70 Papp-Fans nehmen am Neckarsulm-Spiel in der Ballei teil

Handball  Beim Bundesliga-Match Neckarsulm gegen Leverkusen am Samstag sind die Fans zumindest ein wenig dabei - als Pappaufsteller. Nach dem Aus im Pokal erwartet NSU-Trainerin Tanja Logvin jedoch ein anderes Auftreten ihres Teams.

Email

Jill Kooij (am Ball) und die Neckarsulmerinnen müssen sich beim zweiten Aufeinandertreffen mit Leverkusen innerhalb von nur zwei Wochen auf eine härtere Gangart einstellen.

Foto: Ralf Seidel

Wenn es an diesem Samstag (18 Uhr) zum direkten Wiedersehen mit den Werkselfen des TSV Bayer 04 Leverkusen kommt, dann will NSU-Trainerin Tanja Logvin eine andere Körpersprache sehen als beim 24:27-Pokal-Aus vor einer Woche. Beim Blick auf die Tribüne der Ballei kann sie sich dessen sicher sein. Auch wenn das Bundesliga-Match erneut als Geisterspiel ausgetragen wird.

Ein kleines bisschen sollen die Fans aber doch dabei sein. Und dafür hat sich der Verein etwas einfallen lassen. Bis Mittwoch konnten NSU-Anhänger ein Foto schicken, um damit gegen eine kleine Gebühr als Papp-Ebenbild im Neckarsulmer B- und C-Block aufgestellt zu werden. "Es lief gut. Etwa 70 Papp-Fans sind es geworden. Wir wären auch bereit, nochmal welche zu ordern, wenn weiteres Interesse da ist", sagt Pressesprecher Sascha Göttler. Eine nette Aktion.

Die Trainerin will ein anderes Gesicht sehen

Aggressiv arbeiten Tanja Logvin will aber vor allem auf dem Feld ein anderes Gesicht sehen. Und das soll nicht nett sein. Denn was die 46-Jährigen beim ersten Duell mit den Werkselfen besonders vermisste, war aggressive Deckungsarbeit: "Bei jedem Kontakt sind unsere Spielerinnen am Boden gelegen. Dieses Mal müssen wir in der Abwehr einen ganz anderen Kontakt suchen."

Es gilt, sich den Leverkusener Starspielerinnen wie Mia Zschocke mit aller Macht in den Weg zu stellen. Im Pokal bekamen die Neckarsulmerinnen Zschocke nur mit einer Manndeckung in den Griff. "Damit haben sie Schwierigkeiten bekommen", sagt Logvin und ist gespannt, was sich Gästetrainer Michael Biegler für das direkte Wiedersehen hat einfallen lassen: "Er ist ein guter Trainer." Auch die Neckarsulmer Chefin möchte jedoch erneut mit ihrer Kreativität punkten. Bayer-Shooter Mia Zschocke deshalb sofort wieder direkter Bewachung zu unterstellen, ist für die deshalb nicht der Weisheit letzter Schluss: "Das war ja nur eine Lösung, um die Mädels ins Spiel zu bringen. Wenn unsere Abwehr richtig funktioniert, dann brauchen wir niemanden in Manndeckung nehmen."

Pokal ist Pokal, nun folgt ein anderes Kapitel

Andere Situation Unabhängig von taktischen Schachzügen nimmt Tanja Logvin ihr Team in die Pflicht: "Ich erwarte eine Antwort und die Mannschaft will sie geben." Eine klare Erwartung in Sachen Punkten will sie indes nicht formulieren: "Leverkusen kommt als Favorit nach dem gewonnen Spiel. Aber Pokal ist Pokal, jetzt ist es eine andere Situation und wir spielen noch immer in eigener Halle."

Die Mentalität spielt eine entscheidende Rolle

Auch für Biegler funktioniert der Vergleich zur Vorwoche nur sehr bedingt: "Das wird ein anderes Kapitel, das ist Meisterschaft, da ist im Kopf etwas anders. Wir fahren nicht zweimal mit der gleichen mentalen Vorbereitung nach Neckarsulm."

Bei der Sport-Union wird die Mentalität ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen. Berührungsängste mit den bekannten Namen im Bayer-Kader darf es nicht ein zweites Mal geben. Denn gerade die Leverkusener Schlüsselspielerinnen gilt es mit allen Mitteln zu ermüden. Hinten mit Härte, vorne mit Tempo. Das weiß auch Tanja Logvin: "Ihre zweite Garde dahinter ist noch sehr jung und unerfahren. Wir haben in der Breite den besseren Kader, das wollen wir ausnutzen und nicht zweimal hintereinander dieselben Fehler machen." Was die NSU-Trainerin zuversichtlich macht: "Die Mädels können die Dinge sehr schnell umsetzen."

Und sollte das mit dem anderen Gesicht nicht direkt klappen, hilft vielleicht ein kurzer Blick auf die Neckarsulmer Tribüne.

Irene Espinola Perez noch immer mit EM-Chancen

Zwar sind die vier Niederländerinnen der Neckarsulmer Sport-Union aus dem Rennen um einen EM-Platz in ihrer Nationalmannschaft, ein heißes Eisen hat der Bundesligist mit Blick auf das Turnier im Dezember aber noch immer im Feuer. Zumindest wenn es nach Trainerin Tanja Logvin geht. Für sie ist die Spanierin Irene Espinola Perez eine klare Kandidatin: "Sie selbst glaubt aber noch nicht richtig daran." Die finale Entscheidung über den spanischen Kader steht genau wie bei der deutschen Equipe noch aus. Was für Logvin auch im Bezug auf ihre nicht berücksichtigte Oranje-Kreisläuferin Jill Kooij feststeht: "Wenn nicht dieses Mal, dann beim nächsten Mal." dok


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Kommentar hinzufügen