Ein verlässlicher Rückhalt im Neckarsulmer Tor

Handball  Auf Sarah Wachter wird es heute Abend beim Heimspiel gegen den Thüringer HC wieder verstärkt ankommen. Das Torhüter-Toptalent der Neckarsulmer Sport-Union ist gewappnet.

Besonders bewacht gegen den THC
Steht im Neckarsulmer Kasten schon jetzt für verlässlichen Rückhalt: die erst 19-jährige Sarah Wachter. Foto: Andreas Veigel

Ein Blick ans andere Ende des Feldes reicht Sarah Wachter an diesem Mittwochabend in der Neckarsulmer Ballei, um zu sehen, wohin es von der Sport-Union aus als Torhüterin gehen kann. Beim Thüringer HC steht schließlich Ann-Cathrin Giegerich im Kasten, wenn es ab 19.30 Uhr zum ungleichen Bundesliga-Duell kommt.

Giegerich hat sich 2018 mit einer sehr starken Saison bei der Sport-Union für ein Engagement beim großen THC empfohlen. Genau wie ihre NSU-Nachfolgerin Nicole Roth, die Neckarsulm 2019 als Sprungbrett nach Metzingen nutzte. "Im Tor gibt es hier nie Probleme", sagt Pascal Morgant schmunzelnd.

Große Worte? Große Leistungen!

Auch bei Wachter würde er sich Größerem nicht in den Weg stellen: "Wenn sie uns einmal verlässt, dann kann es nur zu einem Top-Club sein - und dann ist es auch okay." Mehr als okay ist bislang Sarah Wachters Leistung. Die erst 19-Jährige ist ein ruhiger, bescheidener Typ. Statt mit großen Worten fällt sie lieber mit großen Leistungen auf. Und spricht so zwischen den Pfosten bereits jetzt Bände.

Früh signalisierte sie ihr Potenzial, spielte sich schnell ins Juniorennationalteam. In der Jugendbundesliga-Mannschaft des TV Nellingen blieb ihr Talent auch dem damaligen TVN-Aktiven-Coach Pascal Morgant nicht verborgen. Mit 17 Jahren stellte er sie schon ins Nellinger Erstliga-Tor, schenkte ihr mehr und mehr Vertrauen. In Neckarsulm sind Mentor und Toptalent nun seit dieser Saison wieder vereint. "Ich bin Pascal sehr dankbar. Er hat auf mich gesetzt, das war sicher nicht selbstverständlich", weiß Wachter.

Kurze Wege zwischen Halle und Hörsaal

Eine gewagte Investition, die sich für Morgant ausgezahlt hat. Nach dem wirtschaftlichen Aus des TV Nellingen in der Bundesliga stand Sarah Wachter bei so manchem Club auf dem Wunschzettel. Dass ihre Wahl auf Neckarsulm fiel, lag zu einem großen Teil am altbekannten Förderer. Außerdem lassen sich im nahen Heilbronn Sport und das frisch begonnene BWL-Studium mit kurzen Wegen verbinden.

Der erste Bundesliga-Sieg der Saison war zu großen Teilen Verdienst der neuen Keeperin. Beim 30:21 gegen Aufsteiger Mainz glänzte Sarah Wachter Mitte September mit 15 Paraden und einer Fangquote von 44,12 Prozent. "Da war ich zufrieden mit mir", sagt sie. Nur selten ist das der Fall. Die Ehrgeizige will sich stetig weiterentwickeln.

Sie steht schon da, wo der Ball hinfliegt

Spektakuläre Aktionen muss sie im Handball-Tor nur selten zeigen. Sie scheint oftmals einfach schon da zu stehen, wo der Ball hinfliegt. "So soll das ja auch sein", sagt sie lachend zu ihrem vorausschauenden Stil. Trotzdem ist sie bereit, weiter von anderen zu lernen. "Natürlich schaut man sich genau an, was die anderen guten Spielerinnen auf der eigenen Positionen machen." Ann-Cathrin Giegerich beispielsweise sei "sehr schnell und unten gut - außerdem hat sie viel Erfahrung".

Viele neue Erfahrungen dürfte Sarah Wachter an diesem Mittwoch gegen den THC sammeln. Nachdem Pascal Morgant sie wegen leichten Leistenproblemen beim jüngsten 45:39 gegen Zweitligist Sachsen Zwickau im DHB-Pokal geschont hat, wird Wachter wieder zwischen den Pfosten stehen.

Illustre Gäste-Offensive um Emily Bölk

Der Vorjahres-Vize und amtierende Pokalsieger ist gegen Neckarsulm klarer Favorit. Die NSU-Keeperin könnte gegen die illustre Thüringer Offensive um Emily Bölk und Co. mehr zu tun bekommen, als ihr lieb ist: "Natürlich ist das keine einfache Sache, aber wir gehen in kein Spiel, um es zu verlieren. Gegen Thüringen wartet ein Spiel, in dem die Mannschaft mich im Tor hinten braucht. Wir wollen beweisen, dass wir es können."

Auch NSU-Trainer Pascal Morgant erwartet "große Gegenwehr" von seinen Neckarsulmerinnen. Natürlich ist ein Sieg nicht das erklärte Ziel, aber "das Ergebnis ist nicht zweitrangig - wir müssen weiter hart am Kampf arbeiten, ein paar haben noch nicht verstanden, dass es nur darüber gehen muss". Leerlauf-Phasen wie im Pokal will der Coach nicht noch einmal sehen. Zwar ärgerte es ihn, dass sein Team eine Sieben-Tore-Führung verspielt hat, "aber das Fighten hat uns vielleicht gut getan".


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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