Europäische Wettbewerbe sind die Vision der Neckarsulmer Handballerinnen

Handball  Die Bundesliga-Frauen der Neckarsulmer Sport-Union sehen den Einzug ins internationale Geschäft als ferne Vision an. Zunächst wäre man mit dem zwischenzeitlichen Status als graue Bundesliga-Maus aber schon sehr zufrieden.

Neckarsulmer Handball-Frauen: Europas Gipfel lockt in der Ferne

Zeigen den Neckarsulmer Weg (v.l.): Geschäftsführer Kai Stettner, Co-Trainerin Maike Daniels, Chefcoach Pascal Morgant und Kapitänin Seline Ineichen.

Foto: Knobloch

Als Erstligist lässt es sich schwerlich weiter aufsteigen. Und doch war sie am Donnerstagabend zurück, die Neckarsulmer Kletterroute. Bei der Präsentation des Weges der Sport-Union symbolisch gezeichnet am Bergmassiv des Matterhorns.

Standen auf der wohlbekannten Powerpoint-Folie in den vergangenen Jahren Stationen wie die Bundesliga und der Klassenerhalt, leuchtete diesmal ganz oben am Gipfel ein gewagtes Expeditionsziel: "Vision Europa!"

Die Strecke freilich, die die Verlockung in der Ferne von der "Etablierung 1. Bundesliga 2018/19" auf dem steilen Pfad trennt, bemaßen auch die NSU-Verantwortlichen mit einer langen Distanz. "Für die neue Saison ist erstmal das Ziel, dass wir nicht mehr so zittern müssen. Wir möchten relativ früh nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Das gibt uns Planungssicherheit und macht das Ganze einfacher", sagte Geschäftsführer Kai Stettner.

Neckarsulm will kein One-Hit-Wonder werden

Für die starke Region habe man sich jedoch bewusst die Vision Europa als Zukunftswunsch in die Vita geschrieben, "natürlich nicht für die kommende Runde, da möchten wir uns auch gar nicht festschreiben lassen, wann es tatsächlich passieren müsste - wenn wir so weit sind, wollen wir kein One-Hit-Wonder sein, sondern nachhaltig aufgebaut".

Baumeister um ein gewachsenes Team bleiben dabei Co-Trainerin und Jugendkoordinatorin Maike Daniels und Chefcoach Pascal Morgant. "Die Ziele sollen ambitioniert sein, wir befinden uns im Leistungssport. Auch das Feld um die Mannschaft herum haben wir ja jetzt sehr gut aufgestellt. Die Etablierung in der Bundesliga wollen wir hoffentlich abgeschlossen haben. Noch nicht endgültig, aber wir wollen den nächsten Schritt gehen", sagte Morgant selbstbewusst.

Dass es bis zum internationalen Geschäft, sprich den Plätzen eins bis fünf, kein kurzer, sondern ein extrem harter Weg ist, weiß der 45-Jährige: "Visionen sind keine Ziele. Der nächste Sprung ist der Anschluss zu Bad Wildungen, zu Oldenburg, zu Blomberg und Göppingen." Ist der geschafft, "dann müssen wir von Europa sprechen, aber das ist noch ein längerer Entwicklungsweg - wenn der nächste Schritt bedeutet, dass wir erstmal eine graue Maus sind, weil wir im Niemandsland der Tabelle landen, dann ist das der erste große Erfolg für uns".

Trainer Pascal Morgant setzt sich keine persönlichen Grenzen

Neckarsulmer Handball-Frauen: Europas Gipfel lockt in der Ferne

Für Neckarsulms Trainer Pascal Morgant stimmt die Richtung. Er sieht mit Blick auf Kader und Entwicklung einen klaren Schritt nach vorn.

Foto: Andreas Veigel

Ob der Trainer auch die weit entfernten, erhofften Erfolge in Europa mit den Neckarsulmerinnen feiern wird? Schließlich läuft sein Vertrag mit der Sport-Union im nächsten Jahr aus. "Bis ich in Rente bin, muss ich es geschafft haben", sagte Pascal Morgant schmunzelnd zu seiner Zukunft. Eine Arbeit mit Menschen sei niemals begrenzt, schob er dann ernsthaft nach: "Natürlich ist mein Vertrag begrenzt. Aber bisher verstehen wir uns ja sehr gut. Ich kann mir persönlich keine Grenze einbauen, nicht zu meinen Spielerinnen sagen: ,Jetzt arbeiten wir noch ein Jahr Vollgas und danach ist es mir scheißegal, was du machst"."

Grenzenlos wird es aber zumindest beim Neckarsulmer Schlachtruf nicht mehr zugehen. Das alte Motto "No limits" hat ausgedient. Der neue NSU-Slogan lautet "hart und harzlich" - eine Adaption an das ursprüngliche "mit dem Herz in der Hand", gepaart mit einem Wortspiel, das hängenbleiben soll.

Nähe zu den Fans suchen und Heimstärke beweisen

Überhaupt ist es den Neckarsulmerinnen wichtig, Identifikationsfiguren für die Region zu sein. "Deshalb ist in dieser Saison auch eines unserer großen Ziele, Heimstärke zu beweisen. Die ganze Ballei, die blaue Wand, mitzunehmen", erklärt Spielmacherin und Kapitänin Louisa Wolf, die nach auskurierten Kreuzbandriss wieder darauf brennt, "auf der Platte zu sein".

Gerne erinnert sie sich zurück an eine Schnitzeljagd in der Vorbereitung, bei der es galt, nur mit Autogrammkarten als Zahlungsmittel Zutaten für ein Abendessen in Neckarsulm und den Teilorten zu erstehen.

Die Nähe zur Umgebung soll bleiben, unabhängig davon, wie die Visionen in ferner Zukunft lauten.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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