Die Vision Europa kann für Neckarsulm schnell Realität werden

Handball  Mit einem Sieg am Sonntagabend im DHB-Pokal-Viertelfinale gegen Göppingen winkt Bundesligist Neckarsulmer Sport-Union nicht nur die Teilnahme am Final Four.

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Aller guten Dinge sind drei: Nach diesem Motto geht die Neckarsulmer Sport-Union das DHB-Pokal-Viertelfinale am Sonntag (18 Uhr) gegen Frisch Auf Göppingen in der Ballei an. Zwei Mal ist das Team von Trainer Pascal Morgant in der Vergangenheit an der letzten Stufe vor dem Final Four in Stuttgart (23./24. Mai) gescheitert. Am Dreikönigstag 2016 gab es damals noch als Zweitligist eine 22:28-Niederlage beim Bundesligisten HSG Blomberg-Lippe. 2019 waren die Tussies Metzingen beim 19:25 in der Ballei eine Nummer zu groß.

Coach Morgant hat nicht beim gegnerischen Training zugeschaut

So gesehen erwartet die Sport-Union dieses Mal einen Gegner auf Augenhöhe. In der Bundesligatabelle liegen die Pokalkontrahenten punktgleich auf den Rängen elf und zehn. "Auf das Bundesliga-Klassement brauchen wir nicht zu schauen. Göppingen hat enorme Qualität im Kader", sagt Pascal Morgant.

Die Vision Europa kann für Neckarsulm schnell Realität werden

Vor fast genau einem Jahr verpassten Selina Kalmbach (Mitte) und die Neckarsulmer Sport-Union gegen Metzingen den Einzug ins Final Four des DHB-Pokals.

Foto: Archiv/Veigel

Der Neckarsulmer Coach wohnt zwar in Göppingen, hat sich aber nicht als Kiebitz in der Halle versteckt, um die Pläne seines Kontrahenten Aleksandar Knezevic aufzudecken. "Ich habe zwar keinen Generalschlüssel mehr, aber ich hätte sicher einen Weg gefunden. Das hätte auch durchaus interessant sein können", sagt Morgant. Denn beim Gegner sind viele verletzte Spielerinnen zurück im Kader. Nur Rückraumschützin Roxana Ioneac fehlt weiterhin. Das Ende der Verletztenmisere spiegelt sich auch in den jüngsten Ergebnissen wider. Zwei der bisher drei Saisonsiege wurden zu Jahresbeginn gegen Mainz und Oldenburg eingefahren. "Göppingen ist sehr viel stärker als es der Tabellenplatz aussagt", ist sich auch Rolf Härdtner sicher.

Klassenerhalt wichtiger als Europapokal

Der Sport-Unions-Vorsitzende hat im Stimme-Interview vor ziemlich genau zwei Jahren seinen persönlichen Traum formuliert: "Mal unter den ersten Vier zu landen und im Europapokal zu spielen." Vor Saisonbeginn rief der Verein die "Vision Europa" aus. Dass der Traum womöglich schon mit einem Sieg am Sonntag Realität werden könnte, war nicht einmal dem Vereinschef bewusst. Denn sollten die übrigen drei Teilnehmer am Saisonende die ersten drei Plätze in der Bundesliga belegen, wäre die Sport-Union schon als Final-Four-Teilnehmer für den EHF-Pokal qualifiziert.

Tabellenführer Dortmund (29:27 gegen Bietigheim) und der Tabellenvierte Thüringer HC (34:26 beim TSV Nord-Harrislee) zogen bereits am Mittwoch ins DHB-Pokal-Halbfinale ein. Der Tabellenfünfte Metzingen folgte am Freitagabend mit einem 32:27 gegen die HSG Bensheim/Auerbach. "Ich verzichte gerne auf den Europapokal, wenn wir stattdessen frühzeitig den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen", legt Härdtner die Priorität klar aufs Brot-und-Butter-Geschäft in der Bundesliga und verweist die Träume in ferne Zukunft: "Für die Europapokalteilnahme haben wir noch ein paar Jahre Zeit."

Zeba und Wick sind zurück im Kader

Sein Trainer sieht es ähnlich: "Wir sollten Schritt für Schritt vorangehen. Über den Europapokal machen wir uns keine Gedanken", sagt Morgant. Es galt in der Trainingswoche, erst einmal die indiskutable Abwehrleistung von der Niederlage in Bensheim aufzuarbeiten. "Wir haben gemeinsam einen Wochenplan erarbeitet, den die Mannschaft super umgesetzt hat", lobt der Trainer. Besonders die Torhüterinnen münzten ihre Unzufriedenheit über nahezu null Paraden in Trainingsleistung um. "In dieser Hinsicht sind unsere Keeperinnen vorbildhaft", sagt Morgant. Mit Chantal Wick und Lucija Zeba kehrten zudem zwei länger verletzte Spielerinnen zurück ins Mannschaftstraining. "Sie werden am Sonntag im Kader stehen, aber nur im Notfall eingesetzt", will Morgant dem Duo noch ein wenig Zeit geben.

Der Glaube an den ersten Einzug unter die besten vier ist entsprechend groß. "Wir haben eine schlagkräftige Gruppe und sind deutlich reifer als noch vor einem Jahr", sagt Morgant. Zudem dürfte eine voll besetzte Ballei deutlich mehr Schub geben, als die 331 Zuschauer beim Mittwochabendspiel im Januar 2019 gegen Metzingen. "Bei uns muss alles funktionieren", sagt Härdtner.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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