Bundesliga-Handballerinnen der Sport-Union kommen per Achterbahn ans Ziel

Handball  Mit viel Moral gewinnen die Neckarsulmerinnen ein wenig ansehnliches Schlüsselspiel gegen Bad Wildungen mit 26:23. Erster Sieg für Maike Daniels als Cheftrainerin.

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Mit vollem Einsatz und mannschaftlich geschlossen haben die Neckarsulmerinnen um Jill Kooij (2.v.l.) und Lucie Marie Kretzschmar (beim Wurf) den wichtigen Sieg gegen Bad Wildungen eingefahren.

Foto: Andreas Veigel

Am Ende waren da nur noch Endorphine. Glückselig sprangen die Neckarsulmerinnen am Samstagabend Arm in Arm durch die Ballei. So geschlossen wie die Sport-Union für das 26:23 (13:11) gegen die Bad Wildungen Vipers gefightet hatte, so feierte sie auch die beiden Bundesliga-Big-Points im Kellerduell. Aber "es war auf jeden Fall Achterbahn", sagte NSU-Shooterin Nele Reimer schmunzelnd.

Rauf und runter ging die wilde, über weite Strecken rumpelnde Fahrt durch die Ballei. 2:4, 6:6, 6:9 und 10:9 lauteten Zwischenstationen auf dem Weg zu Neckarsulms 13:11-Pausenführung. Stabil im auf beiden Seiten oftmals zittrigen Spielverlauf zeigte sich NSU-Youngster Lucie-Marie Kretzschmar, die die ersten 30 Minuten ziemlich cool durchspielte.

Neckarsulm bricht auch nach 0:5-Lauf nicht zusammen

Es war jedoch vor allem die Arbeit im Kollektiv, welche den Neckarsulmerinnen durch die nicht minder turbulente zweite Hälfte half. Wer nicht auf der Platte stand, feierte von der Bank aus jede gelungene Aktion. Und sprach den Teamkolleginnen bei Fehlern Mut zu. Gemeinsam kämpfte sich die Sport-Union durch eine zwischenzeitliche Talfahrt. Glaubte auch nach einem 0:5-Lauf zum 16:19 (45. Minute) weiter ans Ziel und steuerte mit dem 21:21 (51.) wieder Richtung Sieg.

Die finale Weiche zum Erfolg legte in der engen Schlussphase letztlich Reimer mit Hilfe des Innenpfostens des Bad Wildunger Gehäuses. Von dort aus prallte ihr Wurf in der 59. Minute zum vorentscheidenden 25:23 in den Kasten. Die Schützin und Trainerin Maike Daniels sprangen sich erleichtert in die Arme.

Die Erfolgsfaktoren: Rotation im Angriff, defensivere Grundformation

"Wir wussten, dass wir keine Kurve hinlegen werden, die nur nach oben zeigt - nach dem Spiel der Vorwoche ist es wenig verwunderlich, dass es zum Teil auch eine Achterbahnfahrt war. Es gibt diese kleinen Täler, die man als Mannschaft überstehen muss und das haben wir supergut gemacht", sagte Daniels erleichtert. In ihrem zweiten Spiel als Interims-Chefin setzte sie im Angriff auf viel Rotation und hinten auf eine massivere Abwehr: "Sie ist defensiver als vorher, aber nicht defensiv. Wir haben schon einen Plan, wie es in der Abwehr funktionieren soll. Mit 23 Gegentoren kann man absolut zufrieden sein und das bin ich auch."

Weniger zufrieden war die Trainerin der Vipers, Tessa Bremmer. Zumindest mit der Chancenverwertung: "Die war eine Katastrophe. Wir haben grundsätzlich kein schlechtes Handball gespielt, sind in der Abwehr phasenweise sehr gut und kompakt gestanden und haben nach vorne mit viel Tempo gespielt. Aber die Bälle müssen eben rein - das ist das A und O."

Dobricic assistiert

Branko Dobricic ist der neue Co-Trainer der Neckarsulmerinnen. Am Mittwoch war erstmals mit im Training dabei und stand gegen Bad Wildungen offiziell als Maike Daniels Assistent auf dem Spielberichtsbogen. Es ist ein Modell, dass das Duo bereits vor dem Trainerwechsel in der ersten Mannschaft bei der U23 der Sport-Union praktiziert hat. Das neue Tandem weiß also, in welche Richtung es gemeinsam steuern muss und tauschte sich gegen die Vipers rege aus.

Spielerinnen loben Training der neuen Chefin

Einen entscheidenden Anteil an Bad Wildungens vielen Fahrkarten hatte allerdings auch NSU-Keeperin Sarah Wachter. Nach einer unglücklichen Anfangsphase drehte sie mächtig auf, parierte unter anderem zwei Siebenmeter. "Ich habe irgendwann einfach meinen Kopf ausgeschaltet - so spielt man am besten. Wir haben nie aufgegeben. Das war das Resultat des guten Trainings, das Maike mit uns macht."

Auch Neckarsulms starke Regisseurin Lynn Knippenborg lobte Daniels Arbeit: "Sie hat natürlich auch auf der Mitte gespielt, darüber bin ich froh. Sie weiß viele kleine Details, macht zum Beispiel auch Ansagen zu meinen Würfen. Sie ist eine von uns, nah dran, aber eben auch oben beim Club."

Maike Daniels selbst wollte weniger über ihre eigene Person sprechen: "Es geht um die Mannschaft und darum, dass wir Punkte sammeln. Mein Job ist es, dafür klar voran zu gehen. Das mache ich mit Demut und Respekt und das werde ich auch weiterhin so halten. Es muss weitergehen und wir müssen auf den richtigen Weg kommen. Mit diesem Spiel ist der Weg nicht beendet, der hat gerade erst angefangen."


Neckarsulmer SU: Wachter (13/2 Paraden), Kaminska (1/1) - Kalmbach (2 Tore), Wolf (1), Hendrikse (2), Knippenborg (6), Wick, Zeba, Haraldsdóttir (2/2), Ineichen (2), Reimer (5/1), Espinola Perez, Kooij (2), Kretzschmar (4).

Beste Schützinnen Vipers: Ingenpaß (5/2), da Silva Pereira (4).

Siebenmeter: NSU 4/3, BWV 6/3..

Zeitstrafen: 3/2.

Zuschauer: 1048.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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