NSU-Frauen sind beim 21:40 auf der Suche nach dem richtigen Weg

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union nutzt die heftige Pleite gegen übermächtigen Thüringer HC für teils wilde, teils wirksame Rückraumspielchen. Am Ende heißt es 21:40.

NSU-Frauen sind beim 21:40 auf der Suche nach dem rechten Weg

Kein Durchkommen: Neckarsulms Nathalie Hendrikse (rechts) blieb gestern Abend nicht nur in dieser Situation an ihrer Gegenspielerin hängen. Immerhin war sie mit fünf Treffern die zweiterfolgreichste Torschützin der NSU.

Foto: Andreas Veigel

Ein bisschen glich es einer Operation am offenen Schädel. Die zu rettenden Stelle dabei klar auf halbrechter Hirn-Seite. Das Ergebnis nach 60 schweißtreibenden Minuten: schmerzhaft.

Die Köpfe gingen nach unten, als die Neckarsulmerinnen gestern Abend nach der Schlusssirene übers Feld schlichen. Hinter ihnen leuchtete ein 21:40 von der Anzeigetafel der Ballei. Der Favorit Thüringen hatte sich wie befürchtet deutlich durchgesetzt und sich für seinen schwachen Auftritt im DHB-Pokal rehabilitiert. Neue Eindrücke aber zumindest, die hatte NSU-Trainer Pascal Morgant nach teils wilden Rückraum-Wechselspielchen gewonnen.

"Ich möchte den Stab über meiner Mannschaft nicht brechen - der THC ist nicht unser Gradmesser", sagte der Coach: "Wir haben viel probiert und ich habe Positives gesehen - auch wenn natürlich vieles noch nicht geklappt hat."

Besonders den zuletzt sehr ungefährlichen rechten Rückraum wirbelte Morgant mit vielen Varianten durcheinander. Teils sah das wild aus, teils waren aber interessante Ansätze zu erkennen. Besonders in den ersten 20 Minuten.

Der Anfang sah vielversprechend aus

Für den Favoriten ging der Start gehörig daneben. Respektlos rüttelten die Neckarsulmerinnen am Rekordmeister und führten nach drei Minuten verdient mit 2:1. Schmerzhafter war für den THC aber die frühe Verletzung der einzigen Linksaußen im Kader, Jovana Sazdovska. Sie verletzte sich nach einem unabsichtlichen Foul von Nathalie Hendrikse schwer am Sprunggelenk. Die Thüringerinnen wirkten geschockt, die Sport-Union blieb auch in Unterzahl bis zum 3:1 (6. Minute) auf Kurs.

Dann schüttelte sich der große THC aber und glich zum 3:3 (7.) aus. Neckarsulm ließ sich aber nicht beeindrucken und blieb bis zum 10:11 (20.) mit guten Kampf absolut auf Augenhöhe. Morgant hatte die Partie, in der niemand NSU-Punkte erwartete, von Anfang an auch dafür genutzt, auf hohem Niveau zu experimentieren. Louisa Wolf an der Seite der starken Regisseurin Lynn Knippenborg auf halblinks zu bringen, war in Ansätzen eine gute Idee - auch wenn Wolf so in der Defensive ab und an die Puste fehlte, um mit der überragenden Alicia Stolle Schritt zu halten.

Allgemein war der THC an vielen Stellen zu schnell für die Sport-Union. Nele Reimer auf der anderen Halbposition war ab der 15. Minute außerdem ein Entlastungs-Griff für Abwehrarbeiterin Irene Espinola Perez, der in der ersten Hälfte außer zahlreichen Fehlwürfen nichts einbrachte.

Bei Stolles 15:10 lag die Sport-Union nach 23 Minuten erstmals mit fünf Toren hinten, beim 17:11 (25.) schien die Partie den erwarteten Verlauf zu nehmen. Doch die Neckarsulmerinnen zeigten noch einmal Moral und gingen mit einem manierlich erkämpften 14:20 in die Halbzeitpause.

In der zweiten Hälfte wird es eine Lehrstunde

Zurück aufs Feld kam die Sport-Union im Angriff nun mit Wolf auf halbrechts und Reimer in gewohnter Rolle. Das funktionierte bis zum 17:22 besser. THC-Coach Herbert Müller griff bereits nach vier Minuten zur Auszeit. Als es nach 41 Minuten dann Morgant war, der die Grüne Karte zog, hatte sich der THC vorentscheidend auf 28:18 abgesetzt und in einen Rausch gespielt. Neckarsulm schien sich hingegen einen Knoten ins Hirn gespielt zu haben.

In der Endphase stolperte die Sport-Union dann auch noch über viele Fehlwürfe und technische Aussetzer. Dennoch gab sich Neckarsulm nicht auf. Die Jungen bekamen Spielzeit und versuchten es weiter. Pascal Morgant war sich trotz des 21:40 sicher: "Wir bekommen andere Gegner, wo wir durch die Erkenntnisse um Punkte kämpfen."


Neckarsulmer SU: Wachter (1), Kaminska - Kalmbach (2), Wolf (2), Hendrikse (5), Knippenborg (2), Wick, Goos, Ineichen (1), Reimer (7/3), Espinola Perez (1), Kooij, Kretzschmar.

Beste Werferinnen THC: Stolle (9), Scheffknecht (6), Koresova (6/2); Zuschauer: 1084.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Kommentar hinzufügen