Erste Hilfe für die Finger

Neckarsulm  Dr. Boris Brand, Mannschaftsarzt der Bundesliga-Handballerinnen aus Neckarsulm, gibt Tipps, wie sich Freizeit- und Profisportler nach Kapsel-Verletzungen mit einfachen Taping-Techniken schützen können.

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Ballsportler kennen das nur zu gut: Der Ball kommt hart auf dem gestreckten Finger auf oder man stößt beim Zweikampf unglücklich mit dem Gegenspieler zusammen und schon schießt ein stechender Schmerz in den Finger, später wird er dick und spannt.

Kapselverletzungen gehören zu den häufigsten Blessuren in Ball- und Kontaktsportarten. Meistens sind sie harmlos und Erste-Hilfe-Maßnahmen nach dem Pech-Schema lindern die Schmerzen. Pech steht für Pause, Eis, Kompression (im Englischen mit "C" geschrieben) und Hochlagern.

In welchen Fällen man einen Arzt konsultieren sollte

Mannschaftsarzt Boris Brand tapt die Finger von NSU-Spielerin Jill Kooij (vorn) und Torfrau Sarah Wachter. Foto: Veigel

"Bei starken Schmerzen, einer Instabilität des Gelenks oder wenn man sich nicht sicher ist, ob nicht doch etwas gebrochen ist, sollte man mit der Verletzung zum Arzt", sagt der Neckarsulmer Sportmediziner Dr. Boris Brand. Er ist Mannschaftsarzt der NSU-Bundesliga-Handballerinnen. Mit einer Röntgenuntersuchung kann der Arzt bei Bedarf eine Fraktur ausschließen.

Die niederländische NSU-Spielerin Jill Kooij war erst kürzlich von solch einer Fingerfraktur betroffen. Zugezogen hatte sie sich diese beim Gerangel mit einer Gegenspielerin. Kooij wurde ambulant in Neckarsulm operiert und ist inzwischen wieder als Kreisläuferin im Einsatz.

Nach Verletzungen sei Taping eine gute Methode, um die Finger zu schützen, sagt Brand. Beim Taping werden betroffene Körperteile mit einem nicht elastischen Band umwickelt. Das dient zur Stabilisation oder zum Schutz. Dabei sind zwei einfache Taping-Techniken besonders gängig. Brand demonstriert sie an Jill Kooij und NSU-Torhüterin Sarah Wachter.

 

  • Variante eins: Hierbei wird das Fingerendgelenk umwickelt. Sinnvoll ist das bei Kapselverletzungen oder Entzündungen. Ein schmales, selbsthaftendes Tape (gibt es zum Beispiel im Drogeriemarkt) wird etwa eineinhalbmal locker um den Finger geschlagen. Tipp von Brand: Ein ungefähr passendes Stück Tape von der Rolle abreißen, bevor man es einsetzt. Zieht man das Tape direkt von der Rolle auf die Finger, besteht die Gefahr, dass der Verband zu fest sitzt und die Durchblutung eingeschränkt wird.

 

  • Der gesunde Finger stützt beim Buddy-Tape den verletzten ab. Foto: Veigel

    Variante zwei: Eine weitere leicht anzuwendende Technik ist das Buddy Tape (zu deutsch Kumpel-Verband). Bei dieser Methode, die bei Seitenband- und schwereren Kapselverletzungen eingesetzt wird, stützt der gesunde Finger den verletzten ab. Zwei Tape-Streifen verbinden dafür die beiden Finger. Das mittlere Gelenk bleibt frei, damit die Beweglichkeit nicht eingeschränkt ist. Auch Kooij schützt sich aktuell mit dieser Art von Tape. Brand weist darauf hin: "Wer starke Schmerzen hat bei seitlicher Belastung, sollte lieber einen Arzt um Rat fragen." Unter Umständen könne es sich um eine Seitenbandruptur (Riss) handeln.

 

Wichtig bei dieser Technik: Das mittlere Gelenk bleibt frei, damit die Beweglichkeit nicht eingeschränkt wird.

Wann kann der Sportler nach einer einfachen Kapselverletzung wieder voll ins Training und den Spielbetrieb einsteigen? Dazu Brand: "In den ersten drei Tagen nimmt die Schwellung in der Regel zu." Danach setzen Abbau- und Aufbauprozesse ein, Narbengewebe bildet sich. Anschließend klingt das Ganze wieder ab.

Wichtig ist, sich vor dem Sport aufzuwärmen

"Vom vierten bis zum siebten Tag gibt es normalerweise eine rasche Verbesserung", erklärt er. Bis die Kapselverletzung vollständig ausgeheilt sei, dauere es etwa sechs bis acht Wochen. "Zurück auf den Platz kann man aber meistens schon am Ende der ersten Woche." Brand rät dazu, das betroffene Gelenk beim Wiedereinstieg zu tapen.

Noch ein Tipp zur Prävention: Vor dem Sport auch die Hände gut aufwärmen! Sehnen, Bänder und Knorpel sind schlechter durchblutet als die Muskulatur. Sie brauchen deshalb auch länger zum Warmwerden. Deshalb: Arme kreisen, Hände ballen und spreizen und sich locker einwerfen. Solche und ähnliche Aufwärmübungen mindern die Verletzungsgefahr.

 


Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politikressort. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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