NSU-Handballerinnen zeigen 20 Schlussminuten zum Vergessen

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union ist bei Favorit Buxtehude schon auf der Siegesstraße, als wieder der "Rien-ne-va-plus-Modus" einsetzt und es ein 21:25 gibt.

Von Stephan Sonntag
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NSU-Handballerinnen zeigen in Buxtehude 20 Schlussminuten zum Vergessen

Kontakt − und weg die Kugel: Simona Stojkovska hatte lichte Momente in Buxtehude, doch die Schatten überwogen.

Foto: Archiv/Veigel

Es war wohl noch nie so leicht in Buxtehude zu gewinnen. Doch die Neckarsulmer Bundesliga-Frauen haben am Sonntag auch das sechste Aufeinandertreffen mit den Hansestädtern verloren. Gegen äußerst fehlerhaft agierende Gastgeberinnen, legte die Sport-Union eine indiskutable Schlussphase hin und verlor mit 21:25 (14:17).

In den letzten 20 Minuten gelangen genau drei mickrige Treffer aus dem Spiel heraus - im großzügigen Zehn-Minuten-Takt. In der 40. Minute traf Simona Stojkovska zur 17:15-Führung. In der 50. Minute gelang Birna Haraldsdottir mit einem aufgesetzten und abgefälschten Glückswurf das 18:18. 28 Sekunden vor dem Ende erzielte Nele Reimer das bereits bedeutungslose 21:24. Die Treffer 19 und 20 waren Siebenmeter.

Tempomüll ohne Tempo

Der frühere Horkheimer Trainer Jochen Zürn sprach angesichts solch kärglicher Angriffsausbeuten gerne von "Tempomüll". Im Falle der Neckarsulmerinnen sollte man für das letzte Drittel der Partie das "Tempo" noch aus dem Begriff subtrahieren.

Pascal Morgant war allerdings weit davon entfernt, den Stab über seine Mannschaft zu brechen. Der Trainer betonte lieber das Positive. "Wir haben über 60 Minuten eine Bomben-Abwehr gestellt." Oder: "Wir haben eine Mannschaft, die Platz vier anvisiert, ins Wanken gebracht, waren auf Augenhöhe."

BSV erwischt keinen Sahnetag

Dass diese Mannschaft nun wahrlich keinen Sahnetag erwischt hatte, führte er im Gegensatz zu BSV-Coach Dirk Leun auf die eigene Stärke zurück. Und: "Es fehlten nur Zentimeter, oder gar nur Millimeter. Wir waren nicht abgezockt genug, die letzte Konsequenz, das letzte Selbstbewusstsein fehlte."

Oder auch einfach eine bundesligataugliche Spielmacherin. Stojkovska hatte lichte Momente, erzielte drei Tore, doch die Schattenseiten überwogen. Sobald die Mazedonierin Kontakt bekommt - und das ist auf Rückraum Mitte nun mal eher die Regel als die Ausnahme - steigt die Ballverlust-Gefahr exponentiell. Mit der ersten Alternative auf der Position, Svenja Kaufmann, fehlt jeglicher Druck, wird im Rückraum nur quer gespielt.

Die verletzte Louisa Wolf fehlt einmal mehr schmerzlich

In Buxtehude hat sich die Bedeutung der verletzten Louisa Wolf für dieses Team einmal mehr schmerzlich offenbart. Morgant ist aber kein Typ, der jammert, sondern der versucht, seine fitten Spielerinnen stark zu reden.

Das ist verständlich und aller Ehren wert. Die Abwehrleistung der bereits am Samstag angereisten Sport-Union war auch solide. Dass Buxtehude - ähnlich wie Neckarsulm - aber einige Bälle ohne Not einfach ins Aus schmiss, darf nicht ignoriert werden.

Zu Beginn der zweiten Hälfte war zu sehen, was möglich ist, wenn Abwehr und Angriff mal länger in der Balance sind. Den 11:13-Pausenrückstand egalisierte Reimer mit einem Doppelschlag. Selina Kalmbach legte das 14:13 (35.) nach. Zwei schöne Pässe von Reimer auf Irene Espinola Perez führten zum 15:14 (36.) und 16:15 (38.).

Nur phasenweise mit Ruhe und Cleverness

Als Sina Namat für zwei Minuten runter musste, spielte die Sport-Union geduldig ihren Angriff und zog letztlich eine Strafe gegen Isabell Kaiser. Mit dieser Ruhe, der Cleverness, war es nach dem 17:15 durch Stojkovska wie aus dem Nichts vorbei.

Auf das Tor ließ die 25-Jährige zwei Fehlwürfe folgen. Morgant brachte beim 17:17 (46.) wieder Kaufmann von der Bank. Es half nichts. Eine kleine Schwächephase in der Defensive, vier schnelle Tore der Gastgeberinnen vom 18:18 (50.) zum 22:18 (53.) und das Spiel war gelaufen. "Wir sind natürlich alle enttäuscht, aber wir müssen unseren Weg weitergehen", sagte Morgant. Das stimmt natürlich. Die zwei Punkte in Buxtehude lagen aber am Wegesrand und hätten gerne eingesteckt werden dürfen.


Neckarsulmer SU: Roth, Gorelova (Tor) - Kalmbach (2), Pavkovic, Kaufmann (1), Haraldsdottir (5/3), Namat (1), Goos, Pavlovic, Ineichen (1), Reimer (5), Espinola Perez (3), Stojkovska (3).

Beste Schützinnen des BSV: Oldenburg (7), Dölle (5), Fischer (5).

Siebenmeter: BSV 2/1, NSU 3/3.

Zeitstrafen: 2/2.

Zuschauer: 1246.

 


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