommen. Auf halblinks spielen Topscorerin Nele Reimer und Toptalent Lucie-Marie Kretschmar. Das kann das eigene Angriffsspiel beflügeln, aber eben auch hemmen.

Mit Maike Daniels hat Wolf nun andererseits eine Cheftrainerin, die selbst Jahre lang auf hohem Niveau als Spielmacherin aktiv war. Von Knippenborgs Erfahrung kann Wolf ebenfalls profitieren. "Wir ergänzen uns ganz gut gegenseitig", sagt Louisa Wolf über die Holländerin: "Konkurrenzkampf hin oder her - wir müssen uns alle gegenseitig unterstützen, auch ohne mit jeder Best-Buddy zu sein."

Mainz wird kratzen, beißen, treten

Freundschaftlich wird es auch beim Aufsteiger aus Mainz nicht zugehen. "Die stehen mit dem Rücken zur Wand und werden kratzen, beißen, treten - alles", warnt Maike Daniels vor dem Vorletzten, der vier Pluspunkte hinter ihrem Team liegt und am Mittwoch mit 19:36 beim THC abgefertigt wurde. Maximal ein konditioneller Vorteil für Neckarsulm, glaubt Daniels: "Die wollen jetzt zeigen, dass sie etwas reißen können." Es zähle deshalb besonders, die Übersicht zu bewahren.

Die würde Louisa Wolf als Regisseurin in Mainz natürlich gerne vermehrt beweisen: "Nur zur Abwehrspezialistin will ich nicht werden. Ich spiele beides sehr gerne. Aber ich versuche, die Spielzeit zu nutzen, die ich bekomme. Letztlich geht es um die Punkte. Und ich werde mein Ding machen."


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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