Goos-Verletzung überschattet guten Auftritt der NSU-Frauen

Handball  Die Neckarsulmer Bundesliga-Frauen schlagen sich beim deutschen Meister Bietigheim achtbar, müssen aber wohl lange auf eine Führungsspielerin verzichten. Am Ende gewinnen die Gastgeberinnen standesgemäß 34:26.

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Goos-Verletzung überschattet guten Auftritt der Neckarsulmer Sport-Union

Die Sekunde, in der es geschah: Bei ihrem Tor zum 5:4 verletzte sich Neckarsulms Michelle Goos (re.) schwer am Knie.

Foto: Andreas Veigel

Im Sport liegen Freud und Leid manchmal nur zwei Sekunden auseinander. Neckarsulms Michelle Goos freute sich in der 9. Minute über ihr Gegenstoßtor zur 5:4-Führung gegen den deutschen Meister. Kaum war sie nach ihrem Wurf gelandet, gellte ein Schrei durch die Halle am Viadukt in Bietigheim. Die Niederländerin lag am Boden, schrie immer weiter und hielt sich ihr Knie. Sofort war klar, die Linksaußen der Sport-Union hat sich schwer verletzt. Minutenlang wurde die 29-Jährige behandelt, schließlich mit einer Trage aus der Halle gefahren und direkt nach Hause gefahren.

Diese Szene überschattete eine starke erste Halbzeit des Außenseiters beim stärksten Team des Landes. Dass am Ende dennoch ein standesgemäßer 34:26 (18:15)-Erfolg für die Gastgeberinnen auf der Anzeigetafel zu lesen war, erklärte sich durch den enormen individuellen Qualitätsunterschied zwischen beiden Teams.

NSU-Torhüterin Sarah Wachter hält überragend

In der Anfangsviertelstunde war der doch nicht erkennbar. Das hatten die Gäste vor allem ihrer Torhüterin Sarah Wachter zu verdanken, die überragende elf Würfe parierte. So führten die Neckarsulmerinnen nicht nur beim 5:4, sondern auch beim 6:5 (11.) und 7:6 (12.). Den letztgenannten Treffer erzielte Birna Berg Haraldsdottir. Zum ersten Mal seit Wochen durfte die Isländerin mal wieder aufs Spielfeld, ersetzte früh Irene Espinola Perez auf halbrechts und im Innenblock.

Bis sechs Minuten vor der Pause blieb die Sport-Union auf Tuchfühlung mit dem großen Favoriten. Dann zog die SG angeführt von Nationalspielerin Kim Naidzinavicius doch noch etwas davon. Bis dahin hatte nur Kreisläuferin Maren Nyland Aardahl und Nationaltorhüterin Dinah Eckerle überzeugt. Sie kam aber gerade mal auf halb so viel parierte Würfe wie ihr Gegenüber Wachter. Zum knappen Drei-Tore-Rückstand zur Pause (15:18) klatschten sich die Neckarsulmerinnen zurecht gegenseitig ab.

Bietigheim zieht auf und davon

SG-Trainer Martin Albertsen war mit der Darbietung seines Teams bis dahin sichtlich gar nicht einverstanden. Es stand also zu befürchten, dass die Gastgeberinnen in den zweiten 30 Minuten einen Gang hochschalten würden. Genau das geschah. Innerhalb von neun Minuten war der Vorsprung beim 24:17 mehr als verdoppelt. Neckarsulms Trainer Pascal Morgant nahm eine Auszeit, doch den SG-Zug vermochte auch diese Maßnahme nicht mehr aufzuhalten. Immerhin gelang es den Gästen ihn zumindest zu verlangsamen, so dass der Rückstand nicht wie in einigen Duellen in der Vergangenheit niederschmetternde Höhen erreichte.

Die Sport-Union verabschiedete sich mit der Partie in die sechswöchige WM-Pause. Erst am 27. Dezember geht es mit einem Auswärtsspiel bei der HSG Blomberg-Lippe weiter. Die Bietigheimerinnen müssen am Samstag nochmal in der Champions League ran. Dann geht es nach Montenegro zu Buducnost Podgorica.


Neckarsulmer SU: Wachter, Kaminska (Tor) - Kalmbach (5), Wolf (1), Hendrikse (4), Knippenborg (2), Wick, Haraldsdottir (2), Mann, Goos (3), Ineichen (2), Reimer (6/2), Espinola Perez (1), Kooij, Kretzschmar.

Beste Schützin der SG BBM: Naidzinavicius (7/6).

Zuschauer: 819.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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