Einbruch beim Umbruch der Neckarsulmer Sport-Union

Handball  Vier Langzeitverletzte erschweren den Neustart der Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen. Damit drängt sich eineinhalb Wochen vor dem Start der Bundesliga-Saison ein Thema besonders auf: das Pech beim Personal.

Von Dominik Knobloch

Einbruch beim Umbruch der Neckarsulmer Sport-Union

Bisher nicht für Neckarsulm am Ball: Lena Hoffmann laboriert an einem Knorpelschaden im Knie − Rückkehr offen.

Gerne hätten sie am Dienstagabend über andere Dinge gesprochen. Doch bei der traditionellen Pressekonferenz der Handball-Frauen der Neckarsulmer Sport-Union eineinhalb Wochen vor dem Start der Bundesliga-Saison drängte sich ein Thema besonders auf: das Pech beim Personal. Denn auch der Ausfall von Spielerinnen scheint bei der Sport-Union langsam zur Tradition zu werden. Zur leidigen.

Schon in der vergangenen Runde waren dem Handball-Leuchtturm des Unterlands immer wieder wichtige Pfeiler der Mannschaft weggebrochen. Sicher nicht der einzige, aber einer der gewichtigeren Gründe, warum das zweite Jahr im deutschen Oberhaus auf einem enttäuschenden vorletzten Platz endete. "Ich hoffe, dass ich mit diesem Schritt weg vom Team auch meine Pechsträhne mitnehme", hatte Ex-Trainer Emir Hadzimuhamedovic im Februar gesagt, als er seinen Posten zur Verfügung stellte. Ein Wunsch, der sich auch ein halbes Jahr später noch nicht erfüllt hat.

Der neue Trainer Pascal Morgant wird immer wieder ausgebremst

Einbruch beim Umbruch der Neckarsulmer Sport-Union

Ernste Sache: Auf Roberta Ivanauskaite muss Neckarsulms Trainer Pascal Morgant lange verzichten. Die Litauerin zog sich einen Kreuzbandriss zu.

Foto: Alexander Bertok

Nach einem Umbruch mit viel Elan in die Vorbereitung gestartet, wird Neckarsulms neuer Coach Pascal Morgant immer wieder ausgebremst. Mit Roberta Ivanauskaite verletzte sich vergangenes Wochenende die vierte Spielerin schwer. "Ich bin immer noch etwas geschockt", gestand Morgant. Wie Untersuchungen am Montag ergaben, hat sich das litauische Toptalent das Kreuzband gerissen. Genau wie vor zwei Wochen Michelle Goos. Es sind die beiden vielversprechendsten Neuverpflichtungen, die der Sport-Union wohl mindestens ein halbes Jahr fehlen werden. Auch Sina Namat und Lena Hoffmann laborieren an langwierigen Knieverletzungen.

Für Kreisläuferin Seline Ineichen und Rechtsaußen Ana Pavkovic gibt es momentan keinen nominellen Ersatz. Mit Irene Espinola Perez steht zudem nur eine Linkshänderin für den rechten Rückraum parat. Lediglich neun fitte Feldspielerinnen stehen Morgant momentan noch zur Verfügung. Zugang Simona Stojanovska, die erst vergangene Woche in Deutschland gelandet ist und die Vorbereitung fast komplett verpasst hat. Auch das 19-jährige NSU-Eigengewächs Trixi Hanak und Urgestein Svenja Kaufmann, die wegen ihrer Arbeit nicht in vollem Umfang mit dem Team trainiert, sind keine voll belastbaren Stützen.

Klare Absage an Zwangsaktionismus

Einbruch beim Umbruch der Neckarsulmer Sport-Union

Vorerst nicht mehr in der Trainingshalle, sondern in der Reha: Michelle Goos.

Foto: Matthias Heibel

"Was wir auf jeden Fall vermeiden wollen, sind Panikeinkäufe", erteilte Pascal Morgant Zwangsaktionismus eine klare Absage: "Wir sind aber an einer Spielerin weiterhin dran. In den nächsten Tagen können wir hoffentlich etwas verkünden. Wir bleiben natürlich weiter auf der Suche, auch wenn es vom Zeitpunkt immer schwieriger wird, Leute zu finden, die auch passen."

Von Katzenjammer ist der NSU-Coach trotz der misslichen Lage weit entfernt. Stattdessen setzt er auf Kampfgeist: "Die neue Mannschaft hat sich schon sehr gut zusammengefügt. Auch der Druck, den wir durch die Verletzten bekommen haben, hat uns nochmal zusammengeschweißt. Ich bin mir sicher, dass wir selbst mit dem verhältnismäßig kleinen Kader einige Hürden meistern werden."

Saisonziel Klassenerhalt

Mehr als das Ziel Klassenerhalt wollten die Neckarsulmer dann aber ob der angespannten Personalsituation doch nicht ausgeben. Für NSU-Kapitänin Seline Ineichen gilt es, sich am Schlachtruf des Teams zu orientieren: Mit dem Herz in der Hand. "Leidenschaft, Emotion und Spaß sind Grundvoraussetzungen, die wir auch für die kommende Saison brauchen. Und zwar jede Einzelne von uns. Nur als Team können wir stark sein. Das wollen wir verkörpern", sagt die Schweizerin.

Einbruch beim Umbruch der Neckarsulmer Sport-Union

Kann das NSU-Team momentan nur von außen unterstützen: Kreisläuferin Sina Namat.

Fotos: Andreas Veigel

Zum Team zählt auch weiterhin die ehemalige Spielmacherin Maike Daniels. Allerdings sitzt sie in der neuen Saison als Co-Trainerin auf der Neckarsulmer Bank. Eine Rückkehr aufs Feld wäre naheliegend. "Nein", war die knappe Antwort mit einem Lächeln. Neckarsulms Vereinsvorsitzender Rolf Härdtner konnte sich allerdings nicht vorstellen, "dass Maike Nein sagen würde, wenn sie gebraucht wird". Ein Ball, den Daniels nicht aufnahm. Lieber sprach sie über andere Dinge.

Auszeichnung für Bernhard Bauer

Eine besondere Auszeichnung hatte sich Neckarsulms Vereinsvorsitzender Rolf Härdtner am Dienstagabend bis zum Ende der Pressekonferenz aufgehoben. Mit einem süffisanten Lächeln erklärte er den ehemaligen DHB-Präsidenten und gebürtigen Neckarsulmer Bernhard Bauer zum Ehrenmitglied der NSU: "Dein Vorteil - du musst jetzt weder Eintritt noch Beitrag bei uns bezahlen." Beides will sich Bauer aber auch künftig nicht nehmen lassen. Gerührt bedankte er sich. "Ich wünsche euch viel, viel Erfolg. Ihr habt es drauf. Dieses Jahr wünsche ich mir, dass ihr beständiger spielt", sagte er Richtung Mannschaft. Bauer wird sicher des öfteren zu Besuch sein.

 

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