Auftakt der NSU-Handballerinnen: Kecke Ansagen, klare Vorstellungen

Handball  Gut gelaunt startet die Neckarsulmer Sport-Union in die erste Vorbereitungsphase auf die Bundesliga-Saison. Die Kadergröße ist diesmal das klare Plus.

Von Dominik Knobloch
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Auftakt der NSU-Handballerinnen: Kecke Ansagen, klare Vorstellungen
Nele Reimer (vorne) und die Neckarsulmerinnen wollen in dieser Saison den nächsten Schritt machen und raus aus dem roten Bereich kommen.

Der Anspruch für die kommende Bundesliga-Saison? "Ich will Champion werden", sagt Jill Kooij in festem Englisch mit mit losem Mundwerk. Kokett grinst die Niederländerin. Applaus brandet von der Zuschauertribüne. Auch als der nächste Neckarsulmer Neuzugang, Lucija Zeba, bei der öffentlichen Vorstellung am Donnerstagabend mit einem Platz unter den ersten Drei ähnlich ambitionierte Ziele formuliert, gibt es begeisterten Beifall in der Pichterichhalle.

"Optimismus ist doch schön. Vierter wäre auch noch schön", nimmt NSU-Trainer Pascal Morgant die kecken Ansagen mit Humor. Dass Neckarsulm auch im vierten Erstliga-Jahr nicht um die vorderen Plätze spielen wird, dürfte niemanden überraschen. "Vielleicht müssen wir nur der ein oder anderen Neuen noch klar machen, wo wir standen und stehen", sagt Morgant schmunzelnd.

Viel Teambuilding, viel Kennenlernen

Auftakt der NSU-Handballerinnen: Kecke Ansagen, klare Vorstellungen
Treue Fans: Auch knapp 30 Grad in der Pichterichhalle hielten den harten Kern der NSU-Anhänger nicht vom Kommen ab.

Wo die Sport-Union definitiv nicht wieder stehen möchte, ist in der Abstiegszone. Und dafür schafft der Verein seit dieser Woche die Grundlagen. "Zunächst ist es viel Teambuilding, viel Kennenlernen. Dann folgt die Fitness", erklärt Neckarsulms Chefcoach den etwa 50, 60 Besuchern, die der Einladung zur Schaueinheit trotz Hitze gefolgt sind. Sie sehen ein ziemlich gut gelauntes, harmonisches Team.

"Der Kern der Mannschaft ist geblieben. Es fühlt sich also nicht nach dem nächsten Neustart an, letztes Jahr war es schon etwas anderes", sagt Luisa Wolf. Fünf Monate nach ihrer Kreuzband-OP ist die Kapitänin schon wieder erstaunlich agil, setzt nur bei Übungen mit schnellen Richtungswechseln noch aus und "zu spielen kann ich mir momentan auch noch nicht vorstellen, selbst wenn Geduld nicht gerade mein zweiter Vorname ist".

Trainer spürt eine schöne Anfangseuphorie

Ihr Trainer jedenfalls ist von Wolfs Gesundheitszustand hoch erfreut: "Ich spüre insgesamt eine schöne Anfangseuphorie." Auch Pascal Morgant selbst strahlt nach der Pause warme Entschlossenheit aus. Ein brauner Teint zeugt noch von seinem Familienurlaub in der Bretagne, den er ganz in Ruhe genießen konnte. "Letztes Jahr musste ich mich ja erstmal selbst orientieren. Mit Entscheidungen arbeiten, die ich nicht getroffen habe. Das war nicht zu hundert Prozent meins. Jetzt übernehme ich von mir selbst, das macht schon vieles einfacher." Dennoch werde der Umbruch natürlich weitergeführt, sei nicht abgeschlossen.

In seinem zweiten Jahr steigen aber auch die Erwartungen an den Trainer: "Die möchte ich auch gar nicht bremsen. Wir selbst wollen ja auch zielorientiert an die Sache heran gehen. Wir starten jetzt nicht in die Vorbereitung mit der Zielsetzung, nochmal dasselbe zu erreichen. Deshalb haben wir andere und neue Spielerinnen dazu geholt." Jede Position haben die NSU-Verantworlichen doppelt besetzt. "Es war schon sehr schön zu sehen, wie es jetzt aussieht, wenn wir auf zwei Tore werfen", hat Pascal Morgant seinen Lieblingsmoment der Schaueinheit schnell gefunden: "Das waren zwei Mannschaften. Auf der oberen und der unteren Seite. Und nicht wie letzte Saison drei Spielerinnen da und vier dort." Die Kadergröße ist diesmal das größte Plus.

Einfachste Sachen sind immer die Besten

Auftakt der NSU-Handballerinnen: Kecke Ansagen, klare Vorstellungen
Neue Gesichter, alte Entschlossenheit: Trainer Pascal Morgant spürt "eine schöne Anfangseuphorie" im neuformierten Neckarsulmer Team. Foto: Andreas Veigel

In einem realistischen Rahmen sollten sich die Ansprüche aber auch weiterhin bewegen. Selina Kalmbach ist da zum Start recht genügsam. Und freut sich über die kleinen Erfolge. "Endlich bin ich nicht mehr die Jüngste und muss keine Tore mehr auf- und abbauen", sagt die 21-Jährige mit Blick auf die noch jüngeren Neuverpflichtungen. Zu sicher sollte sich die nun tatsächlich dienstälteste Spielerin ihrer Sache aber nicht sein, warnt ihr Coach augenzwinkernd: "Erstmal wird das schon so sein, aber wenn wir neue Regelungen finden, kann das anders aussehen." Morgant will sich in den nächsten Wochen einiges einfallen lassen, aber "die einfachsten Sachen sind immer die Besten".

Am Freitag stand ein Beach-Volleyball -Turnier auf dem Plan, an diesem Samstag eine Schnitzeljagd, um Stadt und Region kennen zu lernen. Gut, gerade für die Neuen.


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