Mit jungem Kader starten die NSU-Handballerinnen in die neue Saison

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union startet an diesem Samstag mit neuen Ansprüchen und ohne die alten Sorgen in die vierte Bundesliga-Saison. Im Kader stehen Talente, Legionäre, altbekannte und interessante Namen.

 

Kader der Neckarsulmer Sport-Union 2019/2020: Hinten (von links): Jutta Perger, Oliver Rieth, Marek Heuchele, Louisa Wolf, Lucie-Marie Kretzschmar, Seline Ineichen, Pascal Morgant, Maike Daniels, Kai Stettner.
Mitte (von links): Dr. Boris Brand, Dr. Anne-Catherine Oppermann, Irene Espinola Pérez, Nele Reimer, Lynn Knippenborg, Jill Kooij, Birna Berg Haraldsdóttir, Andreas Dewald, Sascha Göttler.
vorne (von links): Michelle Goos, Chantal Wick, Nathalie Hendrikse, Sarah Wachter, Oliwia Kaminski, Lucija Zeba, Selina Kalmbach, Svenja Mann.

 

Die größte Neuerung im Vergleich zur Vorsaison steht auf der Verletztenliste. Denn Langzeitausfälle hat Neckarsulm in der vierten Bundesliga-Runde der Vereinsgeschichte bisher keine zu beklagen. Nicht nur deshalb hofft die Sport-Union nach Jahren des ersatzgeschwächten Zitterns auf eine gesunde Saison, mit frühzeitig gesicherter Klasse. Mindestens. Denn als Vision hat Neckarsulm Europa ausgegeben. Ein äußerst ambitioniertes Fernziel.

Der wichtige Kern des Teams ist geblieben, hinzugekommen sind helfende Hände aus Holland, vielversprechende Nachwuchsspielerinnen und ein Schweizer Multitalent. Jede Position im 16er-Kader ist damit mindestens doppelt besetzt, der Altersschnitt mit 23,6 Jahren weiter gesenkt. Das sind die Neckarsulmerinnen im Kurzporträt:

  • Sarah Wachter: Eines der größten, wenn nicht das größte deutsche Talent im Tor sollte der Sport-Union jede Menge Rückhalt geben. Dass der Zugang aus Nellingen in Neckarsulm auf Mentor Pascal Morgant trifft, erleichtert die Eingewöhnung der ohnehin sehr leicht zu integrierenden, aufgeschlossenen Schwäbin aus der Nachbarschaft.

  • Oliwia Kaminska: Der polnischen Keeperin fehlt es noch etwas an Erfahrung. Mit Wachter harmoniert sie aber bereits sehr gut und weiß mit Torwarttrainer Oliver Rieth einen starken Entwicklungshelfer an ihrer Seite. Chefcoach Pascal Morgant ist sich sicher: "Sie ist ein Juwel."

  • Michelle Goos: Wenn die sympathische Niederländerin als 29-Jährige die Team-Oma ist, dann dürfte sie die schnellste Großmutter der Bundesliga sein. Goos hängt mit ihren Sprints nach auskuriertem Kreuzbandriss nicht nur junge Hüpfer in der eigenen Mannschaft ab, sondern sicher auch so manche Konkurrentin.

  • Selina Kalmbach: Die Abstatterin ist an der Verantwortung der vergangenen Saison gewachsen. Nun ist nach abgeschlossenem Studium mehr Zeit, sich voll auf den Handball zu konzentrieren. Ihre Entwicklung ist ohnehin noch lange nicht zu Ende, ist sich ihr Trainer sicher: "Als Neckarsulmer kann man auf dieses Eigengewächs sehr stolz sein, sie ist schon jetzt eine echte Bundesligaspielerin."

  • Lucy-Marie Kretzschmar: Der wohl größte Name im Neckarsulmer Kader zeigt keinerlei Starallüren. Von Drittliga-Meister Leipzig gekommen, weiß das bodenständige Toptalent, dass es im deutschen Oberhaus zunächst kleine Schritte gehen muss. In ihrem Alter bereits so beherzt zu verteidigen, ist aber mindestens genauso beachtlich wie der Familienname.

  • Chantal Wick: Das Schweizer Taschenmesser fürs Team. Der gutgelaunte Zugang ist offensiv in vielen verschiedenen Situationen einsetzbar und lässt sich auch in der Deckung den Schneid nicht abkaufen. Zurecht spricht Pascal Morgant von einem Multitalent, das die Mannschaft in der Breite voranbringen wird.

  • Nele Reimer: Als Toptorschützin im Neckarsulmer Rückraum eine Waffe. Dennoch soll Reimer einen Schritt weg von der reinen Shooterin machen, jetzt wo sie nicht mehr reine Alleinunterhalterin auf Halbrechts ist. Das Potenzial dazu hat die Wurfgewaltige allemal.

  • Louisa Wolf: Ein Kreuzbandriss brachte die Taktgeberin lange aus dem Rhythmus. Nun ist die clevere Kapitänin mit ärztlich bescheinigtem Stahlknie zurück. Für ihren Trainer ist sie ein "Gehirn, das Handball liest". Die angehende Lehrerin ist zudem extrem wissbegierig und will sich stetig verbessern.

  • Lynn Knippenborg: Der Königstransfer verfügt über einen beachtlichen Handball-IQ. Zudem bringt die niederländische Teamplayerin viel Erfahrung in das sehr junge Team. Auch menschlich kommt Knippenborg an, es sei denn, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verliert gegen Holland.

  • Seline Ineichen: Schweizer Qualitätsarbeit liefert Seline Ineichen sowohl am Kreis als auch im Mittelblock. Ineichen ist eine der großen Konstanten bei der Sport-Union und auch als Vorbild sehr wichtig. Bei ihr sind es besonders kleine Details, an denen Ex-Kreisläufer Morgant noch mit ihr gefeilt hat. Ist die in der Vorbereitung gebrochene Mittelhand wieder stabil, stößt Ineichen so schnell nichts um.

  • Jill Kooij: Gekommen, um mit Neckarsulm die Meisterschaft zu gewinnen. Nicht nur in Sachen Zielsetzung bringt der Paradiesvogel Farbe ins Team. "Sie ist das Salz in der Mannschaftssuppe", ist der Trainer bereits Fan von ihrer kecken Art. Am Kreis versteht die Holländerin aber keinen Spaß.

  • Svenja Mann: Die Nachwuchshoffnung durfte bereits als Aushilfe erste Erfahrungen im deutschen Oberhaus sammeln und bleibt trotzdem ganz bescheiden. "Sie hat, was vielen deutschen Spielerinnen fehlt: die richtige Demut, um mit Geduld und harter Arbeit ihren Weg in die Bundesliga zu gehen", sagt Pascal Morgant.

  • Irene Espinola Pérez: Der spanische Sonnenschein ist im Innenblock mittlerweile eiskalt und hat sich dort als Linkshänderin etabliert. Im Angriff sollte sie ebenfalls davon profitieren, diesmal von Anfang an eine Partnerin auf halbrechts zu haben.

  • Birna Berg Haraldsdóttir: Die Isländerin ist ein cooler Typ, der mit viel Spaß bei der Sache ist. Auch wenn sie mit ihrer Körperlichkeit in die Rolle der Shooterin drängt, kann Haraldsdóttir in der Mitte durchaus kreative Wege gehen.

  • Nathalie Hendrikse: "Sie erfüllt ihren Job zu einhundert Prozent", sagt Pascal Morgant über den Neuzugang aus den Niederlanden. Auf Außen ist Hendrikse eine solide Arbeiterin und sollte ihren Auftraggeber dort definitiv voran bringen.

  • Lucija Zeba: Im Training hat die junge Kroatin ihr Potenzial bereits angedeutet, dennoch dürfte sie noch eine ganze Weile brauchen, bis sie auf Bundesliga-Niveau angreifen kann. Eine talentierte Linkshänderin ist aber sehr viel Wert.

 

 

Ein Heimauftakt mit Zündstoff

An diesem Samstag wird es in der Ballei ab 19 Uhr knallen. Der Neckarsulmer Heimauftakt gegen die Dynamites des Bundesliga-Aufsteigers FSV Mainz 05 birgt schließlich Zündstoff. Die Sport-Union steht mit dem Match schon früh in der Punkte-Pflicht. Der Gast sieht Neckarsulm als einen der Gegner, "wo sie sich etwas ausrechnen", warnt NSU-Trainer Pascal Morgant.

Dass für sein Team gegen die Mainzerinnen nur ein Sieg zählt, weiß Morgant aber auch: "Natürlich ist es ein Spiel, das wir zu Hause gewinnen wollen." Dafür sei es wichtig, voll fokussiert gegen die unorthodoxen Dynamites aufzutreten: "Die kreuzen wahnsinnig viel und spielen anders als gewohnt." Die NSU-Deckung scheint aber bereit, auch spezielle Aufgaben zu lösen. Beim 16:24-Start am Mittwochabend in Leverkusen zeigte der Abwehrverbund gegen den starken Vorjahresfünften eine sehr solide Leistung und konnte sich zudem auf eine gute Sarah Wachter als Rückhalt im Kasten verlassen. Mit der Chancenverwertung war der Coach aber "nicht zufrieden - wir hatten schon viele Möglichkeiten im Angriff, haben uns aber nicht belohnt".

Ineichen fehlt noch etwas die Bindung

Zur Leistungsgrenze fehlt der Sport-Union noch ein ganzes Stück. Auf der Mitte konnten Lynn Knippenborg und Louisa Wolf wegen Knieverletzungen erst später voll in die Vorbereitung einsteigen. Ein spürbarer Rückstand. Auch Seline Ineichen fehlt nach auskuriertem Mittelhandbruch noch etwas die Bindung zum Angriffsspiel, auf die noch immer an einem Fingerbruch laborierende Jill Kooij kann Neckarsulm als nominelles Backup dabei nicht setzen.

Mit insgesamt acht neuen Spielerinnen wird es ohnehin dauern, bis die Abläufe im Team ideal sitzen. Da haben die Mainzerinnen ohne Zugänge und mit absolut eingespieltem Kader einen klaren Vorteil. Aber eben auch kein Mehr an Qualität im Vergleich zur Aufstiegssaison. Der Bundesliga-Auftakt der Dynamites war mit einem 20:40 gegen Vizemeister und Pokalsieger Thüringer HC eine klare Sache.

Mainzer Einstellung sollte eine Warnung sein

"Es gibt einiges, woraus wir Selbstvertrauen schöpfen können und einiges, woraus wir lernen können", war Mainz-Coach Thomas Zeitz mit dem ersten Bundesliga-Spiel jedoch nicht unzufrieden. Dass sein Team trotz der aussichtslosen Situation bis zum Ende gekämpft hat, nötigte ihm besonderen Respekt ab. Und sollte eine Warnung für die Sport-Union sein, die in dem brisanten Duell deutlich mehr zu verlieren hat. Den ambitionierten Ansprüchen müssen jetzt Taten folgen.

Die neue Kaderbreite ist dabei ein großes Plus. Keine Spielerin muss mehr über die kompletten 60 Minuten gehen. Die Wechseloptionen sind fast auf allen Positionen auf ähnlichem Niveau. Zeit, die neuen Gesichter in der Ballei kennen zu lernen, haben die Zuschauer zunächst reichlich, denn die Partie gegen Mainz ist der Startschuss für vier Heimspiele in Folge.

"Die Anfangsphase ist durch die Nationalmannschaft und den Europapokal total durcheinander. Klar sind wir damit nicht glücklich", sagt Pascal Morgant. Auf den Auftaktknaller ist er aber heiß.

 

 

 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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