Grün-weißer Gradmesser für die Neckarsulmer Handballerinnen

Handball  In Oldenburg zeigt sich, wie stabil die Sport-Union ist. Für einen Erfolg beim VfL müssen die Neckarsulmerinnen die Fehler in der Offensive minimieren. Selbst nach einem Sieg dürfte es wohl nichts mit einem Besuch beim heimischen Balleifasching werden.

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Irene Espinola-Perez (am Ball) und der Neckarsulmer Angriff muss gegen Oldenburg in die Spur finden.

Foto: Archiv/Veigel

Wenn in den kommenden Tagen die Ballei bebt, dann nicht wegen der Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen. Während zu Hause von Samstag bis Montag der Unterländer Fasching steigt, wird es für die Sport-Union in der Fremde ernst. Das Wochenende startet zwar um 8.30 Uhr noch mit einer Trainingseinheit in heimischer Halle. Danach geht es für die Neckarsulmerinnen aber schon nach Oldenburg, wo am Sonntag um 16.30 Uhr ein grün-weißer Gradmesser wartet.

Besteht die Sport-Union die Reifeprüfung beim direkten Verfolger, wird es wohl auch am Rosenmontagsball kaum beschwingte Bilder von Spielerinnen im Siegestaumel geben. Denn bereits am Mittwochabend geht es für Neckarsulm beim Thüringer HC weiter. Für NSU-Trainerin Maike Daniels kein Problem: "Mein ganzes Leben ist Karneval, da brauche ich keine fünfte Jahreszeit."

Oldenburg präsentiert sich als kleine Wundertüte

Mit kunterbuntem Programm rechnet sie allerdings auch in Oldenburg: "Die sind schon eine kleine Wundertüte. Sie hatten Spiele wie beim Unentschieden gegen Bietigheim, in denen sie überrascht haben. Andererseits haben sie zu Hause auch schon mit 18:33 gegen Bad Wildungen verloren."

Unabhängig davon, welches Gesicht der VfL gegen die Sport-Union zeigen wird - Daniels ist durchaus bewusst: "Allein von der Tabellenkonstellation ist das Spiel richtungsweisend für uns. Wir würden gerne nachlegen und uns noch mehr Luft nach unten verschaffen." Mit nur einem Zähler Abstand sitzt Oldenburg dem Neunten aus Neckarsulm im Nacken. Es ist ein direktes Duell um den einstelligen Platz im Tableau.

Kein Favorit im Duell der Tabellennachbarn

Einen echten Favoriten zu benennen, fällt der NSU-Trainerin dabei schwer: "Ich würde keinen ausloben, immerhin sind wir auswärts. Wir wollen unsere Leistung aber bestätigen." Die war zuletzt durchaus manierlich. Vor allem mit Blick auf die Neckarsulmer Defensive. Sowohl beim 23:26 gegen Leverkusen als auch beim 22:17-Erfolg in Mainz.

Im Angriff muss die Sport-Union ihre Aussetzer aber dringlich minimieren. Das gilt nicht nur, was technische Fehler betrifft, sondern vor allem auch in Sachen Trefferquote. Maike Daniels hat in dieser Hinsicht "zwei, drei Gespräche geführt - ich sehe, was die Spielerinnen im Training bringen, da sind sie schon ein bisschen freier, aber das ist ein Prozess". Lässt dieser in Oldenburg weiter auf sich warten, könnte es schnell bitter werden für die Sport-Union. Denn der VfL lauert mit Vorliebe auf Konter und freut sich über jede Einladung zu leichten Gegenstößen - es ist eine andere Herausforderung als jüngst gegen den schwachen Vorletzten aus Mainz.

Schon im Hinspiel hatte Neckarsulm eine Chance

Dass die Sport-Union gegen das Team von Niels Bötel durchaus bestehen kann, zeigte sie bereits im Hinspiel Ende September. Beim 25:31 standen sich die Neckarsulmerinnen mit schlechter Trefferquote vor allem selbst im Weg. "Wir sind noch nicht da, wo wir seien könnten", konstatierte Michelle Goos damals. Und jetzt?

Die nun verletzte Goos wird keinen Fortschritt präsentieren können. Auch Kreisläuferin Seline Ineichen fällt höchstwahrscheinlich weiter aus. Der Rest des Teams muss aber beweisen, wie stabil er mittlerweile geworden ist.

Alles andere als stabil ist die Personallage in Oldenburg. Hinter etlichen Spielerinnen stehen Fragezeichen. Darunter Leistungsträgerin Kathrin Pichlmeier, die sich beim jüngsten 25:35 des VfL gegen den THC am Knie verletzt hat, auch ansonsten ist der Kader sehr ausgedünnt.

Noch nichts spruchreif in der NSU-Kaderplanung

Fast täglich vermelden abseits des Spielfelds verschiedenste Bundesligisten Vertragsverlängerungen, Zu- und Abgänge. Aus Neckarsulm war noch nichts zu hören. Aber "wir arbeiten daran", betont Trainerin Maike Daniels. Die Personalplanung sei eine ihrer Baustellen, "die künftige Trainerin muss aber auch ein Wörtchen mitsprechen".

Zahlreiche NSU-Verträge laufen aus und "es sind einige interessante Namen auf dem Markt", sagt Daniels. Scheidende Erstliga-Spielerinnen mit noch unbekanntem Ziel sind unter anderem Jennifer Rode, Maura Visser, Maren Aardahl, Alexandra Tinti, Kristina Logvin, Patricia Kovacs und Jesse van der Polder.

 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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