Frauen-Bundesliga beendet Saison vorzeitig

Handball  Bestes Abschneiden der Neckarsulmer Sport-Union ist nur Randnotiz. Kreative Lösungen in Vertragsgesprächen gesucht.

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Darf sie in die isländische Heimat? Neckarsulms Birna Haraldsdottir.

Foto: Veigel

Erstmals seit dem Aufstieg 2016 haben die Neckarsulmer Bundesliga-Frauen die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz beendet. Die Freude über das historisch beste Abschneiden hält sich allerdings in engen Grenzen. Am Mittwoch hatte der HBF-Vorstand entschieden, wegen der Coronavirus-Pandemie die Saison abzubrechen. "Das ist richtig so", sagte Neckarsulms Trainerin Maike Daniels. "Jetzt weiß jeder Verein, woran er ist."

Zumindest zum Teil. Denn sowohl in der ersten als auch der zweiten Bundesliga gibt es in dieser Spielzeit keine sportlichen Absteiger. Über mögliche Aufsteiger sowie die Vergabe der internationalen Startplätze soll aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Offen ist auch noch die Austragung des Final-Four-Turniers im DHB-Pokal, das nicht wie geplant am 23./24. Mai in Stuttgart stattfinden kann.

Nie da gewesene wirtschaftliche Herausforderungen

"Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit würden die Clubs aufgrund der damit verbundenen Einnahmeverluste im Bereich Ticketing und Sponsoring in unzumutbarer Weise belasten. Schon jetzt stehen die 14 Erst- und 16 Zweitligisten im Hinblick auf die kommende Saison vor enormen, nie da gewesenen wirtschaftlichen Herausforderungen", hieß es in der HBF-Mitteilung.

Der Sport-Union entgehen die Einnahmen aus den verbliebenen fünf Heimspielen. "Die kommende Saison ist Stand heute aber nicht gefährdet", sagte Neckarsulms Vorsitzender Rolf Härdtner. Doch es gibt noch zahlreiche offene Fragen. Die Spielerinnen haben Verträge bis Ende Juni, müssten also arbeiten, können es aber nicht. Dürfen die Ausländerinnen dann in ihre Heimatländer reisen? Lässt sich Kurzarbeit beantragen? "Wir werden uns von einem Arbeitsrechtler beraten lassen", kündigte Härdtner an. Am Donnerstag soll nacheinander mit allen Spielerinnen gesprochen werden, um bestmögliche individuelle Lösungen zu finden.

Rolf Härdtner ist etwas überrascht

"Wir sind von der Entscheidung der HBF etwas überrascht worden. Ich hätte erwartet, dass sich die Liga noch zwei, drei Wochen Zeit lässt", sagte Härdtner. Und schon gar nicht hatte er erwartet, dass die Frauen vorpreschen, während bei den Männern die Entscheidung über das Saisonende noch aussteht.

Seit die Sporthallen geschlossen sind, trainieren die Spielerinnen individuell. "Jede hat von mir einen Trainingsplan für die nächsten Wochen erhalten", sagte Maike Daniels. "Es ist jetzt aber der Punkt erreicht, dass der Sport einfach nicht mehr im Vordergrund steht, sondern die Gesundheit aller." Daher ist auch das historisch beste Abschneiden ihres Teams allenfalls eine Randnotiz.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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