Bloß keine bösen Erinnerungen zum Saisonauftakt

Handball  Für Louisa Wolf schließt sich mit dem Bundesliga-Start in Leverkusen ein aufreibender Kreis. Im Duell mit Bayer riss sich die Kapitänin der Neckarsulmerinnen in der Vorsaison das Kreuzband. Ans Knie fassen wird sie sich am Mittwochabend aber sicher nicht.

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Auftakt als Abschluss

NSU-Trainer Pascal Morgant fehlte ohne seine Spielmacherin Louisa Wolf in der vergangenen Rückrunde oftmals der verlängerte Arm auf dem Feld.

Louisa Wolf wird sich nicht ans Knie fassen, wenn an diesem Mittwochabend in der Leverkusener Ostermann-Arena die 18. Spielminute läuft. Die bösen Erinnerung an den Bundesliga-Konkurrenten Bayer sind längst verblasst, der schmerzliche Moment am 2. Februar 2019 neuer Entschlossenheit gewichen.

"Ich habe eigentlich nie richtig gezuckt, wenn es um Leverkusen geht, sondern immer versucht, positiv und optimistisch zu sein", sagt die NSU-Kapitänin vor dem Saison-Auftakt gegen die starken Werkselfen (19.30 Uhr).

Dass bei der ersten Liga-Begegnung mit ihren Neckarsulmerinnen nach der Verletzungspause ausgerechnet jener Kontrahent wartet, gegen den sie sich am 13. Spieltag der vergangenen Runde das Kreuzband gerissen hat, ist für Wolf zweitrangig: "Mein erstes Ziel war immer, bis zum Saisonstart wieder fit zu sein, da war mit relativ egal, wer wartet." Als sie im Spielplan gesehen hat, dass der Gegner Leverkusen heißt, seien die Gedanken natürlich schon kurz gekreist, gesteht Louisa Wolf: "Die habe ich dann aber ganz schnell beiseite geschoben."

Nach der Diagnose war Wolf am Boden

Nur als ihr damals nach der bitteren Diagnose bewusst wurde, dass sie mindestens ein halbes Jahr ausfallen wird, "war ich kurz richtig am Boden - das war die schlimmste Zeit". Doch schon kurz vor der OP ging Wolfs Blick wieder nach vorn, der Kopf nach oben. Während der Zwangspause ist die 25-Jährige gereift. Hat noch einmal eine gesteigerte Wertschätzung für das gewonnen, was sie nun auf dem Feld wieder tun darf: "Das merkt man immer erst richtig, wenn man es nicht mehr kann."

Die Reha ist für Louisa Wolf perfekt verlaufen, die Kraftwerte stimmen: "Comeback stronger habe ich von daher definitiv geschafft." Handball-technisch müsse sie nach ihren ersten Minuten im DHB-Pokal gegen Herrenberg aber weiter geduldig sein, weiß die Leaderin.

Auftakt als Abschluss

Böse Erinnerung: Am 2. Februar verletzt sich Louisa Wolf beim Heimspiel gegen Leverkusen am Knie. Die spätere Diagnose: Kreuzbandriss.

Fotos: Veigel

Der Trainer will Wolf noch Zeit geben

Dass mit Neuzugang Lynn Knippenborg eine weiterer Anführerin auf der Rückraummitte bereit steht, erleichtert die Eingliederung. "Wir sind alle überrascht, dass Lui schon wieder spielbereit ist und freuen uns extrem. Trotzdem müssen wir ihr Zeit geben", warnt NSU-Trainer Pascal Morgant vor überzogenen Erwartungen. Man dürfe nicht vergessen, dass sie sieben Monate Spielpause hinter sich hat: "Sie wird uns aber in der Breite definitiv sofort stärker machen."

Ohnehin geht Neckarsulm gestärkt in die Runde. Die Vorbereitung ging diesmal ohne größere Verletzungen über die Bühne und war "sehr gut, das Gefühl passt - die Spannung ist extrem groß, alle sind heiß", sagt der Chefcoach. Etwas befremdlich sei zwar der Start mitten in der Woche, "aber nervös macht uns das nicht". Weil die Leverkusenerinnen am Wochenende in der ersten Runde des EHF-Pokals aktiv waren, ist die Partie verlegt worden.

Bayer bleibt der klare Favorit

Einen Mehrwert an Informationen haben die beiden Bayer-Partien gegen Zyperns Vertreter Latsia Nikosie für Neckarsulm nicht gebracht. "Die hätte Leverkusen auch mit der zweiten Mannschaft noch sehr deutlich gewonnen", sagt Pascal Morgant zum 40:5 und 36:5, für die die Werkselfen noch nicht einmal Normalform abrufen mussten.

Finden sie die gegen Neckarsulm, dann wird es für die Sport-Union ganz schwer beim Vorjahresfünften, der als klarer Favorit in die Partie geht. "Wir geben trotzdem hundert Prozent und fahren da sicher nicht mit der Gewissheit einer Niederlage im Gepäck hin", versichert Louisa Wolf. Das Team sei auf jeden Fall konkurrenzfähig: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken und freuen uns, dass es jetzt endlich losgeht."

Ob auf dem Feld oder der Bank - Louisa Wolf wird sich nicht ans Knie fassen, wenn in der Leverkusener Ostermann-Arena die 18. Spielminute läuft. Trotzdem hat sie nicht vergessen, was außer einem guten Auftritt zählt: "Verletzungsfrei bleiben."

Ineichen hat sich zurück in den Kader gekämpft

Ganz ohne nominelle Kreisläuferin muss Neckarsulm beim ersten Bundesligaspiel in Leverkusen nicht bestehen. Seline Ineichen hat sich nach ihrem Mittelhandbruch zurück in den Kader gekämpft. "Sie steht im Aufgebot und wird ihre Minuten bekommen", sagt NSU-Trainer Pascal Morgant. Er wird aber weiterhin auch auf die Aushilfskräfte Chantal Wick und Selina Kalmbach setzen müssen, weil ein Einsatz für Kreisläuferin Nummer zwei, Jill Kooij, nach ihrem Fingerbruch noch zu früh kommt. 

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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