Heimspiel der NSU-Handballerinnen abgesagt

Handball  Die Handball Bundesliga Frauen bläst wegen des Coronavirus für dieses Wochenende alle Erst- und Zweitliga-Spiele ab. Wie es danach weitergeht, weiß bislang keiner. Die NSU-Spielerinnen trainieren erstmal weiter.

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Neckarsulms Trainerin Maike Daniels kann viele Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus nicht so richtig nachvollziehen.

Foto: Andreas Veigel

Zumindest über eine Frage muss sich der Neckarsulmer Vereinsvorstand Rolf Härdtner keine Gedanken mehr machen. "Ich bin Risiko-Gruppe Nummer eins - darf ich eigentlich in die Ballei gehen, oder nicht?" hatte der NSU-Patron gestern Vormittag noch gegrübelt, als er mitteilte, dass die Bundesliga-Frauen ihr Heimspiel gegen Buxtehude am Samstag "nach langen Diskussionen aus Verantwortungsbewusstsein" wegen des Coronavirus ohne Zuschauer austragen werden.

Nur wenig später nahm ihm die Handball Bundesliga Frauen (HBF) die persönliche Entscheidung ab und sagte für das anstehende Wochenende alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga ab. "Über das weitere Vorgehen bezüglich eines Nachholtermins o. ä. entscheidet der Vorstand in Absprache mit den Vereinen in der kommenden Woche. Aussagen über weitere Spieltage können zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden, da die Folgen und Auswirkungen des Coronavirus aktuell nicht absehbar sind", hieß es in der offiziellen Mitteilung.

Neckarsulm will den Rhythmus aufrechterhalten

"Was soll sich in drei Wochen verändern, was soll das Ganze bringen?", fragte sich Neckarsulms Trainerin Maike Daniels: "Wir wissen weiter nicht, was auf uns zukommt." Sie wird den Trainingsbetrieb ganz normal aufrechterhalten - "irgendwie müssen wir ja im Rhythmus bleiben, falls es weitergeht." Wenn, dann würde für die Sport-Union ohnehin erst am 4. April wieder ein Spiel zu Hause gegen Bietigheim anstehen.

Auch eine Lösung ohne Zuschauer hält Daniels aber für "suboptimal - das besondere am Spieltag ist ja, dass es um Punkte geht und Fans in der Halle sind". Diese Variante bleibt den Neckarsulmerinnen gegen Buxtehude nun erspart. "Natürlich wäre es eine spezielle Situation gewesen, mit der wir nicht wirklich glücklich gewesen wären", betont die Neckarsulmer Trainerin. Gemeinsam mit ihrem Team hätte sie nach vier Auswärtsspielen in Folge "sehr, sehr gerne endlich mal wieder ein normales Heimspiel gespielt".

Befremdliche Debatten im Vollkontakt-Sport Handball

Speziell wäre die Partie für NSU-Regisseurin Lynn Knippenborg geworden, die von 2016 bis 2018 beim BSV aktiv war und sich auf das Wiedersehen mit den alten Bekannten gefreut hatte, "aber ohne Zuschauer wäre es schon komisch gewesen - so etwas wie jetzt habe ich auch noch nie erlebt", sagt die 28-Jährige. Schon die Debatte darüber, ob vor Begegnungen überhaupt abgeklatscht wird, fand sie beim Vollkontakt-Sport Handball sehr befremdlich: "Keine von uns im Team hat wegen Corona Angst." Sicherheitsmaßnahmen nehmen die Neckarsulmerinnen natürlich trotzdem ernst: "Maike hat gesagt, dass wir aufpassen müssen."

Konkret bat die Trainerin ihre Spielerinnen darum, an freien Tagen von Reisen in Risiko-Gebiete abzusehen und keine öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. "Am besten nehmen die Mädels das Rad", sagt Maike Daniels lachend.

Seltsame Situation mit Humor nehmen

Die Neckarsulmerinnen versuchen ohnehin, die seltsame Situation mit Humor zu nehmen. "Zum Glück haben wir keine Italienerin im Team", witzelt Daniels und erteilt Sorgen vor Heimatbesuchen ihrer ausländischen Spielerinnen eine Absage. Wie es um Birna Berg Haraldsdóttirs Geburtsland Island stehe, wisse sie zwar nicht genau: "Birna hat dazu aber schon gesagt, dass es durchaus seine Vorteile hat, eine Insel zu sein."

Zumindest manche Fragen klären sich eben automatisch.

 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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